Stubengeschichten aus Strasburg 00:00:02.620 --> 00:00:19.232 Es sind ja verschieden Menschen nach Straßburg eingewandert und eine der wichtigsten Zuwanderungen waren eben die Hugenotten. Und für diese Einwanderung soll der Wagen sinnbildlich stehen. 00:01:50.770 --> 00:01:53.600 Also man kann das bei dem Jean Toussaint, der 1691 hier ankam, relativ genau sagen. Es hat sechs Jahre gebraucht, bis er hier angekommen ist. Denn die haben das alles zu Fuß gemacht. Es hat sich auch keiner Pferd und Wagen leisten können. Ja, das ist ja 1685, also die Aufhebung des Edikt von Nantes hatte für die reformierten Protestanten, die Hugenotten in Frankreich ganz schwerwiegende Konsequenzen. Sie wurden bei Strafe gezwungen, ihren protestantischen reformierten Glauben abzuschören. Wer das nicht tat, wurde bestraft. Ja, warum sind meine Vorfahren nach Norddeutschland ins Land Brandenburg geflüchtet, in die Uckermark und in Straßburg angesiedelt? Das war eine durchaus berechtigte politische Entscheidung der damals Herrschenden des großen Kurfürsten. Der wollte ja sein Land, was durch Dreißigjährigen Krieg und die Pest danieder lag, wieder beleben. Und da war für ihn ein willkommener Anlass, dass die Hugenotten aus Frankreich flüchten müssen. Und das waren eben qualifizierte Menschen in verschiedenen Berufszweigen. Und darum hat er sehr bewusst diese Menschen in sein Land gerufen und hat sie hier in Brandenburg, in Preußen, in der Uckermark angesiedelt. Und das hat eben auch den gewünschten Erfolg gehabt. Blut ist rein gekommen, neue Techniken, neue Handwerkskünste, neue Initiativen sind gekommen. Und das hat das brachliegende Land wieder belebt. 00:02:37.590 --> 00:02:40.070 Sie haben sehr viel mitgebracht, was insbesondere die feineren Lebensformen angeht. Sie kamen ja aus einem reichen Land, aus einer sehr entwickelten Landschaft mit großen Städten. Und hier haben sie sowohl die feinen Backwaren, Weizengebäck, weißes Gebäck, wie man es damals nannte, eingeführt, als eben auch sehr viele Obst- und Gemüseformen, auch die Kultur von Salaten, Gemüsen, Obstanbau, die Veredelung von Obstgehölzen. Das ist alles ganz verstärkt durch die Hugenotten eingeführt worden. Und natürlich auch die gesamten Gewerke. 00:04:24.420 --> 00:04:25.888 Und das sieht man ja auch hier im Museum in Straßburg. Also die Hugenotten haben Handwerke mitgebracht, die hier noch nicht bekannt waren. Zum Beispiel Tabakanbau und Tabakverarbeitung, die Seidenzucht und die Seidenweberei. Sie haben auch traditionelle Handwerke, die hier gerade in Straßburg untergegangen waren, wiederbelebt und hier wieder eingeführt. Also ein Schwerpunkt in meiner Familie ist sicherlich die Gerberei gewesen. Gerberei ist die Zubereitung von Leder aus Tierhäuten. Das kannte man, aber in Frankreich war man da in der Technik der handwerklichen Fähigkeit etwas weiter voraus irgendwo. Und vor allen Dingen war man auch weiter in der Herstellung von Produkten aus dem so hergestellten Leder, nämlich feine Handschuhe und feine Lederprodukte. Und das war eine Spezialität, die eben die Hugenotten mit hier ins Land gebracht haben. Ich denke, dass der wirtschaftliche Erfolg der Hugenotten auf ihre calvinistische Religion zurückzuführen ist. Und diese Religion beruhte auf Gottvertrauen, Bescheidenheit und Fleiß. Und ich denke, mit dieser Lebenseinstellung, und das haben sie eben dem lieben Gott zuliebe gemacht, sind sie auch erfolgreich geworden und haben eben immer auch für ihren Glauben gekämpft und haben nicht so schnell aufgegeben im Leben. Das ist ja auch das, was mich heute noch fasziniert in meinen Vorfahren, auch wenn ich deren Religion nicht teile. Aber der Mut, immer wieder anzufangen und nicht aufzugeben und für ihre Rechte zu kämpfen, das fasziniert mich darin. 00:04:39.520 --> 00:04:44.992 Stubengeschichten, ein Projekt von Land-Lab im Auftrag Auftrag des Kulturlandbüros.