{"\ufeffTranskript: Apropos \u2026 Tochter sein! Mit Christiane Yavuz\n\nMarion Heier: Ja, hallo und herzlich willkommen. Ich gr\u00fc\u00dfe dich zu einer neuen Folge unseres Jungfermann Podcasts Apropos Psychologie. Heute geht es um jemanden, der selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr dich ist und ohne den du nicht w\u00e4rst. Es geht um deine Mutter und deine Beziehung zu ihr. Im Speziellen geht es bei uns heute um die Beziehung der Tochter zur Mutter. Was einen Grund hat, aber nichtsdestotrotz denke ich, ist diese Folge auch f\u00fcr M\u00e4nner interessant. Ja, aber Tochter sein kann verdammt anstrengend sein. Das meint Christiane Yavuz. Sie ist Familienberaterin, Coach und Mediatorin und hat aus ihrer praktischen Erfahrung heraus Methoden entwickelt, wie Mutter und Tochter eine gute Balance zueinander finden k\u00f6nnen. Und sie hat au\u00dferdem das Buch mit dem Titel 'Tochter sein auf Augenh\u00f6he: Wie eine erwachsene Beziehung zur Mutter dein Leben st\u00e4rkt' geschrieben. So, und jetzt begr\u00fc\u00dfe ich ganz, ganz herzlich Frau Yavuz. Sch\u00f6n, dass Sie heute mein Gast sind.\nChristiane Yavuz: Hallo Frau Heyer, ja vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein.\nMH: Ja, ich freue mich, weil wir auch uns \u00fcber ein sehr spezielles Beziehungsgeflecht unterhalten k\u00f6nnen, n\u00e4mlich das der Tochter zur Mutter. Aber warum sind die M\u00e4nner heute sozusagen au\u00dfen vor?\nCY: Ich glaube erst mal, sie sind gar nicht oder sie m\u00fcssen gar nicht au\u00dfen vor sein. Sie k\u00f6nnen gerne auch zuh\u00f6ren und nat\u00fcrlich ist es ein Spezifikum, sich mit der Mutter-Tochter-Beziehung, ne, auch so geschlechtsspezifisch zu besch\u00e4ftigen, aber worum es haupts\u00e4chlich geht, ist im Prinzip ja das Thema Reflexion. Und da, ja, hab ich tats\u00e4chlich festgestellt, dass Reflexion auch geschlechts\u00fcbergreifend ganz wunderbar funktioniert. Insofern k\u00f6nnen, glaub ich, auch M\u00e4nner viel aus dieser Auseinandersetzung mit einer Lebensrolle mitnehmen und letztlich geht's ja um Beziehungsgestaltung und genau das funktioniert auch f\u00fcr M\u00e4nner.\nMH: Aber ohne dass ich jetzt drauf rumreiten will, aber so, ich sag mal so, seit seit Bestehen der Menschheit haben M\u00fctter geboren und M\u00e4nner in der Regel in den meisten V\u00f6lkern auch bestimmt. Wenn wir so dieses Trauma einmal definieren k\u00f6nnen, so welche B\u00fcrde tragen Frauen mit sich herum und unter welchen Rollen Mustern leiden sie bis heute?\nCY: Ja, das ist gerade in dieser Tochterrolle oder ist die Auspr\u00e4gung, sag ich mal, die ich ja ganz oft wahrnehme, ist die, ich beschreib sie jetzt mal so am Beispiel der braven Tochter, ne, also eine weibliche Person sein, die darauf sozialisiert ist, sich eher unterzuordnen, die vielleicht haupts\u00e4chlich f\u00fcr emotionale Themen verantwortlich ist, sozusagen, die nicht aufbegehren soll, also so diese ganzen klassischen und eben auch patriarchalen Muster, die einfach noch ganz tief drinstecken in uns Frauen. Und gerade durch die Tochterrolle werden die ja auch noch mal auf eine andere Art und Weise aufgegriffen und setzen sich dann eben auch ganz individuell oft fort, ne, dass ich in dieser Tochterrolle eben auch vielleicht in der Familie in diese untergeordnete Rolle rutsche oder eben auch so sozialisiert bin und mich anpasse und meine eigenen Bed\u00fcrfnisse zur\u00fcckstelle und eben guck, dass es allen um mich rum gut geht, dass ich m\u00f6glichst nirgendwo anecke oder irgendwie aufbegehre Also so diese, diese ganzen Themen h\u00e4ngen da ja dran, aber das ist sozusagen historisch gewachsen, ne? \nMH: Und das ist so tief und fest in uns verankert und dann so w\u00e4re meine Frage auch, aber oder ja, oder Sie sind sich da sicher, dass wir daran auch etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen, dass das funktioniert, ne, dass wir rauskommen aus diesen, sage ich mal, patriarchal gepr\u00e4gten Glaubenss\u00e4tzen, ne, dass wir da auch einen Weg miteinander finden.\nCY: Ich glaube und hoffe und bin eigentlich auch \u00fcberzeugt davon, ja, auf jeden Fall, dass das geht, wobei mein Fokus nat\u00fcrlich, ne, also ich bin keine Soziologin oder gehe jetzt da gesamtgesellschaftlich ran, es ist, es spielt nat\u00fcrlich eine Rolle, aber ich habe eher so diesen Individual-Blick auf jede einzelne Frau und Tochter und was in ihrem Gestaltungsspielraum liegt. Und da hab ich ganz hundertprozentig die Hoffnung und \u2026\nMH: sehr gut\nCY: \u2026 dass das auf jeden Fall funktioniert, ja.\nMH: Ja, in ihrer Arbeit unterst\u00fctzen sie ja erwachsene T\u00f6chter, ihre Tochterrolle bewusst und eigenm\u00e4chtig zu gestalten. Was beobachten Sie denn, wo ist denn da der gr\u00f6\u00dfte Knackpunkt?\nCY: Es hat wirklich viel damit zu tun, sich mit diesem Leidensdruck, sage ich jetzt mal, erst mal auch auseinanderzusetzen. Also nat\u00fcrlich, ne, ich, ich arbeite viel mit Frauen, mit erwachsenen T\u00f6chtern, die auch einen gewissen Leidensdruck haben. Also die merken, O. K., in der Beziehung zu meiner Mutter, da passt irgendwas nicht oder da gerate ich immer wieder an Grenzen und das belastet mich. Ich gr\u00fcbel dar\u00fcber nach, ich habe immer das Gef\u00fchl, wieder wie 12 zu sein oder ich komme wirklich gar nicht zu mir selbst und kann irgendwie gar nicht mich durchsetzen oder genau, also so wirklich so so ein pers\u00f6nlicher Leidensdruck, den der sich bemerkbar macht in der Beziehung zur Mutter, aber auch dar\u00fcber hinaus. Also das zum Beispiel, wenn sich die Familie, also ne, ne neue Familie gr\u00fcndet und die Tochter wird selbst zur Mutter und merkt dann, OK, jetzt dann steht Kindererziehung an und alles weitere, ne? Und dann merke ich, OK, dann muss ich vielleicht noch mal dieses ganze Verh\u00e4ltnis zur eigenen Mutter wird dann noch mal in Frage gestellt oder darf sich neu sortieren und dadurch entsteht nat\u00fcrlich auch wieder ein Druck. Ich will es unbedingt richtig machen, ich will vielleicht gewisse Fehler, sage ich jetzt mal, nicht wiederholen, die die sich bei mir vielleicht ung\u00fcnstig auf-, ausgewirkt haben. Also da, da h\u00e4ngt dann auch viel dran, dass einfach Reibung erst mal erzeugt.\nMH: Stimmt, wenn ich mich so, also wenn man Mutter wird, dann reflektiert man auch, dass das die eigene Mutter und das Verh\u00e4ltnis zu ihr, ne? Aber es ist aber auch so, dieses Empfinden, dass man dieses Gef\u00fchl hat, man, man, man switcht da auch. Man ist, man ist dann selbst Mutter, aber da ist die eigene Mutter, mit der man, zu der man ganz, ganz andere Gef\u00fchle hegt und dann das irgendwie so zu kompensieren, das, das, das denke ich mir, ja, das, das ist, das ist tats\u00e4chlich eine Aufgabe, ne?\nCY: Ja, und ich glaube, es ist auch erst mal schwierig, sich \u00fcberhaupt zu erlauben, auch in eine Kritik zu gehen auch oder zu, also ich finde diesen Unterschied ganz wichtig und also zu unterscheiden. Ich habe als Tochter gewisse Pr\u00e4gungen oder gewisse Wunden, vielleicht auch emotionale Wunden oder Bindungswunden oder wie auch immer, erfahren und ich kann Mich konstruktiv damit auseinandersetzen. Ich kann sagen, ja, das ist passiert und ich m\u00f6chte mich damit jetzt auseinandersetzen, ohne dass das ein Schuldzuweisen ist oder ein jetzt, ne. Also, dass es in so eine destruktive Richtung geht und sagt, ich will jetzt hier, ich zeige mit meinem Finger auf meine Mutter und sie ist an allem Schuld. Also, das ist, es geht nicht darum, jetzt irgendwie plump die Schuld abzuladen, sondern es geht ja drum, einfach sich konstruktiv damit auseinanderzusetzen. Mit diesem Leidensdruck auch und mit den Auswirkungen, die oder mit den Schwierigkeiten, die das Tochter sein auch mit sich bringt. Und ich glaube, dass ganz viele Frauen da so 'ne gewisse, ja so 'ne gewisse Normalit\u00e4t, also sich dran gew\u00f6hnt haben, dass das eben auch schmerzhaft ist und dass sie vielleicht auch an ganz vielen Stellen das hinnehmen und sich nicht erlauben auch mal zu hinterfragen, muss das denn so sein und woran liegt das denn? Weil ja ganz h\u00e4ufig so dieses, so dieses, ne, dieses heilige Mutterbild, das darf auf keinen Fall angefasst werden und sobald ich irgendwas gegen meine Mutter sage, dann ja, geht die Welt zugrunde oder so.\nMH: Aber es ist ja auch wirklich interessant, wenn man sich mal so zur\u00fcckerinnert oder auch immer noch tut, oft reicht ja schon ein Satz der Mutter und man f\u00fchlt sich wie zu Teenagerzeiten, ne? Was ist das da? Was, was wird da bei uns getriggert?\nCY: Gerade in dieser Mutter-Tochter-Beziehung ist es ja auch eine langgewachsene, ich nenne es jetzt mal Konfliktbeziehung, weil nat\u00fcrlich sich dadurch, dass sie einfach die erste pr\u00e4gende Beziehung in unserem Leben ist und dann eben auch noch die erste gleichgeschlechtliche, die dann eben auch, wo es um viele auch Identit\u00e4tsthemen und so weiter geht. Ja, also es ist einfach eine generell konfliktanf\u00e4llige Beziehung und dadurch haben sich ja auch, ich wei\u00df nicht, wie es Ihnen so geht oder gegangen ist oder wie so Ihre Erfahrung ist, aber nat\u00fcrlich sammeln sich das Leben \u00fcber einfach unglaublich viele Themen, Situationen, Erfahrungen an, die ja die ein gewisses Reibungspotential bergen und allein dadurch, also das ist schon ein guter Grund, warum Mutter-Tochter-Beziehungen eben so konfliktanf\u00e4llig sind und dann kommen eben noch weitere dazu, wie so diese gesellschaftlichen Bilder, die Druck erzeugen, ne, also wenn, wenn, wenn wir immer so das Gef\u00fchl haben, meine Mutterbeziehung muss vielleicht, die muss besonders innig sein oder die muss einem bestimmten Ideal entsprechen, dann erlauben wir uns dadurch ja gar nicht, wirklich hinzugucken, wie ist sie denn eigentlich und genau und dadurch ergeben sich einfach viele Gr\u00fcnde, warum es auch immer wieder Reibung gibt. Also das ist erst mal auch gar nichts Verwerfliches, ja. Und dass dann nat\u00fcrlich auch gewisse Themen uns innerlich tief ber\u00fchren und wir merken, ah, da ist es schon wieder und jetzt rutsch ich vielleicht auch in Reaktionsmuster, die ja die sich eben lange eingeschliffen haben, die sich auch durch viele Wiederholungen, ne. Also das ist, es ist immer leichter in die alten gewohnten auch Konfliktmuster sozusagen zu fallen, auch wenn die vielleicht manchmal gar nicht g\u00fcnstig sind und gar nicht hilfreich. Aber es ist immer leichter in gewohnte Muster zu fallen. Genau, die sich eben eingeschliffen haben.\nMH: Und wenn man so ein bisschen weiter strickt in der Tochterrolle, f\u00fchlen, denken und handeln ja Frauen auch mitunter anders, als sie es als Mutter oder Partnerin tun w\u00fcrden, ne? Also die Tochterschaft wirkt sich im Grunde auch auf alle anderen Lebensbereiche aus. \nCY: Ja, also ich, ich beschreib das gern mit, also oder hab immer so das Bild im Kopf, dass es wie so eine Art Tochtermodus gibt, ja, in denen wir eben sozusagen verfallen k\u00f6nnen oder in den wir reinrutschen oder den wir bewusst auch teilweise annehmen, wenn irgendwelche \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde es ja ansto\u00dfen. Und da kann ich mich ja auch mal fragen. Also vielleicht w\u00fcrde ich meiner Mutter gegen\u00fcber in einem Konflikt oder in einer bestimmten Situation ganz anders ihr gegen\u00fcber reagieren, als ich das jemand anderem gegen\u00fcber tun w\u00fcrde oder. Bei der Arbeit hab ich irgendwie, keine Ahnung, die eine Kollegin, die mich immer an meine Mutter erinnert und das kann ja ganz unbewusst ablaufen, ne? Aber wo ich einfach merke, die die vielleicht ein bestimmtes Konfliktverhalten hat, das \u00e4hnlich ist wie es bei meiner Mutter ist und die mich dann, die dann genau diese gleichen Reaktionsmuster in mir hervorruft, in die ich dann auch auch verfalle, sozusagen, wenn ich grad gar nicht. Also, ne, wenn wenn gar nicht de facto es um meine Mutter geht, sondern eben in anderen Lebenssituationen auch dieser Tochtermodus zum Beispiel hervorkommt, indem ich dann vielleicht mich weniger gut durchsetzen kann oder meine eigenen Bed\u00fcrfnisse hinten anstelle, weil ich lieber guck, dass es allen anderen gut geht, ne. Also so diese Muster, die dann einfach wieder angesto\u00dfen werden, ja.\nMH: Ja, gibt es daf\u00fcr irgendwelche n\u00e4heren Bezeichnungen f\u00fcr diese ungesunden Konfliktmuster oder k\u00f6nnen Sie die vielleicht so 'n bisschen greifbarer machen?\nCY: Ich, also es ist nat\u00fcrlich sehr individuell und ich finde hilfreich, da immer so 'n bisschen in Richtung Konflikttypen drauf zu gucken, ja. Und da haben wir ja auch eigentlich relativ gute Vorstellungen davon, gerade so in Konfliktsituationen, ne. Es gibt so die manchen, die die greifen schnell an, wenn sie sich angegriffen f\u00fchlen und preschen nach vorne, werden hauen Vorw\u00fcrfe raus oder so, oder 'n anderer Typ ist, sich eher zur\u00fcckzuziehen und oder vielleicht dem Konflikt gleich ganz aus dem Weg zu gehen. Also einfach so dieser, wie reagiere ich oder welche Verhaltensweisen kenne ich im Konflikt? Das finde ich immer 'ne ganz gute Herangehensweise, um mal so zu gucken, wie wie ist es bei mir denn eigentlich, wie reagiere ich denn im Konflikt? Und da gibt es auch kein gut oder schlecht, ne? Also es gibt nicht die den einen richtigen Weg, Konflikte anzugehen oder auszutragen, sondern das Wichtige ist ja, dass ich gucke, was tut mir gut und was, wie kann ich es auch selbst in die Hand nehmen und mich nicht irgendeiner Situation sozusagen hilflos ausgeliefert f\u00fchlen.\nMH: Wann? Wann wird es denn schwierig mit den beiden, sozusagen? Sie hatten das vorhin auch schon mal angedeutet, dass es, dass es durchaus auch T\u00f6chter gibt, die dann einfach so weitermachen, obwohl sie eigentlich ahnen oder w\u00fcssten, dass sie das f\u00fcr sich anders regeln sollten. Also, ab wann schmerzt die Mutterbeziehung? Ab wann ist da wirklich eine Grenze \u00fcberschritten, wo man sagen sollte: 'So, jetzt muss ich reflektieren.'\nCY: Ja genau, also das ist so dieses dieses pers\u00f6nliche Leidensempfinden oder dieser Leidensdruck, den den ich ganz oft auch wirklich beschrieben kriege von Frauen, die ja die viel nachgr\u00fcbeln, die sich teilweise die beschreiben, dass sie irgendwie nach dem Besuch ihrer Mutter erstmal wieder 3 Tage hinterher sich ausruhen m\u00fcssen, weil das so emotional anstrengend war die wirklich merken, auch also bis hin zu k\u00f6rperlichen Symptomen haben, dass ne, dass sie das wirklich beeintr\u00e4chtigt und sie das Gef\u00fchl haben, ich, ich kann gar nicht so reagieren, wie ich das m\u00f6chte, das belastet mich, ich komme da nicht raus alleine. Also ich habe irgendwie da immer wieder sowohl emotionale als auch wirklich bis hin zu k\u00f6rperlichen Problemen dadurch. \nMH: Ja, ja, dann, dann kommen wir jetzt mal sozusagen zur zur L\u00f6sungsstrategie, so, so um sich bewusst abzugrenzen, welche, welche ja Regulationsstrategien gibt es denn da,\nCY: Ich versuche, oder was ich wichtig finde, ist erstmal zu unterscheiden zwischen, ich sag mal, Akutsituationen und so dem eher so dem \u00dcbergeordneten oder der der Metaebene sozusagen, ne? Also, wenn ich jetzt in einer Konfliktsituation drinstecke, wenn ich zum Beispiel ich meine Eltern besuchen gehe und es gibt bei der Essenssituation, keine Ahnung. Es gibt irgendeine Situation oder bei der Geburtstagsfeier gibt es irgendwelche. \u2026\nMH: Es kommt wieder ein dummer Spruch. \nCY: \u2026 Genau, es kommt wieder ein dummer Spruch oder ich werde nicht ernst genommen und mein Leben wird kritisiert, was auch immer. Also, wenn ich in der akuten Situation bin, dann sind erst mal auch, ich sag mal, s\u00e4mtliche Selbstregulationsstrategien hilfreich, die ich in der Situation auch anwenden kann, ja. Also. Nat\u00fcrlich zu gucken, wie kommuniziere ich, wie kann ich erstmal auch mein eigenes Nervensystem vielleicht wieder beruhigen, regulieren, wie kann ich auch so meine Grenzen wahren. Also das ist ja dann so ein ganz gro\u00dfes Thema, da einfach auch auf die eigenen Grenzen achten zu k\u00f6nnen. Und wie kann ich damit dann auch notfalls vielleicht muss ich auch aus der Situation rausgehen, ja also. \nMH: Also wirklich auch r\u00e4umlich rausgehen, genau, \nCY: Genau. Also da kann und ne, es ist immer schwer, das jetzt nat\u00fcrlich verallgemeinern zu sagen, weil es kommt so sehr auf die individuelle Beziehung an. Und ich, ich arbeite eben viel oder ich erlebe es oft, dass ich mit erwachsenen T\u00f6chtern zusammenarbeite, die wirklich eine sehr belastete Beziehung haben. Und der Unterschied ist einfach, wenn ich eine belastete Mutter oder Elternbeziehung habe, dann. ich sag mal, erfordern meine Grenzen auch mehr Schutz als in einer unbelasteten Beziehung. Ja, also ich, es gibt sozusagen Regulationsma\u00dfnahmen, die eine Tochter mit belasteter Beziehung, die ich ihr auch empfehlen w\u00fcrde oder die sie, um sich selbst zu sch\u00fctzen, anwenden kann, die eine erwachsene Tochter, die ein unbelastetes Verh\u00e4ltnis hat, nicht braucht, sozusagen, ne.\nCY: K\u00f6nnen Sie das konkretisieren, inwiefern die, wie dieser Schutz, also zum Beispiel in den Schutz gehen kann?\nMH: Zum Beispiel, wenn wir haben ja vielleicht generell immer eher so das Bed\u00fcrfnis oder das Gef\u00fchl, gerade wenn es so um unsere Grenzen geht und wir die auch geliebten Menschen gegen\u00fcber kommunizieren, dass wir das auch gerne erkl\u00e4ren, ja, also dass wir gerne zum Beispiel erkl\u00e4ren, wenn du mich besuchen willst, dann ist mir wichtig, dass du vorher anrufst, ja, und nicht unangek\u00fcndigt hier stehst, weil sonst keine Ahnung, f\u00fchle ich mich zu Hause nicht wohl, wie auch immer. Ja, also wir haben so das Bed\u00fcrfnis, das erkl\u00e4ren zu wollen, wenn wir eine gewisse Grenze gegen\u00fcber unseren geliebten Mitmenschen setzen. Und wenn ich aber in einer Beziehung bin zu Eltern oder zu einer Mutter, bei der es eine lange Konflikthistorie gibt und wo auch wo gerade Grenzverletzungen ein h\u00e4ufiges Thema sind, wo vielleicht die Grenze der Tochter ganz oft \u00fcbergangen wurde, dann zum Beispiel, kann es ratsam sein, auch die Grenze nicht zu erkl\u00e4ren, sondern sie einfach zu setzen und zu sagen: 'So und so ist meine Grenze. Wenn du sie verletzt, werde ich so und so damit umgehen.' Und gar nicht erst in diese Erkl\u00e4rung zu gehen. Ja, also da w\u00fcrde ich zum Beispiel auch dazu raten, dass dann auch nicht erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen.\nMH: Ja, ich wollte n\u00e4mlich gerade fragen, wie, wie geht denn, wie geht denn gesundes Streiten?\nCY: Ja, das ist ja erstmal schon mal hilfreich, Streiten \u00fcberhaupt anzunehmen, ja, und nicht per se vermeiden zu wollen. Ja, und ich finde auch, oder ich, ich glaube, dass das auch viel st\u00e4rker mit der Haltung dem Streiten gegen\u00fcber verkn\u00fcpft ist, als jetzt mit Kommunikations- oder Streitregeln, die ich jetzt geben k\u00f6nnte, ne. Also ich hab auch keine keinen 5 Punkte Plan, weil da daran glaube ich auch nicht so wirklich, ne. Aber ich glaube daran, dass es unglaublich hilfreich und auch heilsam sein kann, die eigene Haltung gegen\u00fcber Konflikten ja zu reflektieren und einfach sich mal anzugucken, warum f\u00e4llt es mir in manchen Situationen schwer? In welchen Situationen f\u00e4llt es mir leicht? Was macht es \u00fcberhaupt mit mir? Und auch ne, so rein k\u00f6rperlich auch mal drauf zu gucken, was passiert denn in mir, wenn ich in eine Konfliktsituation gerate. Ja, verkrampf ich mich da, f\u00e4ngt meine Atmung an, irgendwie flach zu werden, meine Achseln werden schwei\u00dfnass. Ja, also auch wirklich so auf den K\u00f6rper mal zu h\u00f6ren und zu merken, ah, O.K., irgendwie bin ich grad gestresst in dieser Konfliktsituation. Weil ganz oft ist ja unser unser Kopf, der uns da irgendwie auch versucht zu ne auszutricksen oder zu verarschen letztlich und der dann irgendwie sagt, so hier, das ist deine Mutter, das ist kein S\u00e4belzahntiger, ja, also du kannst ja ganz normal jetzt hier auch in diese Streitsituation reingehen. Aber wenn wir auf unseren K\u00f6rper h\u00f6ren und dann O.K., nee, eigentlich f\u00fchlt sich mein K\u00f6rper gerade gar nicht sicher. Und wenn ich dann merke, ja, ist ja auch, also ne, wenn ich so ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr dann hab und merke, O.K., eigentlich bin ich gerade wirklich gestresst und aber gleichzeitig von mir erwarte, jetzt v\u00f6llig \u00fcberlegte, souver\u00e4ne, ein Konfliktverhalten an den Tag zu legen, dann dann merke ich schon, das wird nicht funktionieren, ja. Und dann kann ich zum Beispiel in in einer Streitsituation auch erstmal meinen Fokus ganz anders lenken, weil wenn ich merke, eigentlich bin ich gerade total gestresst, dann kann ich vielleicht erst mal den Blick auf mich lenken und sagen, OK, was brauche ich denn gerade wieder, um mich sicher zu f\u00fchlen, damit ich wieder konstruktiv reingehen kann in die Auseinandersetzung, die vielleicht n\u00f6tig ist. Ja, also vielleicht ist es ja auch ein Thema gerade, das mir wichtig ist und wo ich auch wirklich f\u00fcr meine Bed\u00fcrfnisse einstehen will oder auch. Eine Grenze aushandeln oder vereinbaren will oder kommunizieren will. Nur wenn ich dann eben selbst in so einem ganz erregten Zustand bin, dann ist es nat\u00fcrlich schwieriger. Ja, und also letztlich ist es, glaube ich, ganz oft sich die Erlaubnis auch zu geben, erstmal auf sich selbst zu gucken und zu gucken, wie geht es mir gerade, was brauche ich, um um mich auch wieder sicher zu f\u00fchlen und dann kann es weitergehen.\nMH: Ja, Sie haben auch gerade so die, diese, diese Reise in, diese Reise ins Innere so sch\u00f6n beschrieben. Und Sie sprechen in Ihrem Buch auch von vom Verlust der inneren Heimat, die vielleicht jeder von uns in irgendeiner Form erfahren hat, in Form von Trauer oder ungestillter Sehnsucht. Ja, ist das so, so auch Teil dieser Selbstreflexion, so, so im Grunde nach diesem Urgef\u00fchl zu suchen, was, was mich, was mich belastet, was mich triggert in in in in der Beziehung mit meiner Mutter.\nCY: Ich glaube, dass das oft da mit reinspielt, ja, und ich, also ich nehm das sehr oft auch wahr bei in meiner Arbeit oder mit den Frauen, mit denen ich so zusammenarbeite, dass dass bei diesem Thema, also sobald ich anfange, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, dass da auch oft so ein Schmerzempfinden und so eine Traurigkeit zu sp\u00fcren ist oder sich zeigt, auch wenn sie f\u00fcr viele gar nicht, das ist jetzt gar nicht der Grund oder der Ausl\u00f6ser, warum sie jetzt sich damit besch\u00e4ftigen, aber es ist sp\u00fcrbar an vielen Stellen. Und das h\u00e4ngt ganz oft damit zusammen, dass dieses Thema auch wirklich viel damit zu tun hat, sich von ja, von auch von gewissen Sehns\u00fcchten oder Idealvorstellungen zu verabschieden. Und ich glaube, dass das bei ganz vielen Frauen so ein Prozess ist, ja, der auch nat\u00fcrlich Schmerz ausl\u00f6st und \u00e4hm, bei vielen Frauen beobachte ich, dass sie sich damit, also ne, dass sie anfangen, sich damit auseinanderzusetzen und dann erkennen, \u00e4hm, eigentlich w\u00fcnsche ich mir zum Beispiel, \u00e4hm, eine eine ganz tiefe, innige Beziehung zu meiner Mutter. Und sie stellen im Verlaufe des der Auseinandersetzung fest, es es wird nicht m\u00f6glich sein, ne, also so ganz de facto in meiner konkreten Mutter-Tochter-Beziehung wird es vielleicht gar nicht m\u00f6glich sein, diese Tiefe auch zu sp\u00fcren und zu leben aus Gr\u00fcnden, ja. Also das hat ja immer 'ne Geschichte und und viele gute Gr\u00fcnde, aber wenn ich das dann erstmal praktisch erkannt habe dann ja, dann ist es traurig, weil ich ja dadurch erkenne, okay, das ist eigentlich so eine Sehnsucht. Und das meine ich so, das ist so eine ganz tiefe Sehnsucht, die total \u00e4hm menschlich ist, \u00e4hm gerade in dieser Mutterbeziehung das zu haben und auch dieses versorgt werden und bemuttert zu werden und \u00e4hm so eine, ja, so eine Innigkeit da zu haben. Und dann zu erkennen, dass vielleicht, also ne, bei manchen ist es so r\u00fcckblickend, dass sie merken, so, ich h\u00e4tte das in meiner Kindheit gebraucht und hab das nie bekommen, so wie ich es gebraucht hab. Oder eben auf die Zukunft gerichtet, ich, ich h\u00e4tte eigentlich gern auch jetzt noch 'ne innige Beziehung und das ist aber nicht m\u00f6glich. Und das ist dann ein gro\u00dfer Verlust.\nMH: Ja, aber warum sagen Sie, das ist dann tats\u00e4chlich nicht m\u00f6glich, weil diese Zeit des des Kittens sozusagen einfach vorbei ist oder Weil man wei\u00df, dass die Mutter es nicht verstehen wird, oder warum gibt es tats\u00e4chlich so so Dinge, die dann die dann nicht mehr zu revidieren sind?\nCY: Was ich oft erlebe, ist dass das ein, dass ein gro\u00dfes Thema in dieser Auseinandersetzung die emotionale Reife ist. Und ich erlebe es oft so, dass die Elterngeneration aus guten Gr\u00fcnden eine gewisse emotionale Reife nicht entwickeln konnte. Und das hat, ne, wie gesagt, das hat also da ist ja bei vielen h\u00e4ngt noch irgendwie, das ist noch so die Nachkrieg, also die Kriegsgeneration, da h\u00e4ngen ganz viel Traumata und andere Geschichten noch dahinter. Dann h\u00e4ngt auch da wieder diese ganze patriarchale Geschichte hinten dran, ne, noch vor ein paar Generationen. In der letzten Generation, so wurde auch sowas wie Emotionsregulation ein ganz anderer Schwerpunkt gesetzt. Ja, also da hat sich ja einfach, ich finde zum Gl\u00fcck viel auch positiv entwickelt. Ja, also das mittlerweile so eine emotionale Intelligenz vielleicht auch oder emotionale Auseinandersetzung mittlerweile einen anderen Stellenwert hat. Aber de facto war das oft so, dass die Elterngeneration was emotionale Reife angeht. Also dass praktisch die j\u00fcngere Generation da eine eine weit eine gr\u00f6\u00dfere Entwicklung hat. Und das macht sich genau an dieser Stelle bemerkbar, dass n\u00e4mlich eine Beziehung oft dann nicht, ja nicht in so eine Tiefe gehen kann.\nMH: Ja, interessant. Ja, ja, das das erkl\u00e4rt schon auch so manches. Ja, auch wenn sie vorhin gesagt haben, dass sie kein F\u00fcnf-Punkte-Programm haben. Aber was, was ist denn so, was w\u00e4re denn so eine wirklich gesunde Balance, die man zur Mutter entwickeln kann, so, so, ne, zwischen so, wie viel N\u00e4he, wie viel Distanz tut gut.\nCY: Ja, also ich lade gern dazu ein, spielf\u00e4hig darin zu werden, in diesem Balancieren, praktisch. Ja, also ich glaube nicht, dass es die perfekte Balance da gibt. Aber ich glaube, dass es hilfreich ist, sich im Balancieren zu \u00fcben. Ja, also sprich, ich kann ja lernen oder ich kann \u00fcben, in die N\u00e4he zu gehen oder in die Distanz zu gehen. Und ich kann erkennen, wann tut mir, wann tut uns jeweils das eine oder das andere gerade gut. Ja, wann brauche ich vielleicht mehr Distanz und wie kann ich die dann gesund also emotional gesund gestalten. Wann brauche ich aber auch vielleicht oder wann habe ich das Bed\u00fcrfnis, wieder mehr in die N\u00e4he zu gehen und dann kann ich da das emotional gesund gestalten. Ja, also letztlich ist es wie so ein, ja, wie so ein Tanz zwischen N\u00e4he und Distanz, aber den kann ich eben trainieren. Also ich kann mir selbst, also ich kann ja immer nur das angehen, sozusagen, was in meinem Einflussbereich liegt. Ja, also ich kann nicht, meine Mutter ver\u00e4ndern oder ja, also das ist so ein ganz wichtiger Punkt, da einfach sich auf das zu konzentrieren, was bei mir liegt. Und da kann ich, ich kann mich selbst besser kennenlernen. Ich kann meine eigenen Bed\u00fcrfnisse, den Umgang damit besser kennenlernen und dann eben auch Grenzen, Konflikte und so weiter, also alles, was dazugeh\u00f6rt. \nMH: Ich wei\u00df gar nicht, ob das das jetzt schon war, was ich fragen wollte, was Sie gerade angedeutet haben. Sie haben n\u00e4mlich doch was entwickelt oder herausgearbeitet. Es, sie haben ja, es gibt irgendwie 7 Fixsterne, an denen man sich so ein bisschen orientieren kann.\nCY: Ja, ich will, also ich will sie jetzt gar nicht alle aufz\u00e4hlen, aber das waren f\u00fcr mich die, ja, Fixsterne, also im Sinne von helle, hell leuchtende Punkte, die mir Orientierung geben in dieser ganzen Thematik, aber letztlich auch dar\u00fcber hinaus. Also, das sind im Prinzip sind es Werte oder Haltungsanker, sag ich jetzt mal, die an denen ich mich orientieren kann und die so immer g\u00fcltig, wirksam und wertvoll sind, zum Beispiel 'ne gewisse Neugier. Zu haben, ja, also Neugierigkeit oder Neugier in meiner Haltung zu verankern oder eine Reflektionsfreude geh\u00f6rt bei mir auch dazu, ja, also einfach auch 'n gewissen, ja, 'ne Freude daran zu haben, sich mit Themen zu besch\u00e4ftigen und sie zu reflektieren. F\u00fcr mich geh\u00f6rt auch die, ja, die Konfliktliebe dazu, also eine eine innere Haltung sozusagen, die anerkennt, ja, Konflikte geh\u00f6ren dazu, wie das Wetter oder Emotionen. Sie sind einfach und indem ich lerne, gut mit Konflikten umzugehen, habe ich immer auch was, ne. Also ist es hilfreich f\u00fcr letztlich f\u00fcr f\u00fcr alles im Leben. Und so habe ich eben 7 ja Fixsterne sozusagen gesammelt, die das die f\u00fcr mich das- Ich will jetzt nicht sagen, das Leben abdecken, aber letztlich doch einem in jeder Situation irgendwie Orientierung geben k\u00f6nnen. Und letztlich geht es drum, um emotional gesund zu bleiben.\nMH: Ja, und Sie f\u00fchren da auch einen Aspekt an, den ich so in der ersten Sekunde gar nicht verstanden habe. Und dann dachte ich so, ach so, so, wenn man der Frage nachgeht, wie will ich Tochter sein, wie, ne. K\u00f6nnen Sie das so ein bisschen, also diese Perspektive, einmal so beleuchten, warum das wichtig ist, dass ich mich das auch frage?\nCY: Ja, also ich glaube, das ist tats\u00e4chlich eine Frage, w\u00e4re mal interessant zu h\u00f6ren, so unter den H\u00f6rerinnen, wer sich diese Frage \u00fcberhaupt schon mal gestellt hat. Und ich nehme wahr oder behaupte, dass sehr wenige erwachsene T\u00f6chter sich diese Frage jemals gestellt haben, einfach weil. Tochter sind wir halt einfach. Also das ist so die erste Rolle, die wir mit Geburt mitgekriegt haben. Ja, also so kommen wir ja quasi auf die Welt als Tochter. Und gleichzeitig ist genau das auch der Grund, warum wir uns nie oder sehr selten wirklich aktiv damit auseinandersetzen. Weil das l\u00e4uft ja immer so\u2026\nMH: Ich bin ehrlich, ich habe es auch nicht getan.\nCY: Ja, und das l\u00e4uft so nebenher, weil ne, also das ist ja v\u00f6llig in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen. Dagegen, wenn wir irgendwie, wenn wir Mutter werden oder wenn wir, wei\u00df ich nicht, vielleicht F\u00fchrungskraft werden im neuen Beruf, dann setzen wir uns ja mit Rollen auseinander und fragen uns: 'O.K., wie will ich das denn jetzt sein? Wie, was f\u00fcr eine F\u00fchrungskraft will ich denn sein? Oder was f\u00fcr eine Mutter will ich sein?' Also, da setzen wir uns mit diesen Rollen auseinander, nur mit der Tochterrolle machen wir das irgendwie nicht und gleichzeitig steckt da aber unheimlich viel Kraft drin, weil wir machen es ja also, wir sind ja die ganze Zeit Tochter und sind ja auch in den unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedlich Tochter. Also, logischerweise als Kind sind wir anders Tochter als wenn wir erwachsen sind. Da verschieben sich auch die Verantwortungsbausteine sozusagen und sich das mal bewusst anzugucken. Und da geht es auch gar nicht drum, jetzt irgendwie sich neues Wissen drauf zu packen, sondern es geht wirklich um die Reflexion. Und zu erkennen, boah, was krass, was leiste ich denn da eigentlich die ganze Zeit schon und was steckt denn da \u00fcberhaupt drin und was habe ich denn hier die ganze Zeit so nebenher eigentlich eigentlich schon geschafft und bewerkstelligt und reguliert und mich in ja, emotionaler Arbeit sozusagen get\u00e4tigt und und das einfach sich mal auch bewusst zu machen. Also da steckt unheimlich viel Kraft drin. Und das wollte ich so ein bisschen einmal heben mit mit diesem Buch, auch ne, weil dadurch auch mal sichtbar wird, wie viel, ja, wie viel Potential und wie viel Kraft in dieser Tochterrolle steckt, die sich dann gar nicht nur in der Mutter-Tochter-Beziehung auswirkt, sondern also die wirklich so eine, wie so eine Strahlkraft dar\u00fcber hinaus hat. Und ja, das wollte ich ja, zeigen, \nMH: damit, ja, haben sie mich auch angeregt. Also, ich hatte, um ehrlich zu sein, ja, nat\u00fcrlich schon die Beziehung zur Mutter, die, die hat man irgendwie doch immer so im Hinterkopf und man lebt sie halt so, wie sie ist. Aber dass man sie tats\u00e4chlich reflektiert und so denkt, wie kann man, wie kann man tats\u00e4chlich noch Potenzial daraus sch\u00f6pfen, ne? Also, ja, finde ich, finde ich klasse, finde ich gut, ja. aber wann, wann kann es denn wirklich sinnvoll sein, die Beziehung wirklich zu kippen, dass man wirklich sagt, es, es funktioniert nicht.\nCY: Ja, also das ist nat\u00fcrlich wirklich auch ein individueller Prozess und ich, ich finde schon allein sich die Frage zu stellen, es kann ein total hilfreicher erster Schritt sein, also ne, gar nicht mit dem Ziel, ich will unbedingt den Kontakt abbrechen oder ich muss, ja, sondern sich mal zu erlauben, diese Frage sich einfach anzugucken. Das kann ganz hilfreich sein, weil auch da h\u00e4ngt ja ganz oft dieses, dieser \u00dcberbau, dieser aufgeladene \u00dcberbau dr\u00fcber, ne, so da darfst du, darf man gar nicht dr\u00fcber nachdenken und du kannst doch nicht, du hast doch nur eine Mutter und du darfst doch nicht. Aber sich das ganz offen zu fragen, und zu \u00fcberlegen, O.K., wo stehen wir denn gerade, warum, worunter leide ich gerade in der Beziehung oder was tut uns gut, was tut uns nicht gut, wo ist auch die Grenze erreicht, in der es einer Seite oder eben der Tochter in dem Fall wirklich nicht mehr gut geht und gut tut und wo ist der Schutz der eigenen Grenzen und w\u00fcrde sozusagen wichtiger als diese Beziehung unbedingt fortzuf\u00fchren. \nMH: Ich meine, normalerweise w\u00fcrde man sagen, stellt man sich diese Frage nicht, ne? Aber dann, aber, aber es stimmt schon, wenn man sozusagen, wenn man sp\u00fcrt, dass das ist so heftig, da, da stimmt etwas partout nicht, dass man dann sich diese Frage stellt und sozusagen das Pferd von hinten aufz\u00e4umt, ne?\nCY: Ja, genau, \nMH: Ja. Wie gelingt denn die die Aufarbeitung einer ja belastenden Mutter-Tochter-Beziehung wenn die Mutter gestorben ist?\nCY: Dann geht es ja letztlich um so eine Art Erinnerungsgestaltung und auch, also genauso wie ich eine Beziehung gestalten kann, kann ich auch Erinnerung gestalten und in der r\u00fcckblickenden ja auch wieder Reflektion mir auch da ehrlich und offen angucken, wie war es denn, Was? Wie war so unsere Geschichte? Ganz, wirklich ganz individuell. Also, ich glaube, das hat das Thema hat viel damit zu tun, wie bereit bin ich oder wie offen bin ich, wirklich offen auf ganz individuell meine Mutter-Tochter-Beziehung zu gucken und mich mal frei zu machen von allem, was da so dr\u00fcber liegt an Erwartungen und an Bildern und wie es zu sein haben soll, ja. Also wirklich so ein offenes, n\u00fcchternes vielleicht auch drauf blicken und sich das zu erlauben. Und ich glaube, das hat oft was mit Erlaubnis zu tun, ja, also sich sich diese Erlaubnis zu nehmen oder sich selbst zu geben und zu sagen, ja, ich, das ist, das ist O.K., ich kann mir das auch mal ganz offen angucken. Und das gilt ja auch f\u00fcr die r\u00fcckblickende Gestaltung, sozusagen, um zu gucken, O.K., ja, ja, \nMH: Und dann kehrt auch Frieden ein in mir. Also mir ist es zum Gl\u00fcck noch nicht passiert, aber wenn ich es mir vorstelle, wenn wenn man im Gram, wenn die Mutter im Gram gestorben ist, ne, wie wie schwierig es ist, nicht dass es einen in einem ewigen Trauma hinterl\u00e4sst. \nCY: Ja, ja, ich glaube, Frieden kann dann einkehren, sozusagen, wenn ich, wenn ich erkenne, dass ich mich auf wirklich nur in Anf\u00fchrungszeichen mein, ich nenne es immer gern den Tanzbereich, ja, also mein Tanzbereich konzentrieren darf und dass ich alles, was au\u00dferhalb meines Tanzbereichs liegt, also meines Verantwortungs- und Einflussbereichs, nicht in meiner Macht liegt. Ja, und das hat dann nat\u00fcrlich auch viel mit, ja auch mit Akzeptanz zu tun und mit erkennen, O.K., daf\u00fcr konnte ich nichts oder das war, das lag gar nicht in meiner Macht daran, irgendwas zu \u00e4ndern. Und ja, da mit so einer. Also, das so ein bisschen zu sortieren. Also, ich glaub ganz oft ist es ja so, dass so diffuse Situationen, die irgendwie ne, die so durcheinander gehen, so 'n Eindruck von Hilflosigkeit hinterlassen. Ja, und und da zu sortieren, wo geh\u00f6rt was hin, wer hatte auch r\u00fcckblickend vielleicht in welcher Lebensphase welche Verantwortung. Und wurde er oder sie dem gerecht oder vielleicht eben auch nicht? Also, sich das so zu sortieren, ich glaub, das kann auf jeden Fall r\u00fcckwirkend auch befrieden, sozusagen, ne, und sich frei machen von von von Schuld oder von Vorw\u00fcrfen, ne, auf beiden Seiten. Was ist denn so abschlie\u00dfend Ihre Botschaft an uns?\nCY: Also, ich w\u00fcnsche mir oder ich w\u00fcnsche vielen Frauen genau das, was ich gerade so beschrieben habe, also sich das zu trauen, da hinzugucken und sich vielleicht auch nicht abschrecken lassen oder also ich glaube, das ist wirklich eine Reise, die total lohnenswert ist, sich diese Themen anzugucken und f\u00fcr viele ist es aber vielleicht erstmal so eine kleine H\u00fcrde, f\u00fcr manche auch eine gro\u00dfe H\u00fcrde, ne. Also zu zu sagen, um ne, so um Gottes willen, diese diesen Topf mache ich gar nicht erst auf. Aber ich, meine Botschaft ist, glaube ich, dass ich vielen w\u00fcnsche, es zu tun, weil ich einfach so oft erlebe, wie dahinter ganz viel ja Selbstwirksamkeit und Klarheit liegt und das eben dann eine unheimlich gro\u00dfe St\u00fctze sein kann die die einfach ja generell das ganze Leben irgendwie st\u00e4rkt. \nMH: Also ja, ja, die das ganze Leben st\u00e4rkt, ne. Also ich bin ziemlich beeindruckt von unserem Gespr\u00e4ch, weil es mir so erst mal vor Augen gef\u00fchrt hat, wie wie weit dieses Feld Mutter-Tochter-Beziehung eigentlich ist und wie komplex Tochter sein ist. Ja, und dann letztendlich arbeitet ja das Thema in in uns allen, jeder Tochter, ne.\nCY: Ja, genau.\nMH: Und dass wir diese Beziehung einmal reflektiert haben, daf\u00fcr bedanke ich mich bei Ihnen ganz, ganz herzlich, Frau Yavuz.\nCY: Sehr, sehr gerne, vielen Dank auch von mir.\nMH: Ganz lieben Dank f\u00fcrs Gespr\u00e4ch und alles Gute.\nCY: Dankesch\u00f6n, vielen Dank.\nMH: Tsch\u00fcss, \nCY: tsch\u00fcss, tsch\u00fcss.\nMH: Ja, dass die Mutter eine besondere Rolle in unserem Leben einnimmt, das f\u00fchlen wir. Aber was, wenn die Beziehung nicht so ist, wie wir sie uns w\u00fcnschen? Wege in die Reflektion und in eine gesunde Beziehungsarbeit hat Christiane Yavuz aufgezeigt. Ich frag jetzt mal, war es spannend f\u00fcr dich? Lass mich das gerne wissen unter blogweise.junfermann.de. Ansonsten bedanke ich mich bei dir f\u00fcrs Zuh\u00f6ren und es bleibt mir nur noch zu sagen: Gib sch\u00f6n auf dich acht. Deine Marion.": null}