{"\ufeffMH: Apropos Psychologie. Hallo und herzlich willkommen. Ich gr\u00fc\u00dfe dich zu einer neuen Folge unseres Junfermann-Podcasts. Apropos Psychologie, heute zum Thema der gewaltfreien Kommunikation und wie man sie im beruflichen Kontext, ganz besonders in F\u00fchrungspositionen, anwenden kann. Meine G\u00e4ste sind die zertifizierte Trainerin f\u00fcr GFK Anja Palitzer und der Psychotherapeut und Unternehmercoach Olaf Hartke. Die beiden haben au\u00dferdem das Buch geschrieben mit dem Titel \u201eHeute gewaltfrei: 366 Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr jeden Tag\u201c. Das Buch ist im Junfermann Verlag erschienen. Ich sage: Hallo Frau Palitzer, hallo Herr Hartke, ich begr\u00fc\u00dfe Sie ganz herzlich. Sch\u00f6n, dass Sie heute dabei sind.\nAP: Ja, sch\u00f6nen Dank, wir freuen uns auch, dass wir hier mit dabei sein k\u00f6nnen.\nOH: Ja, hallo, das z\u00e4hlt f\u00fcr mich genauso genau.\nMH: Ja, darf ich Sie denn zun\u00e4chst fragen, Sie beide, was hat Sie urspr\u00fcnglich zur gewaltfreien Kommunikation gebracht? Gab es da irgendeine Initialz\u00fcndung?\nAP: Ja, ich hab mich schon vorher mit gewaltfreier Kommunikation besch\u00e4ftigt und hab dann auf einem Intensivtraining in der Schweiz Marshall pers\u00f6nlich kennenlernen d\u00fcrfen und das hat mich nat\u00fcrlich so stark beeindruckt. Am Anfang hab ich so gedacht, na ja, ist 'n amerikanischer Autor, schreibt B\u00fccher, ja, aber ob man das glauben kann, was da drinne steht. Aber als ich ihn dann kennengelernt hab und erlebt hab, wie er um Frieden ringt und miteinander und etwas in der Welt bewegen m\u00f6chte, dann hat mich das so sehr ergriffen, dass ich gesagt hab, ich hab diese gleiche Sehnsucht ja auch in mir drin, ich m\u00f6chte da auch einen Beitrag leisten und da war ich dann, glaub ich, infiziert mit dem Thema, so stark, dass ich da auch nicht wieder losgelassen hab.\nMH: Mhm, und bei Ihnen, Herr Hartke?\nOH: Bei mir war das ganz unspektakul\u00e4r, erstmal ein Buch. Also ein Freund und Trainerkollege, dem ich heute noch dankbar bin, Stefan Herzog aus Kiel, der hat mir das Buch empfohlen, geschenkt hinterher sogar, damit ich es endlich lese. Und das lag dann, wie das bei B\u00fcchern so ist, lange im Stapel der noch zu lesenden B\u00fccher. Aber irgendwann habe ich es gelesen und es hat mich gleich irgendwie so in den Bann gezogen und ich hab dann gemerkt, GFK. ist viel mehr als dieser Titel verspricht. Ja, und dann war es auch irgendwann ein paar Jahre sp\u00e4ter der Besuch eines Intensivtrainings mit Marshall Rosenberg, dieser pers\u00f6nliche Kontakt, der da entstanden ist.\nMH: Aber ich hab so das Gef\u00fchl, das ist auch mit einem unglaublichen Charisma verbunden, oder? Von Marshall Rosenberg, dass er, dass er, dass er Menschen so wirklich bewegen und ber\u00fchren kann.\nOH: Ja, ja, das ist seine unglaubliche Pr\u00e4senz, sein Anf\u00fchlungsverm\u00f6gen, seine Klarheit in der Kommunikation auch sein Humor.\nAP: Ja, ja, und ich glaube auch, sein Engagement ist das einfach. Also dieser Einsatz, den er leistet oder geleistet hat, tagt\u00e4glich, glaube, das hat viele Menschen beeindruckt und bewegt.\nMH: Mhm, was begeistert Sie denn bis heute an der GFK.?\nOH: Also an Marshall vielleicht noch, was mich da auch begeistert hat, ist seine \u00dcberzeugtheit. Also diese Klarheit, mit der er vertreten hat, dass Ver\u00e4nderung, er nannte das immer Social Change, also sozialer Wandel, dass das tats\u00e4chlich m\u00f6glich ist, weil wir ja in unserer Arbeit immer wieder auch Belege daf\u00fcr finden, wenn wir mit Menschen arbeiten, dass Menschen pl\u00f6tzlich neu \u00fcber Kommunikation nachdenken und ja nicht nur Sprache ein wenig ver\u00e4ndern, manchmal sogar das Leben ein wenig ver\u00e4ndern. Das begeistert mich nach wie vor an der GFK, dass wirklich Ver\u00e4nderung dadurch m\u00f6glich wird.\nMH: Ja, das ist ja auch ein ein ganz ganz gro\u00dfes Ziel letztendlich, ne?\nAP: Ja, also f\u00fcr mich ist es weit mehr als eine Gespr\u00e4chstechnik. Also wir haben oftmals Teilnehmende im Seminar, die eine Gespr\u00e4chstechnik lernen wollen und dann merken, oh oh, das geht v\u00f6llig dar\u00fcber hinaus. Und das ist das, was mich so begeistert, weil ich merke, es ver\u00e4ndert den Blick auf den Menschen. Und statt sofort zu urteilen, fangen Menschen halt an, sich zu fragen, ja, wie geht es mir, wie geht es dem anderen, was bewegt mich, was bewegt den anderen. Also das ist einfach eine Haltung.\nMH: Ja. Gab es denn einen Moment, in dem Sie gemerkt haben, Kommunikation entscheidet dar\u00fcber, ob Verbindung entsteht oder eben Konflikte eskalieren?\nOH: Also bei mir gab es da viele Momente, immer dann, wenn ich fr\u00fcher sehr deutlich und klar gesagt habe, was ich will, was wichtig ist und was getan werden muss. Also ich habe Mitarbeiterf\u00fchrung nicht aus der Theorie gelernt, ich hatte fr\u00fcher 2 Unternehmen mit jeweils 30 Mitarbeitenden und da wurde viel kommuniziert und ich dachte immer, ich k\u00f6nnte das gut und gleichzeitig ja wurde ich oft nicht verstanden und habe auch Konflikte entstehen lassen fr\u00fcher in der Kommunikation und hab dar\u00fcber viel gelernt, dass es erst mal so nicht funktioniert. Hab mich dann auf die Suche gemacht. \nMH: Mhm, \nOH: Wie kann man kommunizieren auf 'ne andere Art und Weise, so dass eben ja Verbindung bleibt und aber auch so 'ne Art Kooperation und Ergebniswille irgendwie erzeugt werden kann.\nMH: Ja\nAP: Ich komm so eher von der anderen Richtung, dass ich mich wenig gezeigt hab, viel mit mir selber ausgemacht hab, Konflikte auch gescheut hab und mich, wenn, dann still ge\u00e4rgert hab. Und f\u00fcr mich war das wirklich so ein Schritt in in in das mich zeigen zu gehen, also mich wirklich mitzuteilen, mit dem, was mir wichtig ist, auch daf\u00fcr einzustehen und auch eventuell entstehende Konflikte anzugehen und nicht davor wegzulaufen.\nMH: Ja, ich h\u00f6re auch schon raus, das ist hat tats\u00e4chlich nicht nur mit Sprache zu tun, sondern wirklich mit der inneren Haltung, ne, worauf wir auch gleich noch zu sprechen kommen. Aber zun\u00e4chst noch die Frage, was f\u00e4llt Ihnen beiden denn aktuell besonders auf, wie, wie, wie steht es um die Kommunikation am Arbeitsplatz, geht, geht es harsch zu oder ne, wo sie wirklich sehen, oha, da ist aber da ist wirklich noch Bedarf.\nOH: Ja, ich sag mal, der Ton wird rauer, ne. Also Menschen sagen \u00f6fter, was sie denken in Bewertungen und in Urteilen. Also gerade bei F\u00fchrungskr\u00e4ften erlebe ich das, dass fr\u00fcher oft ja die Idee war, man darf bestimmte Sachen so nicht sagen. Also kommt jetzt immer \u00f6fter durch, dass schon bestimmte Sachen gesagt werden, die sie fr\u00fcher nur gedacht haben, aber eben ja auf eine Art und Weise, die eher auf Bewertungen, Urteilen, Interpretationen, Annahmen, Unterstellungen beruht, als darauf beruht, was es tats\u00e4chlich sein k\u00f6nnte. N\u00e4mlich der Wunsch der F\u00fchrungskraft, ja eigentlich zur Ver\u00e4nderung beizutragen und Rahmenbedingungen zu gestalten, die f\u00fcr alle n\u00fctzlich sind, darum geht es doch letztendlich. Aber diesen Wunsch, den den formulieren sie so nicht, ne, das kommt auch in ihrer Sprache oft nicht durch. Da hab ich manchmal den Eindruck, dass es eher ein Gegeneinander, ein Antreiben als ein Miteinander. \nMH: Ja\nOH: Also nicht \u00fcberall, aber ich erleb das \u00f6fter in den letzten Jahren als noch vor 10 oder vor 20 Jahren.\nAP: Was ich erlebe, ist eher, dass es so dass F\u00fchrungskr\u00e4fte unsicher werden. Was kann ich denn eigentlich noch sagen? Und es geht ja darum, auch Mitarbeiter zu halten. Und da entsteht auch manchmal so eine gro\u00dfe Unsicherheit.\nOH: Das kann ich auch, das kann ich auch so unterst\u00fctzen. Also das nehme ich auch wahr, gibt beides, Unsicherheit und rauer Ton. Also, je nach Mentalit\u00e4t der F\u00fchrungskraft auch ne.\nMH: Ja, nehme ich Ihnen sofort ab, auch weil ja tats\u00e4chlich so ich sag mal so, viele Firmen ja sich auch so in Optimierungsprozessen bewegen, ne, wenn ich jetzt dieses gro\u00dfe Wort Transformation mal erw\u00e4hne, es wird ja tats\u00e4chlich schwieriger, sich mit K.I., mit digitalen Projekten auseinanderzusetzen und man muss, wie sie Frau Palitza auch sagten, mir auch wirklich versuchen, die Arbeitnehmer zu halten, ne, also ist 'ne, ist 'ne schwierige Gr\u00e4tsche, ne.\nOH: Ja, genau und da hilft gewaltfreie Kommunikation so sehr, ich hab mich k\u00fcrzlich erschrocken, ein ein Siemens Manager war das, der \u00f6ffentlich sagte, die Zeit f\u00fcr Wertsch\u00e4tzung und Verst\u00e4ndnis sei vorbei.\nMH: Echt?\nOH:Ja. Es m\u00fcsse wieder mehr an das Geldverdienen gedacht werden. \nMH: Ich dachte, die Zeiten w\u00e4ren vorbei.\nOH: Ja, ja. Also ich erschreck manchmal, also wenn ich so Kommentare lese, Statements h\u00f6re, irgendwie von Wirtschaftsbossen, halt ja, die denken halt, es m\u00fcsste halt wieder eine R\u00fcckkehr zu mehr Betriebswirtschaftlichkeit stattfinden, zu mehr Effizienzgedanken, zu mehr Leistungsorientierung und Ergebnisorientierung. Das Miteinander, ich wei\u00df nicht, wie sie sich das vorstellen, ob das dann so nebenbei entstehen soll. Also w\u00e4hrend man sich auf so Hard Facts konzentriert, kommt das automatisch und meine \u00dcberzeugung ist ja, das kommt nicht automatisch.\nMH: Ja, ja, wie wie ist das denn, sie sind ja wirklich in den Firmen unterwegs, ne und und sind wirklich so als Botschafter der GFK unterwegs und so im Feedback der Firmen, was, was, was erleben Sie da, wird das dann auch letztendlich wirklich trainiert und gelebt oder war das dann im Grunde so 'n Einmalprojekt und dann geht man wieder zur\u00fcck zum alten Tagesgesch\u00e4ft?\nAP: Ja, da bin ich hin- und hergerissen, weil wir da auch diesbez\u00fcglich unterschiedliche Erfahrungen machen. Also viele Unternehmen, zu denen wir gerufen werden, die haben so die Idee, wir machen mal 'ne GFK Schulung und dann k\u00f6nnen die Mitarbeitenden das und am besten 4 Stunden, das reicht ihnen doch aus, oder? Und wir sagen dann immer, ja, das ist 'ne M\u00f6glichkeit, Mitarbeitende zu informieren, aber Wissen bedeutet noch lange nicht k\u00f6nnen. Es braucht, es ist halt ein Prozess, also GFK Lernen ist ein Prozess. Und sich auseinanderzusetzen mit sich selbst und mit anderen, das ist eben nicht mal in 4 Stunden gemacht oder an einem Tag, oder ich mach ein 2 -Tages-Training, sondern es braucht einfach ein Dranbleiben, ein Wiederholen, damit arbeiten. Auch wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte das k\u00f6nnen, k\u00f6nnen sie das bei den Mitarbeitern lebendig halten und wachhalten. Und diese Erfahrung machen wir eben auch, dass wir Unternehmen haben, die, die sich das irgendwie nicht irgendwie, aber die sich das auf die Fahne geschrieben haben und da auch dran bleiben an dem Konzept und an den, an den das immer wieder wachrufen bei den Mitarbeitenden in Schulungen, in kurzen Inputs, in Meetings, auch einfach die Haltung selber leben und reintragen. Also das macht dann viel aus, das ver\u00e4ndert dann auch wirklich viel.\nMH: Ja, und dann ist es ja auch sch\u00f6n zu sehen, es m\u00fcssen ja nicht, muss ja keine 70% Erfolgsquote sein, aber selbst wenn es dann schon einige wenige machen, ne, das ist ja dann auch schon der Erfolg. \nOH: Das ist eine Bereicherung und das kann so ein Samen sein, der aufgeht und dann hinterher mehr erzeugt, ne. Ich will ein Beispiel erz\u00e4hlen, wir waren k\u00fcrzlich noch in einem Unternehmen, da herrscht eben auch dieser raue Ton, die Mitarbeiter feinden sich manchmal sogar an, Mobbing ist ein Thema, dort sagen sie und die wollten jetzt auch GFK kennenlernen, haben ein 4 Stunden Programm gebucht und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin sagte dann so zur Ansprache: Passt alle gut auf, damit ihr das nachher gut umsetzen k\u00f6nnt, was ihr hier lernt. Und sie sagte auch: Und wir F\u00fchrungskr\u00e4fte sind nicht dabei, damit ihr hier sagen k\u00f6nnt, was ihr denkt. Ja klar, das hat auch nat\u00fcrlich Vorteile, ne. Aber andererseits, wenn die F\u00fchrungskr\u00e4fte nicht da sind, dann ist meine Vermutung, in diesem Unternehmen wird sich in der Kultur manches Leben nicht \u00e4ndern, nur weil die Arbeitskr\u00e4fte mal 4 Stunden was \u00fcber GFK geh\u00f6rt haben, ne.\nMH: Richtig, was beobachten sie denn generell, wie wird denn die GFK so in ihrem Umfeld wahrgenommen, ne, sind da schon mal, wie sie vorhin sagten, ist da schon mal so ein Samen gelegt oder sehen sie wirklich verdammt, da ist echt noch viel, viel, viel Entwicklungsarbeit, die vor uns liegt.\nOH: Da ist noch verdammt viel Entwicklungsarbeit vor uns. Also, also wir sprechen ja alle eine Art von Alltagssprache, so wie wir halt sozialisiert sind. Und das habe ich damals bei Marshall schon gelernt, diese Alltagssprache, die ist nicht so sehr gut darin, in Verbindung zu kommen und Konflikte zu meiden, sondern die hat ganz viele Stolperfallen in sich, dass wir halt uns nicht verstehen und dar\u00fcber hinaus noch Konflikte generieren. Und es braucht wirklich in der Sprache, in der Kommunikation ein Umdenken. Und das haben wir in so vielen Betrieben noch absolut vor uns. Also das f\u00e4ngt gerade genau genommen erst an mit der GFK in deutschen Unternehmen.\nMH: Mhm.\nOH: Und ich bin aber auch gleichzeitig froh, dass es schon passiert.\nMH: Ja.\nOH: Also viele Personalabteilungen, H. R. Manager haben GFK schon entdeckt und sagen, ja, das hat eine Daseinsberechtigung. Wenn ich dann frage: Und haben Sie auch mal ein Training besucht? Na, ich habe mal einen Vortrag geh\u00f6rt, ja, aber ich habe mal so ein Tagesseminar besucht, ich finde das auch gut. Aber das ist halt, wie Anja eben schon sagte, das dient zur Orientierung und kann genau genommen nur die Entscheidung vorbereiten, will ich das lernen und dann beginnt ein Prozess und das fehlt mir noch im Unternehmen, dass mehr Unternehmer, F\u00fchrungskr\u00e4fte sich daf\u00fcr entscheiden, das wirklich als Prozess zu sehen, der auch 'n Jahr dauert, vielleicht auch noch l\u00e4nger und der auch immer wieder Nachschulung braucht, weil neue Mitarbeitende dazu kommen, dann k\u00f6nnte sich so viel ver\u00e4ndern.\nMH: Mhm, dann komme ich zu der Frage, welche Chancen sehen Sie denn in dem Konzept der GFK?\nAP: Ja, das ist gerade wunderbar, dass Sie Chancen ansprechen, weil das habe ich mir n\u00e4mlich auch gerade gedacht bei der vorhergehenden Frage, weil letztendlich sind es ja alles Chancen, die wir im Miteinander haben und wenn wir uns auf den Weg machen und sagen, wir sind nicht zufrieden mit dem, so wie es gerade l\u00e4uft und wir wollen es anders, dann sind wir schon auf dem Ver\u00e4nderungsweg und dann kann sich etwas beginnen, wirklich zu ver\u00e4ndern. \nOH: Und die spannende Frage ist ja, wie nehme ich die Menschen mit um mich herum, ne? Ja, so dass ich allein mich auf den Ver\u00e4nderungsweg begehe, reicht ja nicht, sondern die Leute sollen ja dabei sein. Kooperation kann ja immer noch nicht so richtig befohlen werden, ne? Das ist ja immer noch etwas, das entsteht, das entsteht, wenn die Rahmenbedingungen passen und das ist ein Prozess, ja.\nAP: Ja, und ich merke, wenn sich schon eine Person auf dem Weg macht, dann ist das schon mehr als vorher und Menschen machen mit mit dieser Person bestimmte Erfahrungen, neue Erfahrungen und merken, hm, vielleicht komisch, vielleicht ungewohnt, aber es tut gut oder das ist so hilfreich oder wow, hier erleb ich mich mal gesehen, ah, das bedeutet Wertsch\u00e4tzung, ah, so f\u00fchlt sich das an und und ich halte das f\u00fcr so kostbar und so wertvoll. Und es braucht nicht per se ein ganzes Unternehmen, aber es braucht einfach Menschen, die anderen Erfahrungsr\u00e4ume erm\u00f6glichen.\nMH: Ich sp\u00fcre, wohin es geht bei Ihnen. Wenn wir mal so ein bisschen Ursachenforschung betreiben, warum f\u00e4llt denn so respektvolle und verbindende Kommunikation gerade unter Druck oft so schwer? Was ist der Grund?\nAP: Na ja, Druck bedeutet immer Stress im Gehirn. Also, wenn ich Druck versp\u00fcre, dann bin ich vielleicht unter Anspannung, Aufregung, Stress und dann kann ich nat\u00fcrlich mein neu erworbenes Wissen oder meine kognitive L\u00f6sungskompetenz nicht in dem Ma\u00dfe einsetzen, wie wenn mein Gehirn in Ruhe ist. Und das ist auch etwas, w\u00fcrde ich sagen, ganz Normales. Und gleichzeitig braucht es so die F\u00e4higkeit, das \u00fcberhaupt zu bemerken, boah, jetzt bin ich gerade angespannt, jetzt bin ich im Stress, jetzt ist es vielleicht nicht gerade der g\u00fcnstigste Zeitpunkt, ein Konfliktgespr\u00e4ch zu f\u00fchren oder eine Ver\u00e4nderung anzustreben, sondern eher so f\u00fcr mich dieses Gucken, wie komme ich wieder etwas mehr in meine Ruhe zur\u00fcck. Und da hilft mir eben auch gewaltfreie Kommunikation f\u00fcr mich pers\u00f6nlich, wenn ich angespannt bin, wenn ich unruhig bin, erst mal liebevoll mit mir umzugehen, dass ich eben jetzt gerade nicht alle L\u00f6sungskompetenzen zur Verf\u00fcgung habe, sondern eher so dann auch zu gucken, ja was brauche ich denn in dem Moment, was w\u00fcrde mir jetzt helfen, was kann ich jetzt f\u00fcr mich tun, worum geht es mir denn eigentlich. Und wenn ich dann so eine Selbstkl\u00e4rung gemacht hab, merke ich auch, wie ich automatisch ein St\u00fcck ruhiger werde und mit dem ruhiger werden hab ich nat\u00fcrlich auch mehr Zugriff dann auf mein volles Gehirnpotenzial und kann dann \u00fcberlegen, ja, was mache ich denn jetzt damit, ja, das k\u00f6nnte der n\u00e4chste Schritt sein.\nMH: Ja\nAP: Ja, und das ist eben auch, wenn sie das sagen, wie kommt es, ne, dass wir immer wieder, wenn wir unter Druck sind, in die alten Muster geraten, das ist ein nat\u00fcrlicher Mechanismus und wenn ich das aber wei\u00df, kann ich das mit bedenken und ber\u00fccksichtigen.\nMH: Welche typischen, ich sag mal, welche typischen Konflikte begegnen Ihnen denn in den Teams oder auch auf den F\u00fchrungsetagen?\nOH: Also, da gibt es eine gro\u00dfe Bandbreite, die Typischen tue ich mir jetzt gerade schwer, was Typisches zu finden. Also, was wir nat\u00fcrlich immer haben, sind Arbeitszeiten, Einsatzzeiten in Teams, ne, wer macht wann welche Dienste. \nAP: Ja, was ein gro\u00dfes Thema ist, ist auch dieses Sprechen \u00fcber andere, w\u00e4hrend diese Personen nicht anwesend sind. Das wird als sehr verletzend auch wahrgenommen und verunsichert auch die anderen. Wie wird dann \u00fcber mich gesprochen, wenn ich nicht da bin?\nOH: Mhm\nMH: mhm.\nAP: Und was auch immer wieder h\u00e4ufig kommt, also wir machen am Anfang von unserem Seminar so 'ne Aufregerliste, was regt sie auf, was \u00e4rgert sie und das ist immer wieder spannend, weil immer wieder auch die gleichen Themen drauf landen. Unterbrechen ist dieses, wenn ich spreche, dass jemand anders zu sprechen beginnt\nOH: wenn andere nur an sich denken.\nMH: Mhm.\nAP.  Ja, genau dieses auch,\nOH: Wenn \u00fcber die K\u00f6pfe der Leute hinweg entschieden wird.\nMH: Ja, ja, also die Themen sind da reichhaltig. Ja, ja, ja, und was glauben Sie, worin liegen jetzt gerade ne im beruflichen Kontext die die Ursachen f\u00fcr f\u00fcr verbale und ja, es sind ja letztendlich auch immer emotionale Verletzungen, ne?\nOH: Ja, also ein Thema, warum immer wieder Konflikte \u00fcberhaupt entstehen und warum wir nicht so wirklich effektiv f\u00fchren in Deutschland oder effizient f\u00fchren. Also viele F\u00fchrungskr\u00e4fte, das h\u00f6re ich immer wieder, die werden auf diesen F\u00fchrungsjob nicht vorbereitet, ne. Das ist keine neue Erkenntnis, das ist schon seit 20, 30 Jahren so. F\u00fchrungskraft in unserer Kultur wird man, wenn man eine gute Facharbeiterin, ein guter Facharbeiter ist und dann irgendwie auff\u00e4llig wird dadurch, dass man bestimmte Sachen gut kann, dann kriegt man pl\u00f6tzlich eine Teamverantwortung. Nur Fachaufgaben sind eine ganz andere Kompetenz als F\u00fchrungskompetenz, ne.\nMH: Ja.\nOH: Und dann orientieren sich die Leute an ihren Vorgesetzten, die das irgendwie charakterm\u00e4\u00dfig irgendwie anscheinend auch ganz gut hinbekommen, versuchen da Vorbild zu finden, versuchen das nachzumachen, aber das ist ja nicht wirklich F\u00fchrung. Und ich erschrecke immer, wenn wir so in F\u00fchrungs-, in ersten Orientierungstrainings, wenn ich die Frage stelle an die Runde: Wer kann mir denn die 5 wichtigsten Aufgaben der F\u00fchrungskraft nennen oder Hilfsmittel f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Prinzipien, auf denen F\u00fchrung beruht? Da wird es sehr still, ne.\nMH: Mhm, ja, ich mein, die GFK konzentriert sich ja auch darauf, Bed\u00fcrfnisse auch zu \u00e4u\u00dfern, ne, das was, was uns eher dann fremd ist, ne. Dann gerade im beruflichen Kontext haut man dann eher so, so typische Dinge raus, dass man Erwartungen, Bewertungen abgibt oder oder Fehler anmeckert, ne, aber halt keine Bed\u00fcrfnisse \u00e4u\u00dfert. Ja, was, was sehen Sie da, welche Folgen hat das letztendlich, wenn man das mal so, wenn man die Spirale da mal weiterdenkt?\nAP: Na ja, es ist die erste Falle, in die wir ja h\u00e4ufig tappen, dass wir ja viel schneller bewerten und urteilen, als uns wirklich auf das Gegen\u00fcber einlassen. Also Menschen sagen etwas, bringen vielleicht 'ne Schwierigkeit an, die sie besch\u00e4ftigt und wir nehmen das gar nicht richtig wahr, aber wir haben schon 'n Urteil da dr\u00fcber, wir haben auch schon 'n Urteil wom\u00f6glich \u00fcber diese Person und das verhindert, dass wir tats\u00e4chlich in den Kontakt mit mit dieser Person gehen k\u00f6nnen. Also wir sind da auf einer kognitiven Ebene unterwegs, wir wissen, was richtig ist und was falsch ist und was man jetzt tun muss und was diese Person vor allen Dingen tun muss und was sie zu unterlassen hat. Aber die Beweggr\u00fcnde, die haben wir gar nicht auf dem Schirm. Also, was sind die Motive dahinter? Weshalb hat die Person so entschieden? Weshalb, was bewegt diese Person? Wie geht es dieser Person eigentlich auch? Auch gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig haben wir oft keine Idee, was Menschen gerade bewegt.\nMH: Mhm, ich sag mal so, was ich so beobachte, so dass Arbeitnehmer sich ja auch kaum trauen, wenn es wirklich um so so pers\u00f6nliche Dinge geht, ne, wenn man vielleicht etwas im Arbeitsprozess oder so ver\u00e4ndern m\u00f6chte, wenn man vielleicht auch sieht, Mensch, ich muss famili\u00e4r mich, ich muss mich beruflich ver\u00e4ndern, weil sich famili\u00e4r was ver\u00e4ndert hat. Da traut sich der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmerin oftmals gar nicht, ne, weil es, weil das 'ne ganz, ganz andere, ja, pers\u00f6nliche Ebene ist, mit der man dann pl\u00f6tzlich sich \u00e4u\u00dfern m\u00f6chte, ne. Also, also das glaube ich ist auch, ja, dann wird vielleicht 'n Betriebsrat eingeschaltet, ne, aber ja, aber ich glaube, das ist immer 'ne ganz, ganz, ganz gro\u00dfe H\u00fcrde, ne.\nOH: Ja, also wir haben ja gerade im beruflichen Rollenverst\u00e4ndnis, haben wir so ein sehr starken inneren Filter, ja auch ne. Alles oder vieles zumindest wird noch mal \u00fcberlegt und \u00fcberdacht, bevor es gesagt wird, ne, mit dieser Fragestellung im Hinterkopf: Wenn ich das jetzt sage, wie denkt dann mein Vorgesetzter oder meine Vorgesetzte \u00fcber mich \nAP: und wie werde ich bewertet, \nOH: welche Nachteile hat das mittelfristig f\u00fcr mich, wenn ich das jetzt loslasse, ne.\nMH: Ja, ja, genau.\nOH: Da wird viel nicht ausgesprochen und das finde ich so schade, weil wenn wir es in GFK \u00e4u\u00dfern w\u00fcrden, was uns bewegt als Mitarbeitende und wir h\u00e4tten Chefs, Chefinnen irgendwie vor uns, die mit GFK-Ohren h\u00f6ren k\u00f6nnten, dann w\u00fcrde so viel mehr Verbindung entstehen, ne. Da w\u00fcrde so viel Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander entstehen und gleichzeitig, wenn man sich gegenseitig gut versteht, dann ist ein Boden f\u00fcr eine Leistungsbereitschaft ja auch viel dicker, als wenn man da st\u00e4ndig irgendwie auf so einer d\u00fcnnen Eisoberfl\u00e4che rumtanzt und immer achtsam ist, was man sagen darf und was man jetzt nicht sagen darf, ne.\nMH: Genau\nAP: Man f\u00e4ngt an, sich nicht mehr zu zeigen. Also man pr\u00e4sentiert wirklich nur noch einen kleinen Ausschnitt und \u00fcber diesen kleinen Ausschnitt erhofft man, dass man gesehen wird, dass man geh\u00f6rt wird, dass eine Verbindung da ist und das erschwert es aus meiner Sicht nur.\nMH: Und dann wird einfach weitergemacht, ne, und letztendlich kommt es dann irgendwie in letzter Konsequenz zum Burnout, ne?\nAP: Genau, ja.\nOH: Wir machen in Zusammenarbeit mit dem Bildungsforum in Bonn auch Bildungsurlaube mehrmals im Jahr in Deutschland und wir haben dann nat\u00fcrlich mal da F\u00fchrungskr\u00e4fte oder oft. Und das ist immer so eine Frage, die wir auch hinterher stellen. Nach 5 Tagen GFK, die wir dann gemeinsam erlebt haben, fragen wir manchmal: Stellt euch mal vor, wir w\u00e4ren jetzt ein Arbeitsteam so nach dieser Woche und w\u00fcrden am Montag wieder an unsere Arbeitspl\u00e4tze zur\u00fcckkehren und da miteinander arbeiten, nachdem wir es diese Woche hier erlebt haben. Was w\u00e4re da anders? Und dann kommen immer strahlende Gesichter, ne. Erz\u00e4hlen die Leute, die 5 Tage Bildungsurlaub gehabt haben, wie sch\u00f6n das w\u00e4re, wenn GFK-Teams zusammenarbeiten w\u00fcrden. Ja, dann w\u00fcrden wir manchmal sogar die Aussage h\u00f6ren: Ja, das w\u00fcrde ich gar nicht mehr als Arbeit empfinden, sondern irgendwie als Ort, wo ich gerne bin, weil ich da was ver\u00e4ndern kann und bewegen kann.\nMH: Das w\u00e4re nat\u00fcrlich toll, ne, wenn das dann auch gelingt, wenn das dann wirklich so weiter transportiert wird.\nOH: Ja, und das ist m\u00f6glich, das erleben wir ja immer wieder.\nMH: Sch\u00f6n, lassen Sie uns mal in sozusagen in Medias Res gehen. Die GFK baut ja auf diesem 4-Schritte-Modell auf und f\u00fcr alle, die das jetzt noch nicht so kennen, k\u00f6nnen Sie das gerade mal erl\u00e4utern?\nOH: Ja, gerne. Aber das ist auch so ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis in der GFK Ja, wenn GFK in Deutschland trainiert wird, dann wird das immer unter diesen 4 Schritten trainiert, halt ne, das ist also Basis vieler, vieler Trainings und dann denken Menschen halt, GFK, das sind diese 4 Schritte. Und GFK ist ja noch viel mehr. Es sind insgesamt 8 Untermodelle noch mal in der GFK, also 7 weitere als nur die 4 Schritte. Und es geht auch um 12 verschiedene Prozesse, die man lernen kann, ne, mit gewaltfreier Kommunikation. Aber halb Deutschland denkt halt GFK, das sind diese 4 Schritte. Na gut, damit f\u00e4ngt es an und die k\u00f6nnen wir uns gerne kurz angucken, weil die sind schon spannend genug, dass man da im Alltag viel ver\u00e4ndern kann.\nAP: Ich w\u00fcrde noch gerne erg\u00e4nzen, 4 Schritte, das klingt so wie so 'ne logische Abfolge und ja, es hat 'ne gewisse Logik und gleichzeitig w\u00fcrde ich eher sagen, das sind 4 Aspekte, auf die man in der Kommunikation schauen kann oder auf die man achten kann. \nOH: Fangen wir gleich mit dem ersten an. Der erste Schritt hei\u00dft ja Beobachtung. In Trainings unterscheiden wir halt oder bringen den Leuten bei zu unterscheiden zwischen klaren Beobachtungen und Bewertungen, Urteilen, Annahmen, Analysen, Unterstellungen, Ideen, die manche Menschen \u00e4u\u00dfern, halt ne. Und das ist deswegen so wichtig, weil wenn wir uns in Bewertung und Urteilen \u00e4u\u00dfern, dann stimmen andere ja manchmal nicht damit \u00fcberein, ne. Also wenn ich einem Mitarbeitenden sage, er sei ein bisschen nachl\u00e4ssig geworden oder sie, dann sehen die das oft nicht so.\nAP: Dann antworten die solche Sachen: Das stimmt \u00fcberhaupt nicht, bin nicht nachl\u00e4ssig.\nOH: Oder sie antworten nicht und sind hinterher aber demotiviert, ne. So und ja, was brauche ich an Beobachtungen, dass ich meinen Eindruck, da habe jemand in seinem Engagement nachgelassen, dass ich das deutlich machen kann. Also woran merke ich das denn, was ist im Alltag wahrnehmbar tats\u00e4chlich?\nMH: Genau.\nOH: Ja, also Beobachtungen sind einfach wichtig, um mit anderen so eine gemeinsame Realit\u00e4t zu teilen, ne, ja, dass die nicht sofort, wenn ich was anspreche, auf Bewertungsbasis innerlich denken, ja, das stimmt ja so gar nicht, \nAP: dicht machen und sich verschlie\u00dfen oder in Widerstand gehen.\nOH: Und klare Beobachtungen helfen halt, ja, dass der andere auch innerlich nicken kann und beim Gespr\u00e4ch bleibt, ne.\nMH: Und wir sprechen jetzt wirklich von beiden Seiten, ne, sowohl F\u00fchrung als auch Arbeitnehmer, ne?\nAP: Ja klar.\nOH: Ja,\nAP: ja, ist f\u00fcr beide Seiten ganz wesentlich, auch f\u00fcr Arbeitnehmer, die ein Gespr\u00e4ch auch mit F\u00fchrungskr\u00e4ften suchen.\nOH: Na klar. Also wenn Arbeitende irgendwie Bewertungen und Urteile aussprechen gegen\u00fcber F\u00fchrungskr\u00e4ften, dann freuen die sich da auch nicht dr\u00fcber, weil die es ja nicht \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, ne.\nMH: Richtig, ja. Und es geht dabei ja nicht nur um Sprache, ne, wie wir vorhin schon gesagt hatten, sondern eben auch um diese innere Haltung. K\u00f6nnen wir da noch mal ein bisschen tiefer einsteigen, ne, was was bedeutet diese innere Haltung und wie erlange ich die?\nOH: Ja, so ein Aspekt von innerer Haltung ist, dass die Bed\u00fcrfnisse der Beteiligten gleichwertig sind. Mit Bed\u00fcrfnissen meint man sowas \u00e4hnliches wie Werte und dieser Grundsatz sagt, das was ich wichtig finde, so ganz allgemein, abstrakt und universell, ne. Was ich wichtig finde, es ist nicht wichtiger als das, was andere wichtig finden. Also, wenn ich gerade im Moment R\u00fccksichtnahme wichtig finde, dann ist es nicht wichtiger, dass andere gerade Ergebnisorientierung wichtig finden und umgekehrt. Das schlie\u00dft sich nicht aus. Also, man kann auch r\u00fccksichtsvoll sich einsetzen f\u00fcr Ergebnisorientierung, ne. Und dieses Wichtigfinden von etwas, von Werten, n\u00e4mlich die zwischen Menschen stehen. Das ist ein Aspekt der GFK, eine Art von Haltung auch, dass das, was ich wichtig finde, halt nicht wichtiger ist als das, was andere wichtig finden.\nAP: Ja, und jetzt hast du einen Sprung gemacht, das w\u00fcrde ich n\u00e4mlich gerne erg\u00e4nzen, weil das erste sind ja Beobachtung statt Bewertung und das zweite ist ja Gef\u00fchle und auch da ist eine bestimmte Haltung notwendig, aus meiner Sicht hilfreich gegen\u00fcber Gef\u00fchlen. Weil wenn ich Angst habe vor Gef\u00fchlen, dann traue ich mich selber vielleicht keine Gef\u00fchle auszudr\u00fccken oder habe Schwierigkeiten, wenn andere Menschen Gef\u00fchle \u00e4u\u00dfern, dann nehme ich das vielleicht pers\u00f6nlich, dann denke ich, ich bin schuld dran, wenn sich andere Menschen auf eine bestimmte Art und Weise gerade f\u00fchlen. Und da ist f\u00fcr mich so diese Haltung auch so dieses annehmen: Ah, O.K., Gef\u00fchle sind Anzeiger, sind Hinweisgeber f\u00fcr entweder erf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse oder unerf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse. Ich bin vielleicht Ausl\u00f6ser, aber ich bin nicht Ursache, dass sich Menschen auf eine bestimmte Art und Weise f\u00fchlen.\nMH: Ja, und\nOH: Wer GFK lernt, der wird auch so ein St\u00fcckchen unabh\u00e4ngig von den Gef\u00fchlen anderer Menschen. Und damit meine ich jetzt nicht Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber Gef\u00fchlen anderer, sondern und auch nicht Teilnahmslosigkeit, sondern eher sowas wie Bereitschaft, diese Gef\u00fchle auch da sein lassen zu k\u00f6nnen, weil das halt anzeigende Anzeigeinstrumente f\u00fcr die anderen Leute sind, ne.\nMH: Ja, ich glaube, die Bereitschaft, ne, dieses, die ist wirklich sehr, sehr, sehr, sehr wichtig.\nOH: Ja, also was wir regelm\u00e4\u00dfig in Trainings haben, wenn Menschen sich aufregen und \u00e4rgern, das kennen Sie wahrscheinlich auch, zu was neigen Menschen, die \u00e4rgerlich sind? Ja, zum lauter werden.\nMH: Ja.\nOH: Und dann kommt sofort der Spruch: Aber bitte nicht in dieser Lautst\u00e4rke. Und ich denke dann immer, hey, da regt sich jemand auf, da setzt sich doch jemand gerade leidenschaftlich f\u00fcr etwas ein, was er gerne noch verstanden h\u00e4tte. Und deswegen wird dieser Mensch lauter. F\u00fcr mich ist Lautst\u00e4rke und auch \u00c4rgerlichkeit einfach nur ein Anzeiger f\u00fcr Wichtigkeit und Dringlichkeit, ne. Und wie viel Zeit verlieren wir in Unternehmen oder in Meetings dar\u00fcber, dass dann irgendwie diskutiert wird oder eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, irgendwie mehr Achtsamkeit, mehr Wertsch\u00e4tzung untereinander. Aber wenn gerade Sachen wichtig sind, ne, dann neigen wir ganz nat\u00fcrlich dazu, lauter zu werden.\nMH: Aber was ist denn, jetzt frag ich mal ganz, was ist denn in diesem akuten Fall dann m\u00f6glich, wie, wie sollte denn der CEO., wer auch immer, wie sollte er reagieren?\nAP: Das find ich so ganz spannend, weil wenn ich jetzt erstmal f\u00fcr mich schon aufgenommen hab: OK, Lautst\u00e4rke ist ein Anzeigeinstrument f\u00fcr Dringlichkeit und Wichtigkeit, dann kann ich mir in dem Fall \u00fcberlegen, was will dieser Mensch mir gerade mitteilen, also was liegt ihm so sehr am Herzen, was will so sehr geh\u00f6rt werden. Und wenn ich mich da drauf fokussiere und das vielleicht auch schaffe in Worte zu gie\u00dfen, meine Vermutung, dann wird er, wird mein Gegen\u00fcber automatischer ruhiger werden.\nMH: K\u00f6nnen wir das gerade mal an so einem Beispiel festmachen? Sagen wir mal, der Kollege regt sich massiv dar\u00fcber auf, dass sich das Arbeitsumfeld so stark ver\u00e4ndert hat, er schafft das einfach nicht mehr, er ist total \u00fcberfordert, immer wieder kommen neue Aufgaben auf ihn zu, da muss sich was \u00e4ndern. Wie wie k\u00f6nnte der CEO reagieren?\nOH: Genau, ja, also ich w\u00fcrde anbieten: Doppelpunkt Anf\u00fchrungszeichen, ja und sie w\u00fcnschen sich da gerade Entschleunigung?\nAP: Ja klar, das regt mich einfach total auf. Also st\u00e4ndig wird immer nur mehr verlangt, mehr, wir sollen mehr leisten und es wird \u00fcberhaupt keine R\u00fccksicht mehr genommen.\nOH: Ja, und Ihnen ist wichtig, dass Ver\u00e4nderung in dem Tempo kommt, dass man noch mitkommt dabei.\nAP: Ja klar, ja.\nMH: Ja. O. K.. Da ist was, ne, dass man da den anderen sieht, ne, mit seinem Wunsch, aha, da, ja, damit kann man ihm helfen.\nOH: Dann bieten sie ja weitere Schlussfolgerungen an, ne, das hei\u00dft: Wenn wir Ver\u00e4nderung hier so gestalten k\u00f6nnen, dass sie den Eindruck haben, sie kommen noch mit und es bleibt bew\u00e4ltigbar, \nMH: ja, \nOH: dann sind sie mit den Ver\u00e4nderungen, die auf uns zukommen, auch einverstanden, ja. Dann sagen Leute oft \nMH: ja, \nOH: ne, dann ja. Und das ist halt so, es braucht dieses Verstehen. Also wir haben immer wieder F\u00fchrungskr\u00e4fte, die wollen gerne verstanden werden und wenn sie verstanden werden wollen, dann neigen sie zum Senden, Senden und Senden und werden auch dringlicher, manchmal in ihrer Art der Kommunikation. Und wir trainieren halt immer: Wer verstanden werden will, tut gut daran, vorher die beteiligten Menschen auch zu verstehen. Und erst dann, wenn ich die Leute verstanden habe, dann kann ich meine Sachen so platzieren, dass auch ich verstanden werde.\nMH: Ja, \nAP: ja, \nMH: es hat etwas mit Haltung zu tun, aber wenn wir es mal noch weiterdenken, ist die gewaltfreie Kommunikation ja auch etwas, das jemanden, das einem in der Pers\u00f6nlichkeit st\u00e4rkt, ne, die die Pers\u00f6nlichkeit entwickelt?\nAP: Ja, Pers\u00f6nlichkeit, also ich kann das irgendwie immer wieder, also mein Erfahrungshintergrund bei mir pers\u00f6nlich ist, dass ich merke, ich werde mutiger und ich werd gelassener auch. Also ich merke einfach, die Schwierigkeit ist nicht, dass wir Konflikte haben, sondern die Art und Weise, wie wir mit Konflikten umgehen. Und dieses, dieses Erfahren, ah, so kann ich auch mit Konflikten umgehen oder so kann ich da drauf reagieren, das macht mich 'n St\u00fcck ruhiger. Und in dem Moment hab ich ja auch wieder Zugriff auf mein Gelerntes und mein mein mein volles Potenzial. Und es scheint sich so, es scheint so, als w\u00fcrde ich mich entwickeln. Ich denke, vieles ist in den Menschen schon da, viele haben schon so viele Erfahrungen, die haben schon so viele Trainings gemacht, die haben schon sich so viel Wissen angeeignet und wenn sie es schaffen k\u00f6nnen, vielleicht auch sich besser zu zu regulieren und wieder in Ruhe zu kommen, dann haben die eigentlich die Kompetenz in vielen F\u00e4llen mit dem Wissen um die gewaltfreie Kommunikation. Das ist noch mal so on top. \nOH: Also ja, da findet in der Tat Ver\u00e4nderung statt, das erleben wir bei vielen Menschen, die bei uns in den Trainings sind. Also wir machen seit Jahren kein Marketing mehr oder kaum noch, weil wir viele Stammkunden noch haben, da sind wir sehr dankbar. Und da stelle ich halt immer wieder fest, ein gewisser Anteil der Menschen, die in diesen orientierungsgebenden Trainings, sag ich mal, ne, die so eher ein Einstieg bieten in die GFK, diejenigen, die da verstehen oder da entdecken, halt, das hat noch so viel Potenzial f\u00fcr mehr, die kommen ja wieder. Dann die wollen nicht nur paar schnelle S\u00e4tze lernen, irgendwie, damit sie in Alltagssituationen besser klarkommen, die wollen es wirklich verstehen. Und wir haben Menschen, die begleiten uns seit Jahren in den Trainings. Also nicht, nicht weil sie zu dumm sind oder nicht weil das alles so kompliziert ist, sondern weil sie merken, ja, man entwickelt sich in konzentrischen Kreisen irgendwie immer ein St\u00fcckchen weiter und auf einer neuen Ebene kommen neue Themen auch, ne. \nMH: Ja, das ist total sch\u00f6n. \nOH: Das Elternverh\u00e4ltnis, das Schwierige doch mal irgendwann angegangen oder die Partnergespr\u00e4che, die man so lange vor sich herschiebt, werden angegangen oder die Ver\u00e4nderungen im Unternehmen werden angegangen, ne. Und da ver\u00e4ndert sich etwas beim Menschen. Ja, auf jeden Fall.\nMH: Ja, da machen Sie ja richtig Hoffnung.\nOH: Ja, haben wir auch. Also, also nicht, wenn ich auf die aktuellen Nachrichten schaue, ne, die uns jetzt im Fr\u00fchjahr 2026 gerade bewegen hier, sondern ganz allgemein, wenn ich auf die Menschen schaue, die sich mit GFK besch\u00e4ftigen, also da kommt so viel Ver\u00e4nderung in die Welt, ist meine nicht nur Hoffnung, ist meine \u00dcberzeugung inzwischen.\nAP: Ja, ich w\u00fcrde gerne noch so den den vierten Schritt anbringen, weil wir haben jetzt was zur Beobachtung gesagt, zum Gef\u00fchlen, zu den Bed\u00fcrfnissen und aus meiner Sicht ist es eben auch so wesentlich, wenn ich so klar habe, wie es mir geht und was ich brauche und wenn ich 'ne Ahnung davon bekomme, wie es dem anderen geht und was der andere braucht, dass ich dann eben gucke, welche L\u00f6sung finden wir im Miteinander.\nOH: Und bevor du diese Br\u00fccke schl\u00e4gst von den Bed\u00fcrfnissen zu den Bitten, also ich muss zum Thema Bed\u00fcrfnis nur eine Sache loswerden. Wenn wir sagen, Bed\u00fcrfnisse verstehen, dass das so wichtig ist, dann hei\u00dft es bei uns aber auch gleichzeitig: Verstehen hei\u00dft nie einverstanden sein. Differenzieren wir stark. Bed\u00fcrfnisse zu verstehen hei\u00dft nicht, mit Verhalten einverstanden zu sein. Das hei\u00dft, wenn wir daf\u00fcr pl\u00e4dieren, mehr auf Bed\u00fcrfnisse zu schauen, Bed\u00fcrfnisse anderer Menschen auch tats\u00e4chlich ernst zu nehmen, ihm Bedeutung zu geben, hei\u00dft das nicht, halt mit Entscheidungen oder mit Verhalten einverstanden zu sein. Das sind 2 verschiedene Dinge, die die Menschen oft nicht so auseinanderhalten. Da m\u00f6chte ich noch f\u00fcr werben.\nMH: Ja, ja, ja, \nOH: weil oft wird so gedacht, dass gewaltfreie Kommunikation so eine weichgesp\u00fclte Wir-haben-uns-lieb-Sprache ist. Das ist es aber nicht. Es geht auch um Klarheit, es geht auch um Entscheidungen treffen, halt ne, und Entscheidungen auch umsetzen, auch wenn es unpopul\u00e4re Entscheidungen sind. Es geht auch mit GFK\nAP: Ja, und bei den Entscheidungen treffen sind wir eigentlich bei dem, was machen wir im Miteinander und das ist so 'n St\u00fcck weit der vierte Schritt in der gewaltfreien Kommunikation. Also, welche Ver\u00e4nderung h\u00e4tte ich denn gerne, was m\u00f6chte ich denn anstreben und wie hole ich bei, wenn ich L\u00f6sung, wenn ich \u00fcber L\u00f6sung nachdenke, wie hole ich andere Menschen ins Boot, so dass es auch zu deren Bed\u00fcrfnissen passend ist. Also, wenn ich 'ne Bitte vorschlage, wenn ich 'n Verhaltensvorschlag mache, der nur zu meinen Bed\u00fcrfnissen passt, aber nicht zu dem des Gegen\u00fcbers, ja, wie wird er reagieren? Er wird jetzt nicht sagen, oh juhu, das machen wir sofort, sondern er wird sagen, nein, passt nicht. Da ist etwas noch nicht gesehen worden und wirklich verstanden worden, was mir wichtig ist. Also, das hei\u00dft, der vierte Schritt dient dazu, welche Strategien k\u00f6nnen wir finden, die zu uns beiden passt, die f\u00fcr uns wichtige Bed\u00fcrfnisse mitber\u00fccksichtigt.\nMH: Ja, schauen wir noch mal auf diesen, auf den aufgeregten Kollegen. So, es macht ja, der Ton macht die Musik, ne. Aber welche Besonderheiten gibt es denn in der Sprache der GFK?\nOH: Also, wenn Sie nach den Besonderheiten in der Sprache oder in dieser Sprachver\u00e4nderung von der Alltagskommunikation zur gewaltfreien Kommunikation fragen, ja, dann sind das eine Menge Ver\u00e4nderungen nat\u00fcrlich, die das mit sich bringen kann, wenn man m\u00f6chte, ne. Das Wesentliche, glaube ich, ist zumal diese Umfokussierung bei diesen 4 Schritten eben, also weg von Bewertungen, hin zu klaren Beobachtungen, weg von der Idee, ich bin f\u00fcr die Gef\u00fchle anderer verantwortlich oder ich mache andere f\u00fcr meine Gef\u00fchle verantwortlich, hin zu einer Verantwortungs\u00fcbernahme f\u00fcr die eigenen Gef\u00fchle und auch 'ne Akzeptanz der Gef\u00fchle anderer Menschen. Die d\u00fcrfen ruhig da sein. Und auch weg von Forderungen, hin zu Werten und Bed\u00fcrfnissen erst mal. Also nicht dieses Verlangen von etwas, sondern erst mal verstehen, welcher Wert, welches Bed\u00fcrfnis steht denn eigentlich dahinter, hinter diesem Verhalten. Ja, und auch beim letzten Schritt halt weg von Forderungen und einseitigen Vorschl\u00e4gen, hin zu Kooperationen, indem ich Bitten \u00e4u\u00dfere, die f\u00fcr alle Menschen stimmig werden, wenn man sie nachbespricht, noch mal ne. Also das macht so Besonderheiten in der GFK-Haltung eben aus, dass wir uns gerade bei diesen 4 Schritten immer wieder fragen, ja, was sind die GFK-Grundlagen dazu, weil die erzeugen einfach Miteinander und Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander.K larheit auch.\nMH: ja, das haben sie noch mal sch\u00f6n zusammengefasst. Lassen Sie uns noch mal zur\u00fcckgehen zu dem aufgeregten Kollegen, ne. Stellen wir uns vor, eine F\u00fchrungskraft m\u00f6chte jetzt ein neues Arbeitstool einf\u00fchren, ne, zum in Optimierungsprozess irgendwie dran, dass das alles transparenter werden soll, neues Orgatool, was auch immer, aber es bedeutet auf jeden Fall zus\u00e4tzliche Arbeit. Wie kann er jetzt so eine Ver\u00e4nderung gut und mit den Besonderheiten und Mitteln der GFK kommunizieren, ohne dass gleich die Reaktion kommt beim Team: Oh Schei\u00dfe, wie sollen wir das alles noch hinkriegen?\nOH: Mhm. Also optimalerweise w\u00fcrde es, bevor die Entscheidung f\u00e4llt, dass man was Neues einf\u00fchrt, vielleicht erst mal ein Anh\u00f6ren des Teams geben, ne. Also die F\u00fchrungskraft macht sich ja Gedanken dar\u00fcber, ob etwas Neues eingef\u00fchrt wird, beispielsweise wenn sie selber entscheidet, die Einf\u00fchrung. Und dann w\u00e4re es gut, einfach mal diese Gedanken dem Team schon zu nennen und auch mitzutransportieren, was man sich davon verspricht. Und dann kommt, das kennen wir aus Erfahrung, auch manchmal Widerspruch aus den Teams und dann weisen die eben darauf hin, dass es Mehrarbeit bedeutet, dass es zeitaufwendig ist und Ver\u00e4nderungsprozesse, ja. Und dann w\u00e4re es ganz sinnvoll daf\u00fcr zu werben, sozusagen, welche Bed\u00fcrfnisse dieses neue Tool uns allen erf\u00fcllen w\u00fcrde, ne. Und das sind dann nicht immer so direkt sofort Verbesserungen f\u00fcr die Menschen an den Arbeitspl\u00e4tzen. Das kann ja schon mal ein bisschen dauern, aber die Frage ist halt, wie kann ich das, was ich da einsetzen m\u00f6chte, was ich ver\u00e4ndern m\u00f6chte, den Leuten eben klar machen, dass es allen dient oder dass es halt dem Unternehmen dient, was umgekehrt ja auch wieder uns allen dient, ne. Also diesen gr\u00f6\u00dferen Nutzen deutlich machen, einfach erstmal. Nicht nur ein Tool einf\u00fchren qua einer Entscheidung, sondern halt die Hintergr\u00fcnde offenlegen, transparent machen, warum werbe ich denn jetzt daf\u00fcr, dass wir das machen. Auch eine Offenheit zeigen, dass man den Weg gemeinsam gestaltet. Also die Zielerreichung kann ja besprochen werden im Team, ne, denke ich immer. Also wie kriegen wir das hin, dass wir das einf\u00fchren?\nMH: Das ist im Grunde so ein \u00dcberbau, ne, den man da erstmal leisten muss, ne.\nOH: Ja, auf jeden Fall. So wir sagen oft, dass Mitarbeiterf\u00fchrung und Kindererziehung jetzt nicht so weit auseinander liegt. Also da ist schon, da ist schon ein bisschen was an Gemeinsamkeiten auch. Und wenn man sich jetzt \u00fcberlegt, wie man Kinder ins Leben begleitet, da schaut man doch auch, dass man denen bestimmte Zusammenh\u00e4nge deutlich macht, so dieses Prinzip, schau mal, wenn dann, ne. Und das nicht als Drohung, sondern eher zur Bereicherung ihres Horizonts oder zur Erweiterung ihres Horizonts, ne, weil wir m\u00f6chten, dass die auch das Gro\u00dfe und Ganze sehen. Das, das vermisse ich oft in Teamsituationen, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte halt Entscheidungen treffen, ja, und das ank\u00fcndigen und mitteilen, aber diesen \u00dcberbau eben nicht schaffen, warum das f\u00fcr das Gro\u00dfe und Ganze und auch f\u00fcr uns dienlich sein kann.\nMH: Ich wei\u00df nicht, ob ich diese Frage jetzt, ja, ob ich die richtig stelle. Also ich, wenn ich jetzt tats\u00e4chlich ganz praktisch nach Tools frage. Also sie haben ja gerade schon gesagt, ja, um Tools geht es eigentlich gar nicht so sehr, aber gibt es vielleicht doch irgendwelche Werkzeuge, die F\u00fchrungskr\u00e4fte an an an denen sich F\u00fchrungskr\u00e4fte orientieren k\u00f6nnen, die sie anwenden k\u00f6nnen?\nOH: Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Und also wir m\u00f6gen das nicht, wenn GFK auf Tools reduziert wird, weil die Haltung ist eben entscheidend, ne. Aber dann ist es wie im guten Handwerk. Jeder Handwerker hat 'ne Werkzeugkiste und diese Werkzeuge wendet dieser Handwerker angemessen an, dass er damit 'n bestimmtes Ergebnis erreicht. Und das ist in der Mitarbeiterf\u00fchrung, in der Kommunikation genauso. Wir haben 'ne bestimmte Haltung, in dieser Haltung, n\u00e4mlich von Gemeinschaftlichkeit und Miteinander, packen wir Werkzeuge an, Kommunikationswerkzeuge, um bei Menschen bestimmte Nachrichten halt ankommen zu lassen, auf eine Art und Weise, dass sie merken, hier geht es transparent, aufrichtig, ehrlich zu und was hier angestrebt wird, das dient uns allen.\nMH: K\u00f6nnen Sie da mal so 2, 3 rauspicken?\nOH: Ja, zum Beispiel die 4 Schritte, das hei\u00dft f\u00fcr uns Aufrichtigkeit. Thema Kritik \u00e4u\u00dfern ist ja auch immer so ein hei\u00dfes Thema in Teams, halt ne. Wie kann ich denn Kritik \u00e4u\u00dfern, ohne dass die Menschen hinterher demotiviert sind? Und da eignen sich diese 4 Schritte. Ich nenne eine Beobachtung, ich sage, wie es mir geht damit und nenne mein Bed\u00fcrfnis, was gerade nicht erf\u00fcllt ist und habe eine klare Bitte hinterher. Also das Tool hei\u00dft dann Aufrichtigkeit in 4 Schritten. Wertsch\u00e4tzung, Dankbarkeit \u00e4u\u00dfern ist auch eine Art von Tool und nat\u00fcrlich braucht es da die Haltung, ne. Also wir haben ja so eine, also viele F\u00fchrungskr\u00e4fte haben die Idee, sie m\u00fcssten mehr loben, weil ihnen das irgendjemand eingebl\u00e4ut hat, ihr m\u00fcsst mehr loben und dann versuchen die irgendwie mit einem \u201eToll gemacht\u201c und \u201eSuper Mitarbeiter, super Mitarbeiterinnen\u201c irgendwie zu loben. Aber das ist ja nicht 'ne echte aufrichtige Wertsch\u00e4tzung. Und Wertsch\u00e4tzung ist f\u00fcr uns halt 'n Drei-Schritte-Prozess. Auch da geht es um 'ne Beobachtung: Wie geht es mir damit? Um welche Bed\u00fcrfnisse haben sich erf\u00fcllt, welche Werte sehe ich da als gelebt an? Und ich meine das nicht als Werkzeug, um Leute zu manipulieren, zu mehr Leistung, sondern einfach als R\u00fcckmeldung f\u00fcr Leute, von denen ich denke: Hey, die haben doch 'n tollen Job gemacht. Das m\u00f6chte ich dann auch mitteilen. Aber auch nur dann. Bitte nicht loben, um zu motivieren, sondern wertsch\u00e4tzen, wenn ich denke, ja, da hat jemand mehr geleistet als andere oder mehr geleistet als diese Person m\u00fcsste. Also ein Beispiel k\u00f6nnte sein, auch bei Wertsch\u00e4tzung, wie ich das Tools anwende: Also Sie haben das Meeting vorbereitet und mir hat das gefallen, wie Sie das strukturiert haben und das war f\u00fcr mich dann ganz einfach nachvollziehbar und ich konnte mich an den Punkten gut orientieren und entlang hangeln.\nMH: Gut, ja.\nOH: Also insofern ist auch Dankbarkeit ein Tool in Anf\u00fchrungszeichen, ne, weil es den Mitarbeitenden die Gelegenheit gibt, auch tats\u00e4chlich zu erkennen, was hab ich denn da getan und wozu hat das gedient, was ich da getan habe. Das ist viel mehr als ein \u201eToll gemacht\u201c. Oder wir haben auch den \u00c4rgerprozess in der GFK, ist auch so eine Art von Tool. Also wie gehe ich damit um, wenn ich \u00e4rgerlich bin, weil ich etwas Bestimmtes erlebe, was ich gar nicht mag. Und 'ne gute Idee ist dann nicht gleich sofort in Kommunikation zu gehen, sondern das \u00c4rgermodell anzuwenden, mich mit meinem \u00c4rger erst mal zu besch\u00e4ftigen, mich selbst zu kl\u00e4ren und mich zu fragen: O. K., was will ich jetzt erreichen? Druck ablassen und Dampf machen, das f\u00fchrt oft nicht zur Ver\u00e4nderung. Doch Verhaltensver\u00e4nderungen erzielen bei den Leuten unter Umst\u00e4nden. Insofern, es gibt da 'ne ganze Reihe von Tools, 12 verschiedene GFK-Prozesse, die man anwenden kann, tats\u00e4chlich wie ein Tool. Ja, wenn die Haltung passt, kommt es auch an bei den Leuten.\nMH: O.K., ja, was was macht man denn, wenn wenn sich eine Situation, ein Konflikt, tats\u00e4chlich schon so verh\u00e4rtet hat? Sind dann die 4, also gibt es dann \u00fcber die 4 Schritte hinaus auch noch Werkzeuge?\nAP: Na ja, was wichtig ist, einfach zu erkennen, wo k\u00f6nnen wir vielleicht gemeinsam noch etwas l\u00f6sen, wo k\u00f6nnen wir gemeinsam in eine Aufrichtigkeit gehen, uns wirklich h\u00f6ren und verstehen, oder wo braucht es auch Unterst\u00fctzung von au\u00dfen. Also das hat einfach auch dahingehende Grenze, wenn Konflikte verh\u00e4rtet verh\u00e4rtet sind, braucht es vielleicht eine Mediation und da ist es gut, wenn jemand Drittes da ist, der bei diesen Prozessen mit unterst\u00fctzt, bei dem sich aufrichtig mitzuteilen und dem auch, wie kann ich den anderen verstehen und wie k\u00f6nnen wir dann gemeinsame neue L\u00f6sung finden. Also nicht alles k\u00f6nnen wir per se alleine oder im Miteinander kl\u00e4ren, wenn Konflikte schon verh\u00e4rtet sind.\nMH: Was ist denn zum Beispiel bei bei dem schwierigen Thema Mobbing, ne, w\u00fcrden Sie da sagen, ja GFK ist da hilfreich oder w\u00fcrden Sie auch sagen, ja, auch gut, wenn jemand Externes da einmal drauf guckt?\nOH: Das w\u00fcrde ich individuell eher beurteilen wollen. Ja, also Mobbing, also Sie haben es gerade ein schwieriges Thema genannt, ja, diese dieser Bewertung stimme ich zu. Ja, das erleben wir auch zunehmend in manchen Situationen als herausfordernd, weil uns selber auch mit GFK ja schon manchmal die Worte fehlen, um das Thema irgendwie sprechen zu k\u00f6nnen. Also wir hatten k\u00fcrzlich so 'ne Situation, da war ich auch ganz perplex pl\u00f6tzlich, da sagte eine Dame, sie h\u00e4tte leidvolle Mobbingerfahrungen und auch hier im Betrieb ginge es schon wieder los. Und ich hab ein wenig nachgefragt und ich hab auch verstehen wollen, was macht denn diese Person, die da mobbt, angeblich mobbt. Und dann mischte sich pl\u00f6tzlich jemand anders ein und sagte: Vorsicht, T\u00e4ter-Opfer-Umkehr, da gehen wir gar nicht erst hin. So und ja, wie gesagt, ich war ein bisschen perplex in der Situation, hab auch noch mal nachgehakt und da kam von mehreren Seiten pl\u00f6tzlich Widerspruch. Wir w\u00e4ren doch jetzt nicht hier, um diese Person da zu verstehen. \nMH: Aha, \nOH: wie gesagt, nee, ich w\u00fcrde erst gern die Situation verstehen, die Grundlage verstehen, warum die junge Kollegin hier denkt, sie w\u00fcrde gemobbt werden. Und da bin ich ganz bei der Kollegin, ne, bin ich auch. Und gleichzeitig aber geht es mir doch auch darum zu verstehen, was ist die Ursache dieser Idee, ich w\u00fcrde gemobbt werden. Also, was sind die ausl\u00f6senden Momente, was h\u00e4lt diese Person oder was versteht die Person unter Mobbing, also was macht das Gegen\u00fcber, was sie selber bewertet als hier werde ich gemobbt. Also\nOH: und ich, ich war sehr froh, du warst ja auch dabei, wir waren, also wir waren beide sehr froh, dass wir am Ball geblieben sind. Wir kannten das Team schon ein bisschen und haben dann die Gruppe, die sich damit weiter besch\u00e4ftigt, auch reduziert, haben dann so eine Kleingruppe rausgebildet und haben das Thema weiterverfolgt. Also wir suchen nat\u00fcrlich nach Beobachtungen dann, ne. Was macht die F\u00fchrungskraft genau, von der ich denke, sie mobbt mich? Und bei dieser jungen Dame kam dann 'ne Situation heraus, die die anderen teilweise gar nicht miterlebt haben. Die war noch nicht lange da im Betrieb und die Beobachtung war hinterher, dass sie, also die junge Kollegin, da halt ja Aktenberge auf ihrem Schreibtisch hat und mit der Arbeit nicht mehr nachkommt und die F\u00fchrungskraft legt da immer mehr hin. Eine andere Kollegin sagte dann: \u201eJa, aber sagst du der das nicht?\u201c Dann sagte sie: \u201eNein, das traue ich mich nicht.\u201c Dann sagte diese Kollegin: \u201eJa, dann bist du aber auch selber schuld.\u201c Und diese Aussage wurde als Mobbing interpretiert. Ja, das war in dem Team, das sich duzt, ich sag es mal salopp dahergesagt, ne. So und und gleichzeitig, es kann doch passieren, dass jemand sagt: \u201eHey, da bist du aber auch selber Mitschuld.\u201c \nMH: Ja klar, aber aus irgendwelchen Gr\u00fcnden hat diese Person das f\u00fcr sich, das hat sie so getriggert, ne.\nOHJ: Ja, genau, ja, genau. Und ich will das auch, also f\u00fcr die junge Kollegin, da war das ein gro\u00dfes Thema nat\u00fcrlich, ne. In ihrer Welt, in ihrer Gedankenwelt ist das bereits der Beginn von Mobbing und wer das denkt, findet nat\u00fcrlich weitere Belege, dass man gemobbt wird und ich find das tragisch und traurig und da braucht es Unterst\u00fctzung, auf jeden Fall das anders h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, auch was andere Menschen sagen, ne, das nicht mit einer Mobbingidee von vornherein zu verkn\u00fcpfen.\nMH: Ja.\nOH: So, das war jetzt das eine Extrem. Zum Ausgleich vielleicht noch da der Gedanke: Ja, und es gibt auch F\u00fchrungskr\u00e4fte, die f\u00fchren auf eine Art und Weise, dass ich gut nachvollziehen kann, das halten Menschen f\u00fcr Mobbing. Also da wird nicht alles gesagt, was man denkt, ne, da wird hinter dem R\u00fccken gesprochen, da werden einsame Entscheidungen getroffen zu Lasten von Mitarbeitenden und also da gibt es schon auch Bestrebungen, Menschen ja zu isolieren, aus einer Abteilung zu kriegen, das w\u00fcrde ich dann auch Mobbing benennen, klar.\nMH: Ja, ja. \nOH: Das gibt es beides. \nMH: Sie sagten vorhin, dass ihnen selbst manchmal die Worte fehlen. Noch einmal so einen kleinen Schlenker machen zu der Sprache der GFK, ne. Ist ja tats\u00e4chlich ein Lernprozess, aber es ist tats\u00e4chlich auch neues Vokabular, was man sich da aneignen darf?\nAP: Jein, also wenn ich anfange das zu lernen, dann klingt das vielleicht ungewohnt und man stolpert immer wieder oder spricht einfach langsamer und es wirkt auf andere Menschen nat\u00fcrlich dann etwas gestelzt oder k\u00fcnstlich. Hinzu kommt, dass wir uns dann solche Hilfsmittel bauen, wie: Ich habe beobachtet, das und ich f\u00fchle mich und mein Bed\u00fcrfnis ist und jetzt habe ich die Bitte. Ja, ne, das klingt nach Lehrbuch, ne. Und dann fragen sich Menschen: H\u00e4, was hast denn du jetzt gerade gefr\u00fchst\u00fcckt? Und und ja, wenn ich jetzt 'ne andere Sprache lerne und komme damit in 'n anderes Land und will mich verst\u00e4ndigen, dann merken die das auch, da lernt gerade jemand etwas. Und gleichzeitig, wenn ich immer mehr 'ne Sicherheit gewinne und dann kann ich dann einfach auch diese Leiter weglassen und dann kann ich einfach auch virtuos ein St\u00fcck weit mit meiner Sprache spielen und mich verst\u00e4ndlicher machen. Und ja, es ist f\u00fcr manche Menschen trotzdem ungewohnt, wenn ich \u00fcber Gef\u00fchle spreche oder wenn ich frage: Mensch, worum geht es dir denn da an der Stelle, was brauchst du denn da, geht es dir darum, hm, das und das? Dann ist das auch f\u00fcr viele Menschen so ungewohnt, mhm, dass sie das bemerken. Und auf meiner Arbeit im Kinder- und Jugendheim gab es einfach Kollegen, die gesagt haben: Ja, du sprichst so anders. Und meine Chefin hat das auch gesagt: Du sprichst so anders, Anja, und gleichzeitig merke, das tut aber so gut, was du machst. Was ist denn das, was du machst? Also ich erinnere mich an unseren Trainerkollegen, Trainerpapa mehr oder weniger, nicht Marshall Rosenberg, sondern Klaus Karst\u00e4dt, bei dem wir in Deutschland viel, viel gelernt haben, viel assistiert haben. Der sagte immer: Wasch mich und mach mich nicht nass, ist eben auch nicht m\u00f6glich, weil wenn ich etwas ver\u00e4ndern m\u00f6chte, dann ver\u00e4ndert sich das wom\u00f6glich auch in meiner Sprache und wird sichtbar. \nOH: Ja, ich w\u00fcrde gerne das unterscheiden. Also wir alle haben ja einen aktiven Wortschatz und einen passiven Wortschatz, ne. Und die GFK beinhaltet jetzt keine W\u00f6rter, keine Begriffe, die die Menschen nicht kennen. Vieles davon ist halt nur halt eben nicht im aktiven Wortschatz, ne. Wir w\u00fcrden bestimmte Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen halt nicht t\u00e4tigen, ne. Wenn wir Menschen fragen, wie geht es dir, dann sagen die gut oder schlecht, ja oft, ne. Das w\u00e4re dann schon mal eine erste Antwort, aber ist ja noch kein Gef\u00fchl, halt, ne. Und diese Gef\u00fchlsw\u00f6rter, die wir auch in Trainings immer zur Verf\u00fcgung stellen, die kennen die Menschen schon, ist nichts Neues dabei. Frage ist halt nur, ob sie in Situationen daran denken, das so benennen zu k\u00f6nnen.\nMH: Ja, ist tats\u00e4chlich eine Frage des Trainings, ne?\nOH: Ja klar.\nMH: Ja. \nOH: Oder die Leute fragen halt manchmal: Ja, ihr sprecht \u00fcber Werte und Bed\u00fcrfnisse, habt ihr mal so eine Bed\u00fcrfnisliste, ne? Dann sage ich immer: Ja, k\u00f6nnen wir gerade machen, ne? Und dann machen wir ein Flipchart auf, \u00dcberschrift Bed\u00fcrfnisse und dann lass ich mir die zurufen und dann sammeln wir die im Training. Dann entsteht eine Liste mit 30 bis 50 Begriffen, ja, die nicht vollumf\u00e4nglich ist, ne, aber da ist schon mal irgendwie so eine 70, 80%-Basis daf\u00fcr, ne. Und das kommt alles von den Leuten, ne. Da weisen wir auch drauf hin hinterher mal, ne, das sind eure Begriffe. Also wir haben nicht einen einzigen davon eingebracht, ne. Also Bed\u00fcrfnisse, h\u00f6rt sich so abstrakt an, aber das ist bei euch total gel\u00e4ufig, was das bedeutet.\nMH: Ja, aber ist ja schon mal ein prima Hilfsmittel, ne, wenn man das auch wirklich, wenn sie sagen, ah komm, da machen wir ruhig mal eine Liste.\nOH: Ja, und da kommen immer die gleichen Begriffe, ne, irgendwie miteinander Verst\u00e4ndnis, Toleranz, Akzeptanz, Geduld. \nAP: Und wenn man sich nat\u00fcrlich in den Begriffen verst\u00e4ndigt, dann k\u00f6nnte das auch etwas h\u00f6lzern klingen. Und man kann das auch umschreiben, ne. Also statt mir ist R\u00fccksichtnahme wichtig, k\u00f6nnen wir halt sagen: Na ja, im Team ist mir ein r\u00fccksichtsvoller Umgang wichtig. Und dann klingt das schon nicht mehr ganz so h\u00f6lzern.\nMH: Mhm. Ich m\u00f6chte noch einmal ganz kurz zur\u00fcck zu dem Thema der schwierigen Gespr\u00e4che, um das f\u00fcr mich auch so abzuschlie\u00dfen. Wo liegen denn m\u00f6glicherweise auch Grenzen der GFK, wo sagen sie: O.K., da kommen wir jetzt so mit mit mit Gespr\u00e4chsentwicklung, so kommen wir einfach nicht mehr weiter?\nOH: Das werden wir immer wieder mal gefragt, gerade von Menschen, die die nachhaltig das Thema lernen wollen, wo sind denn jetzt eigentlich die Grenzen. Und wir fragen meistens zur\u00fcck: Wo siehst du denn gerade Grenzen jetzt im Moment, ne. Und dann kommen pers\u00f6nliche Beispiele, wo sie denken, halt ja, da komme ich mit GFK ja auch nicht weiter. Und dann zeigen wir einen GFK-Weg auf. Und bei dieser Arbeit, also Menschen zu fragen, wo siehst du gerade Grenzen und dann f\u00fcr mich selber zu \u00fcberlegen: O. K., wie w\u00e4re mein Weg mit GFK in dieser Situation? Bei diesem Aufzeigen von GFK-M\u00f6glichkeiten bin ich noch nie auf eine Grenze gesto\u00dfen. Und manchmal erleben Menschen Grenzen dadurch, dass sie etwas nicht verstehen wollen. Also in Seminaren kommen dann immer wieder die Beispiele Trump, Putin oder sogar bis Adolf Hitler. Und das ist nat\u00fcrlich ein Riesenthema, aber das ist f\u00fcr mich keine Grenze von GFK Und ohne das Wirken bestimmter Leute jetzt gutzuhei\u00dfen, ne, kann ich von mir aus sagen, ja, auch da sehe ich Bed\u00fcrfnisse dahinter und gleichzeitig, ich bin nat\u00fcrlich mit Verhalten nicht einverstanden, ne.\nMH: Ja, sagten Sie ja vorhin schon, dass man unterscheiden muss.\nOH: Ja, da ist es so wichtig, Bed\u00fcrfnisse nachvollziehen zu k\u00f6nnen und gleichzeitig aber man kann strikt gegen Verhalten sein, das ablehnen, ne. Und insofern merke ich immer in meiner Arbeit, wir haben es ja nicht mit diesen genannten Pers\u00f6nlichkeiten zu tun, wo sicherlich jeder Herausforderungen empfindet. Aber in unserer pers\u00f6nlichen Arbeit stelle ich halt immer wieder fest, ich kann da keine Grenzen entdecken.\nAP: Grenzen werden ja oftmals, wenn Menschen von Grenzen sprechen, haben sie bestimmte Ergebnisse vor Augen, dass sie sagen: Ja, mit dem mit GFK kommen wir nicht zu diesem bestimmten Ergebnis, hier ist die Grenze oder hier kann ich etwas nicht mehr tolerieren, das ist die Grenze. Und da ist es f\u00fcr mich einfach wichtig, sich das bewusst zu machen, gewaltfreie Kommunikation ist nicht das Mittel, dass wir genau ein bestimmtes Ergebnis erreichen. Das ist ein Weg der Verst\u00e4ndigung, in einer Offenheit, welche L\u00f6sung k\u00f6nnen wir f\u00fcreinander finden. Und manchmal ist es so, dass es auch bestimmte Lieblingsl\u00f6sungen, auf die ich mich eingeschossen hab, das gilt vielleicht auch mich davon zu verabschieden oder zu l\u00f6sen, um neue Wege zu finden. Und wenn es darum geht, ja, aber hier kann ich doch das Verhalten nicht tolerieren, dann sagen wir ja, und das ist auch gewaltfreie Kommunikation, wenn ich sage: Mit dem Verhalten bin ich hier nicht einverstanden, ganz klar um Unterlassung auch, ja, und sich beharrlich auch f\u00fcr neue Verhaltensstrategien einzusetzen und zu sagen: Ja, und hier sag ich nein, und gleichzeitig eher Offenheit, wie wir es anders hinkriegen, aber nicht so.\nOH: Und GFK bedeutet auch, Menschen Konsequenzen und Folgen aufzuzeigen, wenn sie bestimmte Bitten sich entscheiden, nicht zu erf\u00fcllen, ne. Also-\nAP: gerade im Arbeitskontext, \nOH: gerade als F\u00fchrungskraft, ne, kann ich um Unterlassung von etwas auch bitten. Und meine Weisungsbefugnis gibt mir auch das in Deutschland ja erforderliche Recht, ne, Menschen anzuweisen, etwas zu tun oder zu unterlassen, halt, ne. Und wir setzen nat\u00fcrlich auf Kooperation und Freiwilligkeit, aber da wo Menschen freiwillig bestimmte Sachen, die sie per Arbeitsvertrag auch sich mit einverstanden erkl\u00e4rt haben, wenn sie die nicht mehr leisten wollen, kann ich nachdr\u00fccklich darauf hinweisen, dass das Teil einer Vereinbarung gem\u00e4\u00df unseres Arbeitsvertrages ist, ne. Und ich kann Konsequenzen aufzeigen, wenn sie diesen Vertrag nicht erf\u00fcllen. Das ist auch GFK\nAP: Ja, und f\u00fcr mich ist es noch wichtig, so dahinter zu gucken. Ich versuch Menschen nicht dazu zu bringen, dass sie das jetzt unterlassen, sondern daf\u00fcr zu werben, dass sie ein bestimmtes neues Verhalten vielleicht \u00fcbernehmen oder da mit mir mitgehen. Und das hei\u00dft, wenn Menschen sich nicht einladen lassen, es bleibt dabei f\u00fcr mich 'ne Entscheidung zu treffen, wie gehe ich damit um. Und das ist auch gewaltfreie Kommunikation.\nMH: Ja, den den den Begriff Grenzen in die GFK einzuordnen, ist eigentlich total, ja, ja, eigentlich geht das gar nicht, ne, weil Grenzen in der Kommunikation gibt es nicht, ne, ist wie so 'n Universum, was sich da \u00f6ffnet, ne.\nOH: Ja, genau. Ja, mhm. Und ich kann das selber wiederholen, dieses Verstehen bedeutet nie einverstanden zu sein und ich kann auch Entscheidungen treffen und das kann ich als F\u00fchrungskraft auch ohne das Einverst\u00e4ndnis der Mitarbeitenden, ne. Also bis hin zu einer Abmahnung oder auch zu einer Entlassung kann die F\u00fchrungskraft ja auch mit GFK, ganz GFK-konform entscheiden, erl\u00e4utern, verdeutlichen, Transparenz daf\u00fcr geben und das dann umsetzen, ne. Frage ist halt, wie hole ich die Leute halt nachher wieder ins Boot, ne.\nAP: Na ja, auch wie ist meine Haltung. Wenn ich aus der Haltung kippe, dann w\u00fcrde ich sagen, dann hab ich die gewaltfreie Kommunikation verlassen an der Stelle. Ja, die Frage, wie komme ich da wieder dahin zur\u00fcck?\nMH: Ja, sehr, sehr interessant. Ja, ja, absolut. Ich m\u00f6chte einmal kurz auf die Bedeutung von Wertsch\u00e4tzung zu sprechen kommen. Haben Sie auch vorhin immer wieder angedeutet, Wertsch\u00e4tzung spielt eine ganz, ganz gro\u00dfe Rolle. Was sind f\u00fcr Sie denn kleine, aber wirkungsvolle Formen von Wertsch\u00e4tzung im Arbeitsalltag?\nAP: Ja, f\u00fcr mich ist es schon mal, oh, das ist so 'n Thema, was mir so am Herzen liegt. Also f\u00fcr mich ist es schon mal die Ver\u00e4nderung des Blickes. Also wir haben ja so sehr den Blick darauf, was nicht funktioniert und kriegen h\u00e4ufig im Alltag gar nicht mit, was alles funktioniert und wo Menschen beitragen, wo sie bem\u00fcht sind, wo wo wo Dinge fluppen. Und da, wenn ich, wenn ich da auch diesen Blick mit hinrichte, dann habe ich so viele Gelegenheiten, Wertsch\u00e4tzung auszudr\u00fccken. \u00dcberall da, wo ich merke: Oh, bin ich erleichtert oder oh, das freut mich oder oh, hier bin ich dankbar, dass es so gelaufen ist. Eine Gelegenheit, Wertsch\u00e4tzung auszudr\u00fccken und Menschen erleben sich dadurch als gesehen und und das ist so kostbar.\nOH: Ich habe bei einem Training in England mal diesen Satz mitgenommen: \u201eCatch them when they are right.\u201c Also fangen sie dir, wenn sie gerade etwas richtig machen oder wenn sie richtig liegen.\nMH: Ja, so ein bisschen pampern. Ja, das ist ja, das ist nat\u00fcrlich, tut gut.\nOH: Ja, Ja. Und ich meine das nicht mit dieser manipulativen Idee, ich will sie damit motivieren f\u00fcr noch mehr Leistung, sondern ich mache das dann, wenn ich merke, ich habe da echt Freude dran an dem, was ich da gerade gesehen habe, ne. Ja, weil es mir eigene Bed\u00fcrfnisse als F\u00fchrungskraft erf\u00fcllt oder auch als Kollege oder Kollegin erf\u00fcllt, weil es mir gut tut, weil es mir gut tut, einfach den Menschen so in dieser Handlung zu erleben, ne, oder das Ergebnis halt eben klasse zu finden. Dann ist es Zeit f\u00fcr eine kleine Wertsch\u00e4tzung. Es ist Aufrichtigkeit. Ja, hey, du hast was zu meinem Leben beigetragen, hey, du hast was zur Teamentwicklung hier beigetragen, das m\u00f6chte ich mal anmerken, ne, weil es mir halt gef\u00e4llt.\nMH: Ist denn Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Sie dann ja oder immer noch eher ein Soft Skill oder sehen Sie, dass Wertsch\u00e4tzung inzwischen auch eine echte Schl\u00fcsselkompetenz in Unternehmen hat?\nOH: Beides. Also es geh\u00f6rt zu den Soft Skills, klar so und gleichzeitig aber auch, es ist eine Haltung den Menschen gegen\u00fcber. Also egal, ne, auf wen man schaut, ne, man kann was finden, was man wertsch\u00e4tzen kann. Alle Menschen leisten irgendwo einen Beitrag. Bei manchen muss man ein bisschen l\u00e4nger gucken, das h\u00f6ren wir dann manchmal im Alltag, ne, das stimmt, ja, kann sein. Aber die Frage ist halt, ja, was macht ein Mensch, was kann ich wertsch\u00e4tzen? Da findet man \u00fcberall etwas.\nAP: Sehe ich das Glas halb voll oder sehe ich es als leer?\nMH: Ja, genau, ja.\nOH: Und das h\u00e4lt uns ja auch nicht davon ab, Kritikgespr\u00e4che zu f\u00fchren, auch mit GFK, ne. Also, wenn ich schon lange suchen muss bei einem Menschen, ob ich da \u00fcberhaupt was Wertsch\u00e4tzendes finde, da gibt es vielleicht \u00fcberhaupt Dinge, die Kritikgespr\u00e4che eventuell brauchen, auch ne.\nMH: Mhm, \nOH: ist auch ein GFK-Tool.\nMH: Ja, Sie haben ja einen eigenen Blog, der hei\u00dft Gewaltfrei Leben, ne, wo sie jeden Montag praktische Impulse zur gewaltfreien Kommunikation geben.\nOH: Ja, das ist eigentlich ein Kundencoachingbrief und wir haben viele Sachen davon auf dem Blog ver\u00f6ffentlicht, genau.\nMH: Ja, ja und sie beschreiben auch sehr anschaulich, wie man Vielredner freundlich unterbrechen kann. Das w\u00fcrde ich, das also das interessiert mich wirklich. Wie kann man das machen, \nOH: ganz praktisch oder wie?\nMH: Ja, ganz praktisch. Na ja, das wird Anja gleich irgendwann praktizieren, wenn Anja merkt, dass ich das Wort gar nicht mehr abgeben mag, sondern jetzt irgendwie diesen Podcast hier an mich ziehen m\u00f6chte und einfach nicht mehr aufh\u00f6re, weil ich hab noch so viele Ideen \u00fcber GFK, die ich ihr gerne zum Besten geben w\u00fcrde und GFK ist so ein tolles, wunderbares Tool, damit ...\nAP: Olaf,\nOH: ich bin noch nicht fertig. \nAP: Olaf.\nOH: Jetzt fasst sie mich schon an hier.\nAP: Olaf, Ich m\u00f6chte gerne, dass dass wir nur so viel senden, wie die Teilnehmer Freude haben, dabei zu bleiben. Mhm. Manchmal ist weniger mehr.\nOH: O. K. Also sie hat schon mal erreicht, dass ich still bin.Klar kann es dann weitergehen, aber das w\u00e4re jetzt dann eher hier Theaterspiel als noch aufrichtig. Ja, Sie haben es, Sie haben es ja selbst geh\u00f6rt. Sie hat meinen Namen gesagt, dann hat sie irgendwie eine Hand auf meinen Unterarm gelegt, Blickkontakt gesucht, indem sie sich auch zwischen mich und das Mikro hier geschoben hat. \nMH: O. K. Ja, ja, ich wollte so ein bisschen auf Gespr\u00e4chskultur noch zu sprechen kommen, ne, und Sie unterscheiden da ja zwischen H\u00f6ren, Hinh\u00f6ren und Zuh\u00f6ren. K\u00f6nnen Sie das f\u00fcr uns noch mal so ein bisschen ausdifferenzieren?\nAP: Ja, das ist f\u00fcr mich auch wieder so ein so ein Thema, was mir auch besonders am Herzen liegt, weil H\u00f6ren tun wir alle, wenn wir gesunde Ohren haben und das H\u00f6ren passiert automatisch nebenbei. Da bin ich in Gedanken vielleicht auch bei dem schon, was ich jetzt gleich sagen werde. Hinh\u00f6ren braucht 'ne Aufmerksamkeit. \nOH: Das hei\u00dft, ich fokussiere etwas Bestimmtes aus dem Ger\u00e4uschpegel oder Gespr\u00e4chspegel um mich herum heraus und entscheide mich: Ah, da will ich jetzt mal hinh\u00f6ren, das interessiert mich mehr.\nAP: Ja, und dann bin ich still und dann bin ich vielleicht auch schon ganz bei der anderen Person. Und zuh\u00f6ren bedeutet f\u00fcr mich, dass ich wirklich verstehen m\u00f6chte, was den anderen Menschen gerade bewegt. Also beim Zuh\u00f6ren h\u00f6re ich auch zwischen den Zeilen, was, wie geht es dem anderen Menschen gerade, wenn er spricht und auch was bewegt ihn. Also was, welche, welche Bed\u00fcrfnisse sind gerade bei ihm erf\u00fcllt oder nicht erf\u00fcllt.\nOH: Von Marshall Rosenberg gibt es da so einen sch\u00f6nen Satz, er sagte immer: \u201eH\u00f6re nicht, was sie sagen, h\u00f6re, was sie f\u00fchlen und brauchen.\u201c \nAP: Und das ist f\u00fcr mich zuh\u00f6ren.\nMH: Ja, ja, aber warum f\u00fchlen sich denn manche Menschen trotz permanenter Kommunikation, sag ich mal, nicht wirklich verstanden? Es wird gesprochen, es wird ausgetauscht und trotzdem f\u00fchlen sie sich nicht wirklich verstanden. Was kann da der Grund sein?\nOH: Ja, die Frage ist dann f\u00fcr mich, was brauchen Menschen, dass sie den Eindruck haben, verstanden worden zu sein? Und nach unserer Erfahrung sind das halt die Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse, ne. \nAP: Also wenn, wenn ich es schaffe, das zusammenzufassen, nicht nur was ich durch Hinh\u00f6ren mitbekommen hab, sondern was ich durch Zuh\u00f6ren zwischen den Zeilen auch geh\u00f6rt hab und wenn ich das dem anderen mitteile.\nOH: Also vielleicht m\u00fcssen wir noch 'ne Ebene dr\u00fcber einmal ganz kurz bilden. Also wir w\u00fcrden da noch mal unterscheiden, auf welcher Ebene sind wir denn gerade? Auf 'ner sachlich-fachlichen Ebene, auf 'ner systemischen Ebene, ne, wo ich einfach m\u00f6chte, dass bestimmte Menschen Zusammenh\u00e4nge verstehen. Das ist ja eine Art von Verstehen, auch so ein kognitives Verst\u00e4ndnis von komplexen Abl\u00e4ufen oder von bestimmten Prozessen oder Situationen. Und eben dieses menschliche Verstehen. Also, dass man versteht halt, wie es den Menschen geht, ne.\nMH: Ja, ja.\nOH: Und wenn wir dabei sind, bei diesem menschlichen Verstehen, da ist es f\u00fcr uns ganz klar, was die Antwort ist. Ich m\u00f6chte gerne verstehen, wie es Ihnen gerade geht, also wie Sie sich f\u00fchlen in einer Situation und was Sie eigentlich brauchen, welche Bed\u00fcrfnisse und Werte da gelebt werden oder nicht gelebt werden in dem Moment.\nAP: Wenn Menschen sich auf diese Art und Weise geh\u00f6rt erleben, dann dann sagen sie: Ja, jetzt hast du mich verstanden.\nOH: Und werden stiller h\u00e4ufig.\nMH: Ich h\u00f6re heraus, dass das wirklich gutes Zuh\u00f6ren ganz sch\u00f6n anspruchsvoll ist. Ne, das muss man ja auch erstmal lernen, wirklich in den anderen hineinzuh\u00f6ren. Sprich, bedeutet auch, dass man so ein gewisses Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen oder Empathie entwickeln kann.\nOH: Ja, das kann man lernen, ja genau. Ja, ja. So gutes Zuh\u00f6ren, einf\u00fchlendes Zuh\u00f6ren mit der GFK-Idee dazu, was es ist, ist es eigentlich wiederum relativ leicht, ne. Also dieser Rosenberg-Satz, der sagt schon aus, ne: H\u00f6re nicht, was sie sagen, also nicht nur die einzelnen Worte und S\u00e4tze h\u00f6ren, sondern ja, welche Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse liegen da drunter bei den Menschen. Da braucht es ein bisschen Kenntnis in Gef\u00fchlsw\u00f6rtern, ein bisschen Kenntnis in Bed\u00fcrfnisw\u00f6rtern und dann ist es so gesehen wiederum eigentlich leicht.\nMH: Ja, sch\u00f6n. \nAP: Und ja, Wissen hei\u00dft nicht k\u00f6nnen, \nMH: es braucht \u00dcbung, so ist es ja.Und von wegen \u00dcbung, das ist jetzt mein Stichwort, um auf so auf auf ihre praktischen Impulse einmal zu sprechen zu kommen, die Sie ja in Ihrem Blog auch beschreiben, ne. K\u00f6nnen Sie uns da einfach mal ein, 2 Beispiele nennen, die man direkt im Berufsalltag anwenden kann und ausprobieren kann?\nAP: Na, was man direkt ausprobieren kann, ist wenn man Bewertungen von anderen h\u00f6rt. Oh ja, das ist ein total r\u00fccksichtsloser Mitarbeiter. Dass man dann den anderen fragt: Ah, O. K., du sprichst von r\u00fccksichtslos, ich kann es mir noch nicht vorstellen. Was genau macht denn dieser Mitarbeiter, den du, wo du das Verhalten als r\u00fccksichtslos bezeichnest?\nOH: Und was Anja halt macht, ist eine Art Umfokussieren von einer Bewertung, von einem Urteil, da ist jemand r\u00fccksichtslos, hin zu: Was ist die Beobachtung, was ist das konkrete Verhalten dieses Menschen im Alltag? Und dann kommen Menschen auf der anderen Seite des Gespr\u00e4chs halt raus aus dieser Urteilsidee hin zu Beobachtungen, was im Alltag macht dieser Mensch eigentlich, ein klar beschreibbares Verhalten suchen wir dann, ne. Das \u00e4ndert schon mal etwas.\nMH: Ja, ich sp\u00fcre gerade bei all meinen Fragen, dass die sich letztendlich immer wieder zentralisieren auf eben, ne, auf die diese, auf auf die 4 Schritte.\nOH: Ja, ja, die auch. Nicht umsonst das meist geschulte Tool aus der GFK\nMH: Was empfehlen Sie denn Menschen, die jetzt tats\u00e4chlich auch vielleicht auch durch unser Gespr\u00e4ch angeregt wurden, die sich mit gewaltfreier Kommunikation auseinandersetzen m\u00f6chten, die damit beginnen m\u00f6chten? Was gibt es da von ihrer Seite f\u00fcr M\u00f6glichkeiten?\nOH: Zuallererst fallen mir ein: B\u00fccher aus dem Junfermann Verlag.\nOH: Ja, sehr gut. Da hatte ich auch k\u00fcrzlich noch 'n Gespr\u00e4ch mit 'ner Kollegin von Ihnen, Junfermann feiert ja 25 Jahre GFK-B\u00fccher dieses Jahr, ne, und ich wei\u00df nicht, ich kenn die Prozentzahl nicht, aber ich wei\u00df, dass 'n Gro\u00dfteil der deutschen GFK-Lekt\u00fcre von Junfermann verlegt wird. 90% kann das sein, ist das immer noch so hoch?\nMH: Also, also offen, ja, kann ich auch nicht sagen, m\u00fcsste ich die Marketingabteilung fragen, aber aber genau, das ist schon.\nOH: Und was ich nach, also was ich immer wieder empfehlen w\u00fcrde f\u00fcr Menschen, die neugierig sind, was ist jetzt eigentlich GFK, dass sie ein Buch lesen, gerne aus dem Junfermann Verlag, weil da gibt es so viele wunderbare B\u00fccher und vielleicht thematisch etwas, wo sie ein Interesse haben. Es gibt ja inzwischen so 'ne Vielfalt von Unterthemen zur, also innerhalb der GFK, von fokussierten Themen, ne. GFK in der Kirche habe ich letztens entdeckt, GFK im Unternehmen, GFK \nAP: im Gesundheitswesen.\nOH: Gesundheitswesen, genau. GFK in der Kindererziehung, GFK in der Schule. Ein Buch gibt es auch zum Thema GFK und Ern\u00e4hrung, hab ich gesehen. Also das ist ja 'ne riesige F\u00fclle, ne. Also einfach mal neugierig auf diese B\u00fccher sein, was GFK zu bestimmten Themen auch zu sagen hat.\nMH: Mhm, danke schon mal, danke schon mal, dass Sie f\u00fcr mich den Werbeblock \u00fcbernommen haben.\nOH: Das machen wir auch im Alltag st\u00e4ndig.\nAP: Na ja, wir sind einfach auch so dankbar daf\u00fcr, weil wenn wir gemeinschaftlich da dran arbeiten, wie k\u00f6nnen wir Menschen neugierig machen, dann braucht es halt auch die Zusammenarbeit.\nMH: Ja, klar.\nOH: Ich bin \u00fcbrigens, das m\u00f6chte ich auch noch loswerden, dem Junfermann Verlag sehr dankbar. Es werden ja auch B\u00fccher aus dem Amerikanischen ins Deutsche \u00fcbersetzt.\nMH: Ja.\nOH: Und da wei\u00df ich aus Erfahrung, bei Junfermann sitzen Lektoren, die haben ein GFK-Verst\u00e4ndnis.\nMH: Danke sch\u00f6n. Leite ich gerne weiter.\nOH: Ja, da bin ich so dankbar, dass da diese englischsprachigen Ideen in deutsche Sprache \u00fcbersetzt werden und zwar nicht 1 zu 1 w\u00f6rtlich, sondern sinngem\u00e4\u00df h\u00e4ufig.\nMH: Mhm.\nOH: Weil ich kenne auch Publikationen, da hat jemand einfach ja Deutsch \u00fcbersetzt, weil er gut Englisch kann, irgendwie. Das ist nicht mehr die GFK-Idee, die da r\u00fcberkommt.\nMH: Ja, genau. Ja, nee, sch\u00f6n, dass Sie das, dass Sie das sagen.\nAP: Ja, ja, und ansonsten so kleine Hilfsmittel sind wie zum Beispiel auf unserem Blog schauen, das halte ich sehr hilfreich. Auch es gibt so ein Netzwerk Treffen, also so Netzwerktage oder GFK-Tage, jetzt habe ich es, GFK-Tage in verschiedenen St\u00e4dten und da kann man sich immer wieder, da kann man verschiedene Trainer kennenlernen, da kann man so mal reinschnuppern, was bedeutet das, gewaltfreie Kommunikation, so in so Workshops von anderthalb bis 2 Stunden.\nAP: Ja genau, Trainer in kurzen Workshops an GFK-Tagen kennenlernen, ich glaube, das ist 'ne wunderbare Weise, sich dem Thema zu n\u00e4hern. Da lernt man Trainerpers\u00f6nlichkeiten kennen, verschiedene und findet Orientierung, was ist jetzt eigentlich genau GFK, was reizt mich daran?\nMH: Ja.\nOH: 'N bisschen warnen, warnen m\u00f6chte ich auch gerade noch, wenn man sich f\u00fcr GFK interessiert. Nicht alles, was bei YouTube oder ansonsten im Netz unter GFK angeboten wird, verk\u00f6rpert f\u00fcr mich auch die Haltung von GFK\nMH: O. K., wie kann man da unterscheiden?\nOH: Ja, das ist eben schwierig. Also jemand, der GFK nicht erkennt, kann nicht erkennen, dass es das jetzt gerade nicht ist. Das Dilemma halt, ne. Und da gibt es ein paar Menschen auf YouTube, die haben sich da irgendwie dem Thema GFK verschrieben und ich frage mich, bei wem sie gelernt haben, weil das w\u00e4re nicht mein Verst\u00e4ndnis von GFK und da kommt oft so ein manipulatives Verhalten auch durch, gerade im F\u00fchrungskontext auch.\nMH: Ja, jetzt, jetzt d\u00fcrfen sie noch mal ein bisschen Werbung f\u00fcr sich machen. Sie haben auf ihrer Homepage oder ist es auf dem Blog diese Gruppe, fand ich total lustig, verbale Raumpflegerinnen gesucht.\nOH: Ja, genau, also wir suchen Menschen, die sich einsetzen f\u00fcr die Reinigung von zwischenmenschlichen R\u00e4umen, deswegen \nMH: sehr sch\u00f6n. \nOH: Deswegen verbale Raumpflege und das ist ein kostenfreies Angebot. Das sind 3 Onlineabende \u00e0 90 Minuten im Abstand von 3 Wochen. Geht jetzt im Juni wieder los und da k\u00f6nnen Menschen 90 Minuten lang dreimal irgendwie ein paar GFK-Grundlagen aufschnappen und mit uns im Gespr\u00e4ch sein.\nMH: Mhm, und Sie bieten auch 'ne kostenlose Mailserie an.\nAP: Ja, genau, gerade wenn man nach unserem Buch bei Junfermann schaut, heute gewaltfrei, 365 ...\nOH: 366 genau.\nAP: ... Zitate mit so kleinen Anregungen, da findet man auf der Webseite auch so 'n kleinen Einf\u00fchrungs-Mini-Kurs, wo man so zu den 4 Schritten und zur Haltung sich ein Impuls runterladen kann.\nMH: Mhm, gut, ja, darf ich Sie zum Abschluss nach einer Botschaft fragen? Was haben Sie f\u00fcr uns alle, aber auch explizit f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte und Mitarbeitende, f\u00fcr uns? Ja, weil was, was k\u00f6nnte Ihre Botschaft sein?\nAP: Ich sage also, da wo sich Menschen gesehen und wertgesch\u00e4tzt erleben, da entsteht etwas Kraftvolles, n\u00e4mlich Vertrauen, Motivation und wirklich echte Zusammenarbeit.\nOH: Also bei mir ist es eher ein Appell als eine Botschaft. Also ich appelliere an alle F\u00fchrungskr\u00e4fte, insbesondere an M\u00e4nner. Anja geht  jetzt wieder hier.\nAP: Ja, genau.\nOH: Ja, das ist trotzdem so ein Dilemma, was ich wirklich habe. Also wir, wir haben viele, viele Kurse, die voll werden, weil da interessierte Frauen sind. Die bilden eine Mehrheit von 60 bis 80% in unseren Trainings. Und ich vermisse oft M\u00e4nner in Trainings, ja, weil die sich von gewaltfreier Kommunikation mit dem Titel so halt nicht angesprochen f\u00fchlen, ne. Und meine Botschaft, mein Appell: M\u00e4nner, ne, wendet euch oder vergesst erst mal alles, was ihr schon von GFK auf einer oberfl\u00e4chlichen Ebene geh\u00f6rt habt, es ist anders als ihr denkt, kommt und guckt es euch an, erlebt es.\nMH: Aber gut, dass Sie diese Geschlechterfrage gerade auch noch mal beantwortet haben, haben wir ganz vergessen, haben wir gar keinen Bezug drauf genommen. Aber ja, genau das, ne, M\u00e4nner, Frauen, da gibt es dann doch Unterschiede. Ja, aber wenn ich mal so ein bisschen zusammenfasse, ich hab das ja auch bei Ihnen raus geh\u00f6rt, dass Sie, dass es f\u00fcr nicht nur eine innere Haltung, das ist auch ein, das ist ein Lebensprinzip. GFK ist ein Lebensprinzip. Was gibt Ihnen beiden denn Hoffnung, wenn Sie auf unsere heutige so Kommunikationskultur schauen?\nOH: Wahrscheinlich h\u00f6rbar, ja, fang an.\nAP: Na ja, f\u00fcr mich ist es einfach die Hoffnung, wenn Menschen beginnen, sich auf diesen Weg zu machen, also gewaltfreie Kommunikation ist kein Sprachtest, sondern Lernweg. Also wenn Menschen sich auf diesen Weg begeben, dann geschieht einfach Ver\u00e4nderung und das stimmt mich zuversichtlich.\nMH: Mhm.\nOH: Ja, dieses Thema Social Change, wie es im Englischen hei\u00dft von Rosenberg, also sozialer Wandel, ist ja in der GFK-Bewegung ein ein ganz gro\u00dfes Thema. Und wir werden ja auch mal gefragt von Leuten: Ja, wie k\u00f6nnt ihr so optimistisch sein in Bezug auf unsere Zukunft, gerade wenn man doch jetzt Schlagzeilen liest, irgendwie, da muss man doch eher skeptisch sein. Ja, das mag ein R\u00fcckschritt sein, was wir gerade zurzeit erleben auf einer kurzfristigen Ebene und ich glaube aber dennoch, es sind so viele Menschen mit neuen Gedanken, neuen Ideen in der Welt unterwegs, nicht nur GFK ganz allgemein, Menschen, die wieder eher \u00fcber Miteinander nachdenken, wie das funktionieren kann, gemeinschaftliches Denken und Arbeiten praktizieren, dass ich \u00fcberzeugt bin, da w\u00e4chst 'ne gro\u00dfe Gruppe von Menschen heran, die das Ganze ganz anders haben m\u00f6chten. Und diese Leute zu erleben bei uns in den Trainings, die Dinge ganz anders anpacken wollen, diese Menschen bei uns zu erleben in unserer Trainerinnenausbildung, die auch jedes Jahr gebucht ist, voll wird in vielen Jahren auch, also gerade Menschen, die wir ausbilden als GFK-Trainer, die dann auch noch weitermachen, sich zertifizieren lassen, ja, die als Botschafter f\u00fcr GFK in der Welt unterwegs sind, das sind so viele, die man im Alltag nicht sieht und gleichzeitig so viele Menschen, die da was bewirken.\nMH: Klasse, ja, das haben Sie, ja, Sie haben mich jetzt gerade auch richtig ber\u00fchrt damit, also toll, ja, haben Sie mich mit motiviert, mhm.\nOH: Ja, dann frage ich, dann frage ich mal, dann frage ich mal nach, was ber\u00fchrt Sie da gerade an diesem Thema?\nMH: Was mich ber\u00fchrt, das ist diese, dass sie sagen, dass wir in der Gemeinschaft miteinander gro\u00df werden k\u00f6nnen, so ja, dass sie Hoffnung machen, dass wir, dass wir nicht in diesem, in dieser ganzen Schelte, die wir irgendwie t\u00e4glich erfahren, dass wir darin untergehen, sondern dass wir wirklich in der Gemeinschaft, ja es es zu einem friedvollen, in dass wir ein zu einem friedvollen Leben, miteinander Leben finden k\u00f6nnen.\nOH: Ja, die Mehrheit der Menschen denkt und empfindet so.\nMH: Ja, ja.\nOH: Der Radau, den wir \u00fcber die Medien h\u00f6ren, das ist ja nicht alles, was da ist.\nMH: Ja, genau. Also ich m\u00f6chte mich ganz, ganz, ganz, ganz herzlich bei Ihnen beiden bedanken. Wir haben nat\u00fcrlich nicht alle Fragen stellen und beantworten k\u00f6nnen, aber ich denke doch viele, dass wir auch viele Impulse haben geben k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte mich also ganz herzlich bei Ihnen beiden bedanken, Frau Palitza, Herr Hartke, dass Sie so viel Zeit auch letztendlich jetzt gefunden haben.\nAP: Gerne, ne.\nOH: Ja, gerne, wir brennen f\u00fcr das Thema.\nMH: Ja, sch\u00f6n, ja, das hat man auch rausgeh\u00f6rt. Ja, wunderbar. Also, ich w\u00fcnsche Ihnen alles, alles Gute.\nOH: Ja, danke f\u00fcr diese Gelegenheit, \u00f6ffentlich zu brennen.\nMH: Sch\u00f6n, wunderbar. Ja, bis dahin.\nAP: Ja, tsch\u00fcss.\nOH: Tsch\u00fcss.\nMH: Ui, das Thema GFK ist schier unersch\u00f6pflich und so, so wertvoll. Das Gespr\u00e4ch mit Anja Palitzer und Olaf Hartke ist heute ein wenig l\u00e4nger geworden, wie du gemerkt hast, aber ich denke, das Thema ist es absolut wert. Ich weise noch mal auf das Buch der beiden hin, das da hei\u00dft: Heute gewaltfrei, 366 Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr jeden Tag. Ja, ich hoffe, du konntest was mitnehmen aus der Folge, es w\u00fcrde mich sehr freuen und es freut mich auch, wenn du mir Feedback gibst auf blogweise.junfermann.de. Jedenfalls bedanke ich mich bei dir f\u00fcrs Zuh\u00f6ren und es bleibt mir nur noch zu sagen, gib sch\u00f6n auf dich acht. Deine Marion.": null}