{"\ufeffPodcast: Apropos Psychologie!\n\nMH: Apropos Psychologie, ja, hallo, ich gr\u00fc\u00dfe dich ganz herzlich zu einer neuen Folge unseres Junfermann Podcasts Apropos Psychologie. Heute soll unser Thema die Paartherapie sein, wobei der Blick aber auch auf das Individuum fallen soll, denn Paartherapie gelingt nicht, ohne dass man sich selbst reflektiert und auch die eigenen inneren Kinder betrachtet. Zu diesem Thema habe ich den Psychologen und Psychotherapeuten Roland Kachler zu Gast. Er hat au\u00dferdem zu diesem Thema das Buch geschrieben, das den Titel tr\u00e4gt 'Liebe kinderleicht: Innere Kinder vers\u00f6hnen und Paarkonflikte l\u00f6sen'.Das ist im Junfermann Verlag erschienen.\nMH: Hallo Herr Kachler, ich gr\u00fc\u00dfe Sie ganz, ganz herzlich.\nRK: Hallo.\nMH: Ja, sch\u00f6n, dass Sie dabei sind. Ja, \nRK: Hallo. \nMH: Ja, Sie sind von Haus aus eigentlich Theologe, haben in einem Vikariat gearbeitet und in einer psychologischen Beratungsstelle. bis sie schlie\u00dflich ihre eigene Praxis gegr\u00fcndet haben. Ihre Themen sind Trauer und Traumabew\u00e4ltigung, auch bei sexualisierter Gewalt. Aber vor allem widmen Sie sich seit geraumer Zeit eben der Paartherapie. Darf ich einmal kurz fragen, wieso diese berufliche Entwicklung bei Ihnen stattgefunden hat? Warum haben Sie sich so fokussiert auf die Paartherapie?\nRK: Ich hatte schon meinem Psychologiestudium in der Diplomarbeit mich mit Paartherapie besch\u00e4ftigt. Das geht ganz weit zur\u00fcck. Aber eigentlich m\u00fcsste man sagen, ich habe schon als Kind Paartherapie gemacht. Ich habe n\u00e4mlich immer versucht, meine Eltern zusammenzuhalten. Wenn Sie so wollen, mache ich jetzt 70 Jahre lang Paartherapie, bin also sehr erfahren in der Paartherapie. Das habe ich nat\u00fcrlich beruflich dann ausgebaut mit Ausbildungen, habe nat\u00fcrlich auch eben meine eigenen inneren Kinder reflektiert, die wie gesagt schon sehr fr\u00fch Paartherapie bei meinen Eltern gemacht haben. Das ist, wenn Sie so wollen, der eigentliche Hintergrund. Denn jeder Psychotherapeut hat ja auch seine eigenen inneren Kinder mit im Spiel bei seiner Arbeit. Allerdings sollte er erkl\u00e4ren, welche inneren Kinder das sind, wie die sich m\u00f6glicherweise einmischen. Bei mir muss ich immer wieder schauen, dass ich in der Paartherapie nicht zu sehr aus meinem inneren Kind versuche, die Paare zusammenzuhalten, sondern eben als ausgebildeter Paartherapeut arbeite.\nMH: Und auf diese inneren Kinder werfen wir heute unseren Blick, ne? Sie haben das Buch im Grunde auch 'Liebe Kinderleicht' auch auch den inneren Kindern gewidmet. Welche Kinder aber wirken denn in einer Paarbeziehung? K\u00f6nnen Sie das f\u00fcr uns einmal so ein bisschen schl\u00fcssig machen?\nRK: Zun\u00e4chst sind es die bed\u00fcrftigen, wenn Sie so wollen, die hungrigen Kinder, aber auch die verletzten Kinder. Zum Beispiel der Junge, der die traumatische Scheidung und Trennung der Eltern erlebt hat, der f\u00fchlt sich eben in der Bindung unwohl, ist unsicher. Dieser Junge geht dann in die Partnerschaft hinein oder der Junge, der von seiner Mutter gehalten und gebunden wurde, geht in diese Paarbeziehung mit ein. Oder das M\u00e4dchen, das von der eigenen Mutter immer wieder abgewiesen wurde. Also diese verletzten inneren Kinder, die hungrig, bed\u00fcrftig sind, die sind die zentralen Mitbestimmer in einer Paartherapie. Nat\u00fcrlich gibt es auch die freien, die lebendigen Kinder, die ja jede und jeder in uns tr\u00e4gt. Die zeigen sich dann im Verlieben oder im freien Spiel eines Paares, auch im lustvollen Sichann\u00e4hern. Aber wenn Probleme entstehen, dann sind eben diese bed\u00fcrftigen, hungrigen, verletzten Kinder, die ihre eigenen biografischen Erfahrungen mitbringen, die entscheidenden Mitbestimmer-Agenten in einer Paarbeziehung. \nMH: Ich stell mir das auch gerade so vor, es sind ja 2 Individuen, die da zueinander finden. Jedes hat eben seine eigenen inneren Kinder und kann man das denn so sagen oder oder welche Rolle spielen diese Kinder bei der Partnerwahl, ne? Gibt es da irgendwie so 'ne, gibt es da irgendwie so Parameter, wo man sagen kann, dass dass das eine verletzte Kind auf das andere verletzte Kind so trifft, dass es da irgendwie Parallelit\u00e4ten gibt oder so?\nRK: Also zum einen sehen die inneren Kinder im anderen denjenigen, der dieses innere Kind erl\u00f6sen kann, in seinen Bed\u00fcrfnissen stillen kann. Oft aber sp\u00fcren die beiden inneren Kinder, wie H\u00e4nsel und Gretel, dass die beiden was ganz \u00c4hnliches erlebt haben, auch wenn es unterschiedlich aussieht. Aber beide haben zum Beispiel sich allein gelassen gef\u00fchlt. oder beide haben sich \u00fcberfordert gef\u00fchlt. Und dann verbinden sich die beiden inneren Kinder. Ich nenne es einen H\u00e4nsel-und-Gretel-Vertrag. Das ist die intensivste Ebene, wie die inneren Kinder in der Partnerwahl sich finden. Das andere ist eben, dass die inneren Kinder im anderen jeweils einen idealen Elternteil sehen und imaginieren.\nMH: Wenn ich das mal kurz so zusammenfassen darf, also die inneren Kinder tragen so, so unbewusste W\u00fcnsche in sich, Sehns\u00fcchte, ne? Und, und Sie sind es auch, die im Moment des Verliebens aktiv werden, richtig?\nRK: Ganz genau.\nMH: Ja, und, und, und was ist aber, wenn das auf lange Sicht dann doch nicht mehr immer so hinhaut, ja, entwickeln sich diese inneren Kinder oder oder genau, wie, wie, wie entwickelt sich dieses Paar, was ist, wenn man sozusagen feststellt, ups, ich hab da einer Illusion, ich bin einer Illusion erlegen.\nRK: Nat\u00fcrlich gibt es beim Verlieben, bei den inneren Kinder, eine Idealisierung des anderen, die ber\u00fchmte rosarote Brille. Und die Kinder sind ja in ihrem kindlichen Denken gefangen, auch wie gesagt, in ihren Bed\u00fcrfnissen und Verletzungen. Und insofern gibt es da jede Menge Illusion und deshalb muss jedes Paar durch eine Entt\u00e4uschungsphase gehen, in der die Partner sehen auf einer erwachsenen Ebene, okay, es passt alles nicht ganz zu 100 Prozent zusammen wie gedacht, aber auf einer tieferen Ebene sp\u00fcren nun die Kinder, dass der andere eben doch nicht dieser ideale Vater oder diese ideale Mutter ist oder diese ideale gro\u00dfe Schwester. Und dann gibt es eben diese Arbeit an der Entt\u00e4uschung auf der Erwachsenenebene. Das Paar muss abkl\u00e4ren, wie gehen wir jetzt neu und anders um nach der Verliebtheitsphase und vor allen Dingen, wie gehen wir mit diesen kindlichen Gef\u00fchlen um, weil die j\u00fcngeren Kinder nat\u00fcrlich in ihrer Entt\u00e4uschung durchaus auch heftig werden k\u00f6nnen, massiv werden k\u00f6nnen. Und das ist die Aufgabe, die jedes Paar sp\u00e4testens in der Entt\u00e4uschungsphase leisten muss, sp\u00e4ter auch immer wieder neu, weil die inneren Kinder sich immer wieder neu einmischen. Und ein Paar ist dann reif, wenn aus dieser Verliebtheitsliebe eine erwachsene Liebe wird, eine Partnerschaftsliebe, in der die inneren Kinder gut versorgt sind, sodass die sich nicht mehr immer wieder neu einmischen m\u00fcssen. \nMH: Und das ist die Arbeit. sozusagen. Also das Paar muss erst mal f\u00fcr sich erkennen und entscheiden, dass es wirklich zusammenbleiben m\u00f6chte, ne, und dann geht es in die Paartherapie. Dann kommen sie sozusagen ins Spiel. \nRK: Wenn die Themen so massiv sind, dass die Partner diese Entt\u00e4uschung nicht selbst regulieren k\u00f6nnen, wenn die Themen so massiv sind oder die inneren Kinder mit ihren Bed\u00fcrfnissen so massiv sind, dass sich aus diesen anf\u00e4nglichen normalen Entt\u00e4uschungen massive Vorw\u00fcrfe entwickeln, massive Probleme entwickeln und ein Paar dann nicht mehr herausfindet aus dieser Eskalation und aus diesem Verklinschtsein in einem Paarproblem, dann ist eine M\u00f6glichkeit eben die Paartherapie, in der wir dann eben diese inneren Kinder aufsuchen bei beiden Partnern parallel. So dass beide Partner parallel f\u00fcr die inneren Kinder sorgen und die inneren Kinder das nicht mehr vom anderen in ihrer entt\u00e4uschten, Weise frustrierten Weise einfordern, einklagen, eink\u00e4mpfen m\u00fcssen.\nMH: Welche Fr\u00fchwarnzeichen gibt es denn sozusagen? Woran kann das Paar erkennen, Mensch, jetzt m\u00fcssen wir aber wirklich mal beide in die Selbstreflexion gehen, damit wir beide wieder zueinander finden? \nRK: Na gut, es sind erste Missstimmungen, Missverst\u00e4ndnisse, die immer wieder gleich sind, dann Gef\u00fchle von Entt\u00e4uschung, Frustration. Wenn dann schon erste Vorw\u00fcrfe oder gar Schuldzuweisungen kommen, dann ist das schon ein massives Signal, wenn es schnell zu Eskalationen kommt, also zu Streitigkeiten, die sich hochschaukeln, dann ist es sp\u00e4testens jetzt an der Zeit zu sagen: Stopp, wir m\u00fcssen \u00fcberlegen, was ist denn jetzt los mit uns beiden? wo hat es denn wirklich, welche Gef\u00fchle sind da beteiligt und vielleicht brauchen wir jetzt, sp\u00e4testens jetzt, dann auch externe Hilfe.\nMH: Ich m\u00f6chte noch einmal, bevor wir, bevor wir jetzt weitergehen in die in die Aufarbeitung, einmal doch noch mal zum Anfang sozusagen zur\u00fcck. Man sagt ja oft auch immer, Gegens\u00e4tze ziehen sich an oder aber eben Gleiches zieht sich an, ne. Was, was sind denn, was sagen Sie denn, was sind denn die besseren Startbedingungen? \nRK: Es ist immer 'ne Mischung und Gleiches ist das, was bekannt ist, das gibt mir Sicherheit. Also wenn ich unsicher bin, wenn meine inneren Kinder nach Sicherheit sich sehnen, dann werden sie im Partner eher einen \u00e4hnlichen Partner w\u00e4hlen. Hat das Problem, dass zu viel \u00c4hnliches dann irgendwann die Spannung erlahmt in der Paarbeziehung, zu viel Gleiches sorgt dann daf\u00fcr, dass eine Paarbeziehung dann eben zu wenig Energie und Spannung hat. Gegens\u00e4tze, die verhei\u00dfen Abenteuer. Gegens\u00e4tze sind eine Herausforderung. Denken Sie an interkulturelle Paare. Aber im Gegensatz hofft das innere Kind in mir, dass ich genau das Vermisste dort finde, was ich ja sehr selbst als Kind nicht bekommen habe, was ich vermisst habe. Und in diesem so scheinbar ganz anderen, ich bin als ein sch\u00fcchternes Kind und das Gegen\u00fcber ist so ein lebendiges, expressives Kind, das bekomme ich dann und beim anderen und in diesem Gegensatz bekomme ich genau das Vermisste. Das Problem bei Gegens\u00e4tzen ist, dass eben diese Gegens\u00e4tze dann zu diskrepant werden k\u00f6nnen, also zu weit auseinanderlaufen und dann die Gegens\u00e4tze eben dann zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren und so weiter. Also es ist eben 'ne Mischung zwischen Gleiches zieht Gleiches an und Gegens\u00e4tze ziehen mich an als Herausforderung, als Abenteuer. \nMH: Dann darf man das tats\u00e4chlich nicht so pauschalisieren. \nRK: Nein, nein, nein. Man muss immer genau hinschauen. Das ist ja die Grundidee dieser Inneren-Kind-Arbeit in der Paartherapie. Wir arbeiten mit den inneren Kindern, den spezifischen inneren Kindern, die beide aus ihrer ganz eigenen Biografie mitbringen. Insofern ist das immer sehr individuell. Und wenn, wie gesagt, zum Beispiel ein entt\u00e4uschtes oder sch\u00fcchternes M\u00e4dchen da auf einen sehr expressiven Jungen trifft, dann werden wir das genauer anschauen, weil das eben sich gegenseitig erg\u00e4nzt beziehungsweise anzieht. Aber genau das, was eben anfangs anziehend ist f\u00fcr die beiden inneren Kinder, kann dann sp\u00e4ter eben der Ausgangspunkt von Schwierigkeiten werden. \nMH: Genau, und wenn das Paar tats\u00e4chlich jetzt feststellt, Mensch, wir m\u00fcssen an uns arbeiten, da haben sie auch tats\u00e4chlich so ganz konkrete \u00dcbungen im Buch angef\u00fchrt. etwa den Begriff der Timeline. K\u00f6nnen Sie das mal erkl\u00e4ren, also worum es in diesen \u00dcbungen geht und was die sind? \nRK: Ja, wir arbeiten mit jedem Partner, immer nat\u00fcrlich in Anwesenheit des anderen, sodass die beiden die j\u00fcngeren Kinder gegenseitig kennenlernen. Und eine Timeline ist zum Beispiel, bitte ich das Paar, eine Linie zu zeichnen oder auszulegen mit einem Seil. zu der eigenen Kindheit. Und dann schauen wir auf der Seite des Mannes, welche Kinder sind mit f\u00fcnf oder zehn oder zw\u00f6lf oder 14 oder 18 Jahren bei ihm entstanden, auf der Timeline von ihr, welche Kinder sind auch in dieser Kindheit entstanden. Dann schauen wir nat\u00fcrlich, wo sind die inneren Kinder \u00e4hnlich, wo erwarten sie vom anderen etwas, was der andere, was das andere hat, wo f\u00fchlen sich die inneren Kinder verbunden. Wir legen dann die Timelines zusammen. Wir machen genauso eine Timeline der Paarbeziehung, angefangen von Kindern, vom Verlieben \u00fcber das Zusammenziehen, vielleicht erste Kinder, machen wir eine Timeline und schauen dann in dieser Timeline, wo hat sich das Paar zum ersten Mal verhakt, wo gab es Einschnitte wie der Hauskauf oder wie die Kinder oder wie Karriereschritt des einen oder anderen. Und in dieser Timeline kann man sehr sch\u00f6n die Entwicklung eines Paares nachvollziehen und vor allen Dingen nacherleben lassen, immer mit der Frage, an welcher Stelle ihrer Paargeschichte ist welches innere Kind aktiviert, getriggert worden und was haben die beiden inneren Kinder dann und die Paare mit ihren inneren Kindern dann da erlebt und was hat sich da als Problem zum Beispiel an dieser Stelle entwickelt als sie jetzt begann, eben eine eigene berufliche Karriere zu entwickeln und die \u00e4lteren Kinder von ihm sich vernachl\u00e4ssigt gef\u00fchlt haben. Das ist eine Timeline und wir machen andere, wir lassen zum Beispiel die Familie von beiden Partner zeichnen, malen mit einem Familienbrett, aber immer gemeinsam parallel, sodass wir es sofort sehen k\u00f6nnen, wie zum Beispiel die beiden Herkunftsfamilien, die wir zum Beispiel als Tiere malen lassen, wie die beiden sich erg\u00e4nzen und wie die inneren Kinder und die Eltern in dieser Herkunftsfamilie jetzt in dieser Paarbeziehung einerseits zusammenpassen und andererseits eben daraus die Probleme entstehen lassen, weil die inneren Kinder sind eben auch an der Problementstehung ebenso wie in der Partnerwahl massiv beteiligt. \nMH: Und im Alltag knallt da nat\u00fcrlich oftmals auch immer etwas aufeinander, Da haben sich Emotionen so festgefahren, dass es manchmal schwerf\u00e4llt, einfach wieder gemeinsam, so ich sag mal, einen vern\u00fcnftigen Faden aufzunehmen, obwohl, obwohl man wei\u00df, dass es damit allen besser gehen w\u00fcrde. Aber wie k\u00f6nnen wir innere Kinder im Streit beruhigen, im ersten Moment, im Akutfall sozusagen? Wie kann man runterkommen? \nRK: Ja, gut, das erste ist, dass wir unserem inneren Kind sagen: 'Stop, jetzt mit einer Wut, mit einer Entt\u00e4uschung.' Beruhige dich, mach mal langsam. Es ist also ein innerer Dialog mit mir selbst. Ich fetz jetzt nicht mehr mit dem Partner, mach kein Ping-Pong, spiel mit dem anderen von Vorwurf und Gegenvorwurf, sondern ich geh zu meinem inneren Kind. Stopp, beruhig dich. Ich erkl\u00e4re ihm langsam, mach langsam und ich sichere diesem inneren Kind zu, ich sorge f\u00fcr dich. Und es wird alles gut. Wir reden also mit dem inneren Kind. wie mit einem konkret realen Kind, wie wir ein konkretes Kind beruhigen w\u00fcrden bei einem Streit mit einem Geschwister. Genauso arbeiten wir nach innen, zun\u00e4chst mit dem inneren Kind. Und dann geht es darum, cool down, Kopf frei, Abstand, zun\u00e4chst mal rausgehen. Das ist zentral, wenn es um die Deeskalation von Diskussionen, von Streitigkeiten geht. bisschen ja manchmal zur Gewalt geht, da ist es wichtig, das ganz fr\u00fchzeitig eben in diesem inneren Dialog mit dem eigenen inneren Kind zu stoppen und das eigene Kind herauszunehmen aus der Eskalation. \nMH: Und da kann ich mir halt auch vorstellen, dass man, dass das schwierig sein kann, weil man ja den eigenen inneren Bezug oder den, den, das, das, womit man getriggert worden ist, eben halt nicht, also mit der Emotionen, die einem von dem Partner gegen\u00fcber kommt, dass man das wirklich ganz strikt auseinanderhalten muss, ne. Das ist, glaube ich, \nRK: \u2013das ist nicht einfach. Das bedarf aber erstens einer Selbstreflexion, das hei\u00dft vor allen Dingen der Bereitschaft, ich \u00fcbernehme Verantwortung f\u00fcr meine Gef\u00fchle. Wir haben ja immer die Grundidee in einer Paarbeziehung, der andere ist verantwortlich, Schuld f\u00fcr meine Gef\u00fchle. Das ist, wenn Sie so wollen, Kardinalfehler in Paarbeziehungen. Und der erste Schritt hei\u00dft immer auch in der Paartherapie, \u00fcbernehmen Sie die Verantwortung f\u00fcr Ihre Gef\u00fchle, Herr M\u00fcller, und Sie, Frau M\u00fcller, f\u00fcr Ihre Gef\u00fchle. Und dann k\u00f6nnen Sie miteinander auf eine erwachsene Weise reflektieren. Also erstens, ich \u00fcbernehme Verantwortung f\u00fcr meine Gef\u00fchle. Zweitens, ich frage, woher kenne ich denn das Gef\u00fchl jetzt der Entt\u00e4uschung, der Emp\u00f6rung, der Benachteiligung, des Neides? aus meiner Geschichte, insofern ist es mein Gef\u00fchl, zun\u00e4chst mein inneres Kindgef\u00fchl. Und dann kann ich erst im zweiten oder dritten Schritt \u00fcberlegen, um was geht es eigentlich zwischen uns. Der Punkt ist immer, dass ich zun\u00e4chst bei mir schaue, Verantwortung f\u00fcr mich und meine Gef\u00fchle \u00fcbernehme, nat\u00fcrlich auch meine Gef\u00fchle und meine typischen Trigger, bestimmte Reizworte, die bei mir diese Gef\u00fchle ausl\u00f6sen, kenne und kennenlerne.\nMH: Ja, genau. Und wenn wir da tats\u00e4chlich noch mal kurz bleiben, was ist der Schl\u00fcssel zu inneren Konflikten? Wie k\u00f6nnen wir die Ursache dessen, was uns triggert, erkennen?\nRK: Der Schl\u00fcssel sind meine Gef\u00fchle und die Gef\u00fchle wiederum sind der rote Faden, beziehungsweise eben der Schl\u00fcssel zu meinen kindlichen Bed\u00fcrfnissen, zu meinen kindlichen Verletzungen. Und f\u00fcr die sorge ich selbst. Dann mache ich meinem inneren Kind klar, das mache ich und nicht mein Partner. Und dann kann ich erst schauen, was ist das eigentliche Konfliktthema? Geht es um mehr N\u00e4he oder mehr Bindung? Geht es um Freiheit und Autonomie? Geht es darum, dass ich mir mehr Wertsch\u00e4tzung w\u00fcnsche oder dass ich mir mehr Verantwortung vom anderen w\u00fcnsche? Und dann k\u00f6nnen wir das Paarthema besprechen, nachdem die eigenen alten Kindsgef\u00fchle, alten Kindbed\u00fcrfnisse wenigstens ein St\u00fcck weit versorgt sind. Nicht g\u00e4nzlich, aber wenigstens ein St\u00fcck weit.\nMH: Ja, und da ist es wahrscheinlich auch ganz gut, wenn man jemanden so wie Sie hat, der da auch ganz gezielt nachfragt. Ne, weil ich, ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass man selbst manchmal gar nicht in der Lage ist, da wirklich die die Situation von fr\u00fcher auch auch wirklich als Trigger zu erkennen.\nRK: Genau, ich lass mal von von einem Paar ein Konflikt schildern, dann frage ich, was haben Sie erlebt in diesem Konflikt, was erleben Sie da in diesem Konflikt, Frau M\u00fcller, woher kennen Sie die Gef\u00fchle, gehen Sie zu diesem Kind, das diese Gef\u00fchle damals hatte Und ich m\u00f6chte Sie gerne jetzt beide anleiten, Sie auf Ihrer Seite, Herr M\u00fcller, und Sie auf Ihrer Seite, Frau M\u00fcller, zu diesem inneren Kind jetzt zu gehen und es zu versorgen. Das mache ich in einer Imaginationsreise oder in einer gemeinsamen Paarhypnose, Paartrance. Und dann gehen beide Erwachsenen zu ihren inneren Kindern, versorgen die. Oft leite ich die dann auch an, bringen sie ihr Kind jetzt an einen heilsamen, sch\u00f6nen Ort. Ihr Kind ist dort und nicht mehr in der Paarbeziehung. Und dann \u00f6ffnen Sie die Augen und schauen sich an, jetzt als erwachsener Mann und als erwachsene Frau. Ihre Kinder sind versorgt. Und jetzt k\u00f6nnen Sie sich als erwachsene Frau und als erwachsener Mann \u00fcber Ihre Paarthemen unterhalten, austauschen, diskutieren. Da sind Sie intelligent genug. Sofern die inneren Kinder jetzt nicht mehr mitmischen, die sind, wie gesagt, jeweils an einem heilsamen Ort, eher auf einem Spielplatz. Das sind also sein inneres Kind, sein Junge. Auf dem Spielplatz ist der Kopf gut versorgt. Ihr inneres Kind ist gut versorgt von einem gro\u00dfen Sch\u00e4ferhund, einer anderen Familie. Und jetzt k\u00f6nnen die Partner sich wieder erwachsen begegnen. \nMH: Also, das find ich jetzt tats\u00e4chlich spannend. Sie sind ja auch Hypnotherapeutin und ne, und und und dass die, also sie setzen, sie setzen wirklich die Paarhypnose ein, das funktioniert wirklich mit beiden. \nRK: Paare sind ja wie in einer Hypnose, in einer Trance. Die im Streit, wenn sie die Paare fragen, dann sind sie die wie in einer Art Trance. Allerdings eben. in einer sogenannten Problem oder Streittrance und beide kommen da nicht mehr raus. Die sind nicht in einer Verliebtheitstrance oder in einer partnerschaftlichen Tea-Trance, sondern die sind in einer Streittrance, in der sie gefangen sind in alten Gef\u00fchlen, alten Bildern und so weiter. Und das erste ist, sie da rauszurufen und in eine produktive Trance zu bringen. beziehungsweise dann eben die inneren Kinder zu versorgen, was wir dann als Beelterung der inneren Kinder bezeichnen. Das ist der Begriff der Beelterung.\nMH: Ja, finde ich sehr, sehr interessant. Ja, und Sie sagen, es gibt aber nicht nur innere Kinder, wir haben auch innere Eltern in uns, ne, zum Thema Beelterung. Was k\u00f6nnen diese inneren Eltern in uns anrichten?\nRK: Genau, Achtung, der Begriff Beelterung geh\u00f6rt zu den inneren Kindern, zu den Thema innere Eltern. Die innere Eltern, die haben wir internalisiert. Also ich habe meinen strengen Vater in mir oder meine Mutter, die mich immer abgewiesen hat. Die haben wir internalisiert, das wissen wir heute \u00fcber die Spiegelneuronen und die wirken als innere Gestalt weiter, einmal gegen uns selber nat\u00fcrlich. Aber manchmal gehen die auch direkt in die Paarbeziehung ein. Ich werde dann wie mein Vater meiner Frau gegen\u00fcber abwertend kritisch. sodass diese internalisierten inneren Eltern, also mein kritischer abwertender Vater, jetzt direkt in die Paarbeziehung destruktiv einwirken. Und nun m\u00fcssen wir uns mit diesen inneren Eltern auseinandersetzen, indem wir sie begrenzen, indem wir ihnen sagen, was schwierig ist und indem wir ihnen sagen, du geh\u00f6rst nicht in unsere Paarbeziehung, \u00e4hnlich wie bei den inneren Kindern, sondern du geh\u00f6rst der Vergangenheit an, ich setze mich mit dir auseinander, begrenze dich, begrenze vor allen Dingen deinen Einfluss in die Paarbeziehung hinein.\nMH: Erfordert das auch einen, ich sag mal, gewissen Mut, das auch sagen zu k\u00f6nnen? \nR: Ja, da mache ich auch wieder so eine Imagination. Ich bitte beide Partner, sich vorzustellen, sie stehen auf einer B\u00fchne und dort begegnen sie als erwachsener Mann, als erwachsene Frau ihren Eltern. Die dann den Eltern sagen, das war nicht in Ordnung und ab heute ist deine Macht begrenzt und zu Ende. Ich lebe als erwachsener Mann, als erwachsene Frau meine Paarbeziehung. Du hast, wenn wir es direkt sagen, nichts mehr in meiner Partnerschaft zu suchen, ab heute. \nMH: Und das macht garantiert auch selbstbewusster. Hat man das einmal ausgesprochen?\nRK: Das macht erstens selbstbewusster und zum anderen ist es immer eine Erleichterung f\u00fcr den anderen Partner. Wenn dieser Partner sieht, ah ja, mein Partner setzt sich mit seinen Eltern auseinander, mit deren destruktiven Einfl\u00fcssen, das muss nicht mehr ich machen.\nMH: Ist das auch sozusagen das gro\u00dfe Thema der Transgenerationentraumata? \nRK: Ja, nat\u00fcrlich bringen beide Partner m\u00f6glicherweise Traumatisierungen mit \u00fcber mehrere Generationen. Und dann haben wir nicht nur innere Eltern, sondern m\u00f6glicherweise innere T\u00e4ter, die auch destruktiv in die Paarbeziehung wirken. Wenn ich \u00dcbergriffe erlebt habe, sexuelle \u00dcbergriffe als M\u00e4dchen, manchmal auch als Junge, dann wirkt dieser T\u00e4ter und diese Traumatisierung nat\u00fcrlich in meine Sexualit\u00e4t hinein. Und was dann h\u00e4ufig ein Grund f\u00fcr sexuelle Schwierigkeiten eines Paares ist. Und dann m\u00fcssen wir gewisserma\u00dfen Traumatherapie machen. im Rahmen einer Paartherapie, weil eben sowohl dieser innere T\u00e4ter als auch das traumatisierte Kind zum Beispiel in der Sexualit\u00e4t blockierend sich auswirken. \nMH: Innere Kinder k\u00f6nnen sich auch Dritte suchen, die aber tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen. Wer oder was sind diese Dritten? was, Was passiert da? \nRK: Jedes Paar hat viele Dritte, sei es die eigenen Eltern nat\u00fcrlich, als erstes die Schwiegereltern, Freunde, dann nat\u00fcrlich auch eigene Kinder, wenn es dies gibt, aber auch die Arbeit, heute ganz wichtig, sind soziale Medien, wie einflussreich sind soziale Medien. Und wenn nun das entt\u00e4uschte Kind in der Entt\u00e4uschungsphase beim anderen nicht das findet, was es glaubte zu finden, dann besteht die Gefahr, dass das innere Kind zu einem Dritten geht, zum Beispiel der Mann geht in die Arbeit dort, das innere Kind bekommt dort Anerkennung, da gibt es vielleicht auch noch eine j\u00fcngere Kollegin. Oder sie geht zu einer besten Freundin und das innere Kind f\u00fchlt sich dort von der besten Freundin gesehen. Sie teilt alle Themen mit ihrer Freundin. Aber im Prinzip sind es die jeweiligen entt\u00e4uschten, vom Partner entt\u00e4uschten inneren Kinder, die sich dann das erneut Vermisste nun bei diesem dritten Summen. Ein ganz besonders klares, deutliches Beispiel ist eine Au\u00dfenbeziehung. Da geht er oder sie in eine Au\u00dfenbeziehung, da bekommt er oder sie als Erwachsene nat\u00fcrlich auch Aufmerksamkeit, sexuelle neue Erfahrungen, aber insbesondere das innere Kind bekommt in dieser Au\u00dfenbeziehung die Wichtigkeit, die Bedeutung. die Anerkennung, den narzisstischen Gewinn, den es in der Paarbeziehung nicht mehr gibt. Und insofern ist jede Au\u00dfenbeziehung immer auch die Au\u00dfenbeziehung des inneren Kindes mit diesem Dritten, dem Geliebten oder der Geliebten. \nMH: Ja, und und wie gesagt, und das kann aber dann gef\u00e4hrlich werden, wenn ich mich zu sehr darauf fokussiere.\nRK: Genau, dann ist die Aufgabe, dieses innere Kind von diesem Dritten zur\u00fcckzuholen, wieder in die Paarbeziehung hinein. selbst f\u00fcr dieses innere Kind zu sorgen, nicht die Arbeit, nicht der oder die Geliebte, sondern selbst. Und sogleich deutlich zu machen, dass da auch ein gewisser Verzicht ansteht, weil in der Beziehung zu der Geliebten oder dem Geliebten gibt es vielleicht etwas, was ich selbst und mein Partner so gar nicht erf\u00fcllen kann. Zur\u00fcckholen in die Paarbeziehung und sich damit auseinanderzusetzen, wieder selbst f\u00fcr das innere Kind zu sorgen und nicht dieses dem Dritten \u00fcberlassen.\nMH: Ja. so nicht mehr aus aus alten Mustern heraus, sondern als Erwachsene lieben in Liebe, Freiheit und Verbundenheit. Das ist, das ist so die gro\u00dfe Kunst, ne, aber aber ja, genau, aber wie, wie l\u00f6sen wir denn als Erwachsene diese oder erwachsen, so als Adjektiv benutzt, erwachsen, diese Konflikte, wie, wie haben Sie das so f\u00fcr sich definiert? \nRK: Ja, zun\u00e4chst einmal, wie gesagt, geht es darum, sowohl die inneren Kinder an ihren heilsamen Ort zu bringen, als auch die. Eltern in die Vergangenheit zu schicken, sodass beide wieder auf eine erwachsene Ebene kommen und sich recht gegenseitig als erwachsene Mann, als erwachsene Frau sehen k\u00f6nnen. Und das zentrale Gef\u00fchl ist, Jeder ist frei und zugleich in der Liebe verbunden und wir k\u00f6nnen beide wieder uns als erwachsen selber f\u00fchlen mit unseren Erwachsenenf\u00e4higkeiten. Und ich kann den anderen als Erwachsenen sehen und ihm auch zutrauen, dass er die Themen, unsere Schwierigkeiten auf eine Erwachsenenweise anspreche, so wie ich es auch anspreche auf diese Erwachsenenweise. Das hei\u00dft, ich kann dem anderen die Autonomie geben, die Freiheit geben, in Freiheit in der Beziehung mit einer Zahl zu sein. Und umgekehrt auch ich gehe aus Autonomie und Freiheit in die Beziehung. Wenn ich in den inneren Kindern bin, gibt es keine Freiheit, sondern gibt es eine hohe emotionale destruktive Gebundenheit. Und Paare sp\u00fcren sofort, wenn sie jetzt wieder in ihrer erwachsenen Position sich gegen\u00fcbertreten. \nMH: muss ja mal so, ich, ich verstehe jetzt so, diese, diese K\u00f6nigsdisziplin ist sozusagen, dass man wirklich einander echt versteht, ne, dass man 'ne, \nRK: ja, echt versteht hei\u00dft aber vor allen Dingen auch, meine eigenen inneren Kinder und die des anderen zu sehen und zu verstehen und sie dann, wie gesagt, bei mir selbst zu versorgen und dem anderen zuzutrauen, dass er sich selbst versorgt.\nMH: Gibt es da so ganz praktische Tipps vielleicht in der Art der Kommunikation? \nRK: Ja gut, das eine ist zun\u00e4chst einfach mal zuh\u00f6ren, zuh\u00f6ren, zuh\u00f6ren, dann stehen lassen, stehen lassen, nicht sofort gegenreagieren. Das ist ja das typische Ping-Pong. Das ist gr\u00f6\u00dftes Gift, also zuh\u00f6ren, stehen lassen. Dann gebe ich eine R\u00fcckmeldung, habe ich das recht verstanden? Wenn nicht, frage ich genauer nach. Und dann anerkenne ich die Gef\u00fchle des anderen als seine Gef\u00fchle. Damit gebe ich ihm noch nicht in der Sache recht, aber ich sehe ihn in seinen Gef\u00fchlen, insbesondere in den Gef\u00fchlen seiner inneren Kinder. Und wenn das gelingt, dieses zuh\u00f6rende Verstehen, dann entsteht eine ganz gro\u00dfe Erleichterung, eine Weichheit in den Konfliktlinien. Und beide Partner k\u00f6nnen aufeinander zugehen, weil es geht immer darum, den anderen in seinen Gef\u00fchlen, sprich auch in seinen Kindgef\u00fchlen und damit in seiner Biografie zu h\u00f6ren, zu sehen und gelten zu lassen. Weil der andere muss sich sonst immer verteidigen und das ist das Grundthema. Wir beide haben das Gef\u00fchl, ich muss mich st\u00e4ndig verteidigen. Wenn ich aber nun h\u00f6re und auch erlebe, ich muss mich nicht verteidigen, sondern meine Gef\u00fchle werden geh\u00f6rt, Meine Gef\u00fchle werden stehen gelassen, die k\u00f6nnen einfach so sein. Es gibt ein Interesse f\u00fcr meine Gef\u00fchle, f\u00fcr meine inneren Kinder. Dann kann ich auch aus diesen Gef\u00fchlen ein St\u00fcck herausgehen und dann k\u00f6nnen wir uns wieder auf einer Erwachsenenebene begegnen. \nMH: Und dies immer auf Augenh\u00f6he sozusagen.\nRK: Ganz genau. \nMH: Und zu der Augenh\u00f6he, um den Begriff noch so ein bisschen weiterzutragen, Den verbinden Sie auch mit der K\u00f6rperlichkeit. Ne, der Austausch von Z\u00e4rtlichkeit, Erotik, Sex, so der dann auf echter Zuneigung geschieht, das hat auch etwas mit Augenh\u00f6he zu tun?\nRK: Ganz genau. Also ich leite Paare an und stehen sie auf, beide schauen sie sich an. Wenn ein Partner oder eine Partnerin sehr viel kleiner ist, biete ich ein Kissen an oder einen kleinen Schemel, sodass sie wirklich auch auf Augenh\u00f6he sich in die Augen schauen k\u00f6nnen. Dann bitte ich die beide, gehen Sie in die Aufrichtung, achten Sie auf den Atem, dass Sie gut mit sich verbunden sind und schauen Sie sich an, Und sagen Sie zum Beispiel den Satz: \"Ich bin jetzt dein erwachsener Mann und ich sehe dich als meine erwachsene Frau. Ich bin deine erwachsene Frau und sehe dich als mein erwachsener Mann.\" Das sind rituelle S\u00e4tze, die ich aussprechen lasse und die dann eben auch k\u00f6rperlich gesp\u00fcrt werden. Und genau das ist die Voraussetzung nat\u00fcrlich auch f\u00fcr eine Sexualit\u00e4t und Erotik, in der Indem ich eben den anderen als meine begehrenswerte Frau, als meinen begehrenswerten Mann und Frau sehe. Nicht mehr als das trotzige, zornige, frustrierte Kind oder als diese strafende Mutter, die ich ihn immer erlebt habe, sondern jetzt in dieser Augenh\u00f6he als erwachsenes Gegen\u00fcber, das zugleich eben auch begehrenswert oder wieder begehrenswert damit werden kann. \nMH: Ich glaube, damit machen Sie vielen Paaren Hoffnung. Denn in der Regel ist es ja schon irgendwie so, dass mit den Jahren so, so, so die der, ja, die K\u00f6rperlichkeit abnimmt, ne. Und aber da darf ich jetzt mal, aber Sie beobachten das tats\u00e4chlich, dass man wirklich diese k\u00f6rperliche Liebe zueinander wieder neu entdecken und entwickeln kann.\nRK: Ja, Paare m\u00fcssen lernen, sich immer wieder neu zu verlieben und mit dem neuen Verlieben auch sich immer wieder neu erotisch. in die Anziehung zu begeben. Es ist nat\u00fcrlich auch klar, dass auch Sexualit\u00e4t sich entwickelt. Die ist jetzt nicht mehr so m\u00f6glicherweise die ganze leidenschaftliche Sexualit\u00e4t der gegenseitigen Eroberung und Entdeckung, sondern es ist vielleicht eher diese Sexualit\u00e4t der Verbundenheit, die Sexualit\u00e4t gemeinsam etwas Sch\u00f6nes zu erleben. Das muss nicht mehr in dieser ganz gro\u00dfen Leidenschaft sein. Auch das muss man Paaren klarmachen, dass auch die Sexualit\u00e4t sich ein St\u00fcck entwickelt. Aber Sexualit\u00e4t als gemeinsame K\u00f6rpererfahrung ist schon 'ne sehr wichtige Br\u00fccke, die dann, wie gesagt, durch das immer wieder neu ineinander verlieben auch wieder neue Nahrung bekommen kann. \nMH: Mhm. Die Paartherapie, nehme ich jetzt mal an, ist schon auch ein l\u00e4ngerer Prozess.\nRK: Ja. Das geht meistens \u00fcber anderthalb bis zwei Jahre. Meistens arbeite ich in Abst\u00e4nden von zwei bis drei Wochen. Und es ist ein Entwicklungsprozess, den wir ja jetzt so beschrieben haben. Da gibt es auch nat\u00fcrlich R\u00fcckschl\u00e4ge, da gibt es auch Schleifen und so weiter.\nMH: Ja, danach wollte ich fragen. Genau, was ist, wenn so alte Muster wieder aufbrechen?\nRK: Gut, wenn alte Muster wieder aufbrechen, ist es immer ein Zeichen daf\u00fcr, dass entweder die inneren Kinder bei den Partnern noch nicht genug gesehen und versaut sind oder dass die inneren Eltern noch nicht gen\u00fcgend begrenzt wurden. Von daher ist das Auftauchen von alten Mustern jetzt nichts Schlimmes, sondern ein Hinweis, da gibt es noch mal etwas zu bearbeiten oder noch mal einen anderen Aspekt zu bearbeiten. Manchmal ist noch mal ein anderes inneres Kind aufgetaucht oder noch mal ein anderes inneres Thema. Dann drehen wir gewisserma\u00dfen sozusagen eine 2.3. Runde, eine Schleife, in der wir erneut jetzt nun \u00fcber dieses alte Muster die inneren Kinder versorgen und die inneren Eltern begrenzen. \nMH: Aber finde ich interessant, dass Sie das doch tats\u00e4chlich schon so eingrenzen und auch terminieren k\u00f6nnen. Dass Sie sagen, so eineinhalb, 2 Jahre. Kann das dauern? \nRK: Ja, weil es ist ja immer auch ein pers\u00f6nlicher Entwicklungsprozess. Man k\u00f6nnte eben Partnerschaft und Paarbeziehung verstehen als eine Entwicklungsherausforderung an mich. Und wenn das gelingt, dann wird eine Paarbeziehung spannend und lebendig. Nat\u00fcrlich gibt es Phasen von Stillstand, es gibt Phasen von Krisen, es ist alles okay. aber insofern ist es immer 'n Entwicklungsprozess und wenn 'n paar sehr massiv in 'n paar Problemen stecken geblieben ist, braucht es eben diese anderthalb Jahre bis 2 Jahre einer nachholenden Arbeitsentwicklung.\nMH: Ja. Herr Kachler, was ist zum Abschluss Ihre Botschaft an uns? \nRK: Die Botschaft hei\u00dft, interessieren Sie sich f\u00fcr Ihre inneren Kinder, Wenden Sie Ihren inneren Kindern zu. Da gibt es nicht nur die schwierigen und die bed\u00fcrftigen Hungrigen, sondern, die gilt es ja dann auch wieder zu entdecken, lebendige innere Kinder, so dass sie mit ihrer Partnerin, ihrem Partner auch mal wieder schaukeln gehen oder einen romantischen Spaziergang machen k\u00f6nnen oder Bl\u00f6dsinn machen k\u00f6nnen, so dass die nicht nur die schwierigen Bed\u00fcrftigen inneren Kinder, sondern auch die lebendigen, frechen, freien, mutigen inneren Kinder in ihnen lebendig werden und dass diese Kinder gemeinsam sozusagen ihre Paarbeziehung bereichern. \nMH: Wunderbar, Ihr Pl\u00e4doyer ist ja auch so, ne Leichtigkeit, N\u00e4he und Intimit\u00e4t, dass man Liebe wirklich miteinander wieder leben kann. Ja, Herr Kacheler, ich bedanke mich sehr, sehr f\u00fcr unser Gespr\u00e4ch, dass Sie so intensiv und gezielt auf meine Fragen eingegangen sind. Vielen Dank daf\u00fcr. \nRK: Danke. \nMH: Ne, alles Gute. \nRK: Tsch\u00fcss. \nMH: Ja, ne, tsch\u00fcss. Ja, nicht aufgeben, sag ich da, ne. Es gibt Gr\u00fcnde, warum in einer Beziehung so manches nicht l\u00e4uft, was eben auch in unserer ganz eigenen pers\u00f6nlichen Geschichte liegt, die den anderen dann immer wieder triggern kann. Wer da als Paar an sich selbst und gemeinsam arbeitet, der hat sehr, sehr gute Chancen auf eine harmonische und tiefe Beziehung. Ja, wenn du zu dem Thema etwas nachlesen m\u00f6chtest, kannst du das gerne tun in dem Buch von Roland Kachler mit dem Titel 'Liebe Kinder leicht: Innere Kinder vers\u00f6hnen und Paarprobleme l\u00f6sen'. So, ja, ich hoffe, du konntest auch etwas f\u00fcr dich mitnehmen aus dieser Folge. Ich jedenfalls bedanke mich bei dir f\u00fcrs Zuh\u00f6ren. Du kannst mir gerne ein Feedback hinterlassen auf blogweise.de. Ja, und dann bleibt mir nur noch zu sagen: Gib sch\u00f6n auf dich acht. Deine Marion.": null}