Transkript INSIDE BREMEN mit Jan Timke Messerkriminalität Die Zahlen sind wirklich dramatisch, von 350 Messerangriffen auf 670. Das ist nahezu eine Verdopplung innerhalb von 4 Jahren und das darf auch niemand kleinreden. Inside Bremen, der Podcast der Fraktion Bürger in Wut. Inside Bremen, heute geht es um Messerangriffe im Land Bremen, denn die haben sich innerhalb von 4 Jahren nahezu verdoppelt. Und hier ist die Stadt Bremen mal wieder spitze. Im Jahr 2025 zählte man in Bremen mit einer Fallzahl von 527 insgesamt mehr Messerangriffe als Frankfurt am Main, Hannover oder Leipzig. Besonders auffällig und irgendwie nicht überraschend, rund drei Viertel der Tatverdächtigen waren vor der Tat bereits Polizei bekannt. Und 61,4 der polizeilich festgestellten Personen in Bremen hatten keinen deutschen Pass. Das ging jedenfalls aus den Senatsantworten einer aktuellen Anfrage an den Senat hervor. Gast ist Jan Timke, Fraktionsvorsitzender von Bürger in Wut in der bremischen Bürgerschaft und deren innenpolitischer Sprecher. Hallo Jan. Hallo Carsten, danke, dass du mich wieder eingeladen hast. Jan, vorab mal gefragt, wann spricht die Polizei von einem Messerangriff? Ein mitgeführtes Messer in der Hand, in der Hosentasche, in der Waffenverbotszone reicht wohl nicht aus. Nein Carsten, das reicht nicht. Nach der Definition der Polizeilichen Kriminalstatistik, also der PKS, spricht man von einem Messerangriff, wenn mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person gedroht wird oder das Messer entsprechend eingesetzt wird. Also das bloße Mitführen eines Messers stellt kein Messerangriff nach der Polizeilichen Kriminalstatistik dar. Was allerdings in einer Waffenverbotszone anders ist. Wer in einer sogenannten Waffenverbotszone ein Messer in der Tasche hat, verstößt schon gegen das sogenannte Mitführverbot. Das kann dann eine Ordnungswidrigkeit oder eben je nach Gegenstand, also je nach Messerart und auch den Umständen auch eine Straftat sein. Und wenn ich das noch sagen darf, statistisch ist das aber eben nicht automatisch ein Messerangriff. Und diese Unterscheidung ist eben wichtig. Wir reden hier nicht von abstrakten Verstößen, sondern wir reden hier über Fälle, in denen ein Messer zur Bedrohung oder zur Gewalt gegen Menschen eingesetzt wird. Genau, danke. Auf die Waffenverbotszone gehe ich dann gleich nochmal ein. Aber erstmal zum Anstieg insgesamt. Die Fallzahlen bei Messerangriffen sind ja von 350 im Jahr 2021 auf 670 im Jahr 2025 gestiegen. Ein Plus von 91% in vier Jahren. Davon allein 35,4% im letzten Jahr. Wie erklärt der Senat denn eigentlich, dass sich dieser Trend derart beschleunigt hat? Du hast es gerade angesprochen. Die Zahlen sind wirklich dramatisch. Von 350 Messerangriffen auf 670. Das ist nahezu eine Verdopplung innerhalb von vier Jahren. Und das darf auch niemand kleinreden. Der Bremer Senat verweist ja gerne auf Pandemie-Effekte, auf gesellschaftliche Belastungen. Er spricht da von Inflation, von internationalen Krisen und eine möglicherweise höhere Anzeigebereitschaft zur Rechtfertigung dieser schlechten Zahlen. Und ja, diese Faktoren können natürlich eine Rolle spielen, aber sie erklären eben nicht, warum Bremen trotz Waffenverbotszonen, trotz der ja getätigten Kontrollen und auch trotz Videoüberwachung oder Präventionsprogrammen zuletzt einen so starken Anstieg erlebt hat. Aus meiner Sicht zeigt das vor allem eins, dass die bisherigen Maßnahmen eben nicht ausreichen, um das Problem wirksam einzudämmen. Wer Fallzahlen fast verdoppeln lässt, kann sich eben nicht auf den Hinweis zurückziehen, dass die Kriminalität sehr komplex sei. Das ist zu kurz gesprungen. Und da erwarten die Bürger, da erwarten wir auch vom Senat einfach mehr Anstrengung. Der Senat erwartet für 2026 einen leichten Rückgang, basierend auf einer Hochrechnung aus dem ersten Halbjahr. Ist es nicht eher ein, ich würde mal sagen, Wunschdenken als eine belastbare Prognose, gerade angesichts der bekannten Vorjahresentwicklung? Karsten, Wunschdenken ist da, glaube ich, das richtige Wort. Ich wäre mit solchen Prognosen ehrlich gesagt etwas vorsichtig. Der Senat schreibt ja selbst in seiner aktuellen Antwort zu diesem Thema, dass die Hochrechnung für 2026 nur auf den Daten des ersten Halbjahres beruht und spätere Veränderungen im Ermittlungsstand eben nicht berücksichtigt sind. Und das ist eben keine belastbare Entwarnung, sondern bestenfalls ja eine Momentaufnahme. Wir müssen doch feststellen, dass wir einen massiven Anstieg bis 2025 hatten. Und es wäre aus meiner Sicht fahrlässig, jetzt hier politische Beruhigung zu verbreiten. Und selbst wenn am Jahresende wir leicht unter dem Rekordwert von 2025 liegen sollten, du hattest es ja eben gesagt, 670 Messertaten, dann ist das trotzdem auf einem inakzeptablen hohen Niveau. Entscheidend ist doch nicht, ob wir nun 670, 640 oder 620 Messertaten am Ende haben. Entscheidend ist, dass Bremen im Vergleich zu 2021 weiterhin eine massiv hohe Belastung hätte. Und unsere Forderung ist deshalb ganz klar, dass wir nicht auf eine günstigere Statistik hoffen, sondern dass wir jetzt handeln müssen mit mehr Präsenz, mit mehr gezielten Kontrollen, auch mit einer konsequenteren Strafverfolgung und wirksamen Maßnahmen gegen notorische Gewalttäter. Ja, der stärkste Treiber ist eben mit 70,7 Prozent plus die Bedrohung mit dem Messer. Denkst du, dass der Senat aus Sicht von Bürger in Wut eigentlich konkret etwas gegen diese spezifische Deliktform, über die wir sprechen, etwas tut oder wird sie nur einfach statistisch so mitgezählt? Also bei den Messertaten haben wir tatsächlich eine sehr hohe Bedrohungsanzahl. Du hast es gesagt, von 184 Fällen auf 314. Eine Bedrohung mit einem Messer ist keine Bagatelle. Das will ich hier auch ganz klar für unsere Fraktion klarstellen. Für die Betroffenen kann sich das traumatisierend auswirken. Außerdem kann aus einer solchen Situation natürlich auch jederzeit eine schwere Körperverletzung oder im schlimmsten Fall auch eine Tötung resultieren. Deshalb muss die Polizei solche Fälle, solche Bedrohungsfälle auch als deutliche Warnsignale behandeln. Wer einen Menschen mit einem Messer bedroht, der zeigt eine erhebliche Gewaltbereitschaft und darf eben nicht erst nach einer Eskalation als Risiko erkannt werden. Und aus diesem Grund muss schon bei einer Bedrohung klare Kante gezeigt werden. Ich will da mal zwei, drei Aspekte nennen, die wir fordern als Fraktionen. Wir müssen eben die beschleunigten Ermittlungs- und Strafverfahren endlich umsetzen in Bremen. Wir brauchen eine konsequente Prüfung individueller Messertrageverbote. Da haben wir jetzt gerade in dieser Woche in der Bürgerschaft auch die ersten Weichen gestellt. Frau Senatorin Eva Högl hat da auch einen, wie ich finde, sehr guten Redebeitrag zugehalten in der Bürgerschaft. Wir brauchen eine engmaschige Kontrolle einschlägig bekannter Täter. Und natürlich, wir brauchen schnelle und spürbare Sanktionen bei Verstößen gegen Waffen- und Messerverbote. Der Senat schreibt ja in seiner Antwort, bei der Interpretation dieser Zahlen, die Zahlen aus der Antwort, ist aus mehreren Gründen Vorsicht geboten. Da frage ich mich, warum das eigentlich sollte heißen. Die Statistik lügt? Nein, Carsten, die Statistik lügt nicht, aber sie muss eben auch sauber gelesen werden und sie muss nicht falsch interpretiert werden. Die PKS, also die polizeiliche Kriminalstatistik, ist ja eine sogenannte Ausgangsstatistik. Das bedeutet, Fälle werden erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen gezählt. Und deshalb können natürlich Tatzeiten und statistische Erfassungen deutlich auseinanderfallen. Und zudem hängt natürlich die Zahl der registrierten Fälle auch von der Anzeigebereitschaft und von der Kontrolldichte der Polizei ab. Wird weniger kontrolliert, weil kein Personal da ist oder weil man andere Schwerpunkte setzt, werden natürlich auch weniger Verstöße gegen das Waffenrecht, unter denen ja die Messer fallen, festgestellt. Das ist also grundsätzlich richtig und seriös, zumal die PKS ja bundesweit auch nach gleichen Maßstäben aufgestellt wird, sodass man auch die einzelnen Bundesländer oder vielleicht auch einzelne Städte gut miteinander vergleichen kann. Aber daraus folgt eben nicht, dass der massive Anstieg bedeutungslos wäre. Ich denke, sogar das Gegenteil ist der Fall. 670 registrierte Messerangriffe, dabei wurden 520 Tatverdächtige festgestellt und es gab 800 Opfer im Jahr. Das sind reale polizeilich bearbeitete Fälle und leider auch reale Menschen, die als Opfer unter diesen Messertaten leiden. Und deshalb dürfen die methodischen Hinweise nicht als Ausrede dienen, um die erkennbare Verschärfung der Lage zu relativieren. Genau diese Ergebnisse der PKS gefallen natürlich eher linksgrünen Politikern nicht, weil sie natürlich etwas wiedergeben, was von den eher rechten Parteien, bürgerlichen Parteien immer kritisiert wird. Wie lange wird es die PKS daher in dieser Ausprägung geben, wenn immer etwas festgestellt wird, was man eigentlich gar nicht so gerne im Regierungsinteresse hätte? Also Carsten, ich hoffe, dass es die polizeiliche Kriminalstatistik noch sehr lange gibt, denn es ist eben kein politisches Meinungsinstrument, sondern eine bundesweit etablierte Statistik, die auf polizeilich registrierten und auch auf abgeschlossenen Fällen beruht. Und gerade weil sie politische Debatten auslösen kann, muss sie natürlich transparent, vergleichbar und unabhängig von parteipolitischen Interessen bleiben. Ich halte es übrigens auch für falsch, unbequeme Zahlen infrage zu stellen, nur weil sie nicht in ein gewünschtes politisches Narrativ passen. Politik muss sich eben an den Realitäten orientieren und nicht umgekehrt. Und wenn bestimmte Tätergruppen, wenn Tatorte, wenn Deliktsformen oder vielleicht auch Wiederholungstäter statistisch auffallen, dann muss man diese Erkenntnisse offen benennen und daraus die Konsequenzen ziehen. Vielleicht darf ich das noch sagen, wenn beispielsweise überproportional viele Ausländer bei Messertaten auffallen oder wenn viele der auffälligen Messertäter bereits polizeibekannt sind, dann sind das doch ganz wichtige Hinweise, die wir offen ansprechen müssen, um eben auch polizeiliche, gesellschaftliche oder auch strafrechtliche Gegenstrategien zu entwickeln. Darauf wollte ich gerade eingehen. Rund drei Viertel der Tatverdächtigen waren bereits polizeilich bekannt, schreibt der Senat. Warum gelingt es nicht, bei dieser klar identifizierbaren Gruppe präventiv früher einzugreifen? Oder will man es vielleicht gar nicht? Ja, du hast es eben angeführt, das ist ein zentraler Befund und der ist erschreckend. Wobei man das ein bisschen relativieren muss. Polizeilich bekannt bedeutet ja allerdings nicht automatisch, dass jemand rechtskräftig verurteilt ist oder dass alle früheren Erkenntnisse, polizeilichen Erkenntnisse eben die Messergewalt betrafen. Aber trotzdem zeigt natürlich dieser Wert, dass wir es in einem erheblichen Umfang eben nicht mit Unschuldslämmern zu tun haben, sondern mit Personen, die ja schon vor den Messertaten gegen Recht und Gesetz verstoßen haben. Und genau hier muss der Staat nach Auffassung unserer Fraktion Bürger in Wut eben früher und konsequenter ansetzen. Und das heißt für uns, dass wir die Risikopersonen und Gewalttäter identifizieren und auch priorisieren müssen. Dass wir beispielsweise bei Jugendlichen frühzeitiger die Jugendhilfe, die Polizei, die Justiz und die Schule zusammenbringen müssen. Das heißt aber auch, dass Verfahren natürlich ganz klar beschleunigt und Bewährungsauflagen tatsächlich kontrolliert werden müssen. Und das heißt Carsten, dass bei ausländischen Straftätern alle ausländerrechtlichen Möglichkeiten auszustöpfen sind, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen auch vorliegen. Kommen wir jetzt mal zu diesen Waffenverbotszonen, die es ja in Bremen auch mehrfach gibt. Eine einheitliche statistische Erfassung von Kontrollen in Waffenverbotszonen gibt es laut Antwort des Senats erst seit Mai 2026. 17 Jahre nach Einführung der ersten Zone 2009. Wie kann der Senat die Wirksamkeit eines Instruments eigentlich beurteilen, das er nie sauber ausgewertet hat? Ja Carsten, das ist natürlich ein sehr peinlicher Vorgang für diesen Senat. 2009 ist die erste Waffenverbotszone eingerichtet worden und trotzdem gab es keine einheitlichen Kategorien zur Erfassung von Schwerpunktmaßnahmen in Waffenverbotszonen. Und das bedeutet, wenn man dieses Instrument über Jahre hinweg als wichtig für die öffentliche Sicherheit bezeichnet hat, dann muss man doch auch nachvollziehbar dokumentieren, beispielsweise wie viele Kontrollen überhaupt stattgefunden haben oder wie viele Personen überprüft wurden, wie viele Verstöße festgestellt wurden und ob sich die Gewalt- und Messerangriffe in diesen betroffenen Bereichen, in denen man kontrolliert hat, auch verändert haben. Und das hat der Senat nicht getan. Stattdessen räumt er ja unumwunden ein, dass eine saubere statistische Auswertung lange Zeit nicht möglich war und viele Angaben eben nur durch eine manuelle Analyse der Einsatzberichte rekonstruiert werden konnte. Und das ist aus meiner Sicht ein Armutszeugnis für die innere Sicherheit. Das ist ein Armutszeugnis für diesen Senat. Jan, sprechen wir mal über die Situation an Schulen. Der Senat für Kinder und Bildung konnte die Frage nach Messervorfällen an Schulmangelsdaten gar nicht beantworten. Eine Geokodierung war aufgrund des hohen manuellen Aufwands nicht möglich. Wie ernst nimmt der Senat für die BIW-Fraktion das Thema Schulsicherheit, wenn es da nicht einmal Daten zugibt? Also wenn ich die Antwort lese, dann kommt mir zunächst der Gedanke, dass der Senat das gar nicht ernst nimmt. Weil es kann ja nicht sein, dass in einer staatlichen Einrichtung, in die wir unsere Kinder und Jugendlichen geben, dass es dort kaum erfasst wird, wie viele Messertaten es dort gab, wie viele Personen verletzt wurden, wie viele Bedrohungslagen es gab. Also das fand ich schon sehr bemerkenswert in dieser Anfrage. Ich erwarte einfach vom Senat, dass er die Schulsicherheit ernst nimmt und dass er Daten erhebt, wo Vorfälle stattfinden, ob sich bestimmte Schulen oder Stadtteile häufen, in welchem Kontext diese Waffen oder Messer mitgeführt bzw. auch eingesetzt werden, ob Täter oder Opfer Schüler sind, ehemalige Schüler oder vielleicht sogar externe Personen und welche Maßnahmen nach einem Vorfall ergriffen werden und ob sie Wirkung zeigen. Das sind alles Dinge, die wir schnellstmöglich klären müssen, damit das Vertrauen der Erwachsenen und auch der Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrkräfte in die Schule nicht schwindet. Wir hatten ja in diesem Porträt schon öfters mal darüber gesprochen, dass Bremen die gefährlichste Stadt in Deutschland sei. Nun gibt es eine Häufigkeitszahl bei Messerdelikten und die liegt nahe an Frankfurt und Hannover und deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Wie siehst du denn die Gründe dafür, dass Bremen im Ländervergleich so stark belastet ist? Ja, es ist natürlich erschreckend, dass wir im Ländervergleich oder mit anderen Städten hier eine deutlich höhere Belastung haben. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass der Vergleich nicht vollkommen eins zu eins übertragbar oder möglich ist, weil Bremen ja ein Zwei-Städte-Land ist und Großstädte generell andere Belastungen aufweisen als ländliche Räume. Aber dennoch kann man die Zahlen nicht wegdiskutieren. Bremen hat eine hohe Belastung und der Senat muss hier schnell handeln. Ja, trotz der drastisch steigenden Zahlen sieht der Senat übrigens aktuell keine Erforderlichkeit für eine Intensivierung der Kontrollen in Waffenverbotszonen. Das hat mich also ziemlich gewundert. Klingt das angesichts der Zahlen nicht wie ein fatales Signal? Ja, das ist sogar ein bisschen mehr. Ich würde sagen, das grenzt schon an eine Kapitulation. Wenn der Senat sagt, wiederkehrende Kontrollen fänden statt, eine Intensivierung sei derzeit nicht erforderlich. Gleichzeitig stehen wir aber bei 670 Messerangriffen im Jahre 2025, nach übrigens 495 im Vorjahr. Dann ist das eine Kapitulation. Natürlich müssen Kontrollen lageangepasst und lageorientiert sein. Es wäre unseriös, einfach nur irgendwelche hohen Zahlen zu nennen. Aber wenn bekannte Brennpunkte weiterhin auffällig sind oder wenn Messer bei Kontrollen gefunden werden und wenn Messerangriffe im mehrjährigen Vergleich noch steigen oder massiv sogar steigen, dann muss die sichtbare Präsenz deutlich erhöht werden. Ja, und die Bremer erwarten ja gerade, dass an Bahnhöfen, an Haltestellen oder in Kneipenvierteln oder bei Großveranstaltungen an bekannten Kriminalitätsschwerpunkten, dass da der Staat nicht erst reagiert, nachdem etwas passiert. Waffenverbotszonen ohne spürbare Kontrolldichte sind vor allem nur Schilder. Sie werden erst dann wirksam, wenn jeder auch weiß, wer hier mit einem Messer rumläuft. Bei dem ist die Gefahr groß, dass dieses Messer festgestellt wird, dass er kontrolliert wird und entsprechend auch sanktioniert wird. Was es auch gibt, wovon ich noch nie was vorher gehört habe, sind Messertrageverbote individuell ausgesprochen gegen polizeibekannte Personen. Das klingt nach meinem Geschmack also mehr als niedlich, aber diese werden laut Antwort des Senats erst vorbereitet. Was soll dieses Instrument eigentlich bringen und wann genau wird es tatsächlich angewendet? Hältst du überhaupt was davon? Also individuelle Messertrageverbote sind wirklich ein neues Instrument hier in Bremen. Sie können ein sinnvolles oder wirkungsvolles Instrument sein, wenn sie auch tatsächlich konsequent gegen einschlägig auffällige Personen eingesetzt werden. Der Senat bereitet ja solche Verbote nach dem Polizeigesetz gegen polizeibekannte Personen gerade vor und hat nach eigener Darstellung bereits mögliche Adressaten identifiziert. Die Idee hinter solchen Messertrageverboten ist einfach, wer wiederholt durch Gewalt, Bedrohungen, Waffenverstöße oder Messerkriminalität aufhält, soll nicht nur in bestimmten Zonen, also diesen Waffenverbotszonen, sondern individuell daran gehindert werden, Messer im öffentlichen Raum mitzuführen. Ein Verstoß gegen ein solches Verbot muss dann natürlich unverzüglich feststellbar sein und, und das ist uns ganz wichtig, spürbare Konsequenzen haben. Wenn das Instrument allerdings jetzt nur als Beruhigungspille gilt und nur vorbereitet wird, aber am Ende kaum angewendet oder auch nicht kontrolliert wird, dann bleibt es natürlich reine Symbolpolitik, da gebe ich dir recht, Carsten. Es muss also jetzt zügig rechtssicher und vor allem konsequent umgesetzt werden. Die Bürger erwarten ja, dass Bremen wieder sicher wird. Ja, was muss in Sachen Kriminalitätsbekämpfung für Bürger in Wut passieren, damit das passiert? Wie viel Zeit hast du, Carsten? Drei Sätze. Okay, also damit sich die Bürger in Bremen wieder sicher fühlen können, braucht Bremen einen klaren Kurswechsel. Die Sicherheit muss wieder eine Kernaufgabe in Bremen sein und muss äußerste Priorität haben. Und zwar nicht mit Symbolpolitik, sondern eben mit einer Strategie, die Prävention, die Präsenz, die Sanktionen und transparente Erfolgskontrolle miteinander verbindet. Und aus Sicht der Bürger in Wut, und dann sind die drei Sätze vorbei, aber das sei mir bitte noch erlaubt, haben wir aus unserer Sicht sechs Punkte, die wir gerne umgesetzt sehen wollen. Also wir brauchen deutlich mehr sichtbare Polizeipräsenz und deutlich mehr sichtbare Präsenz des Ordnungsdienstes in den Brennpunkten, aber vor allem am Hauptbahnhof, in der Bahnhofsvorstadt, an ÖPNV-Haltestellen, in Ausgiebvierteln und auch auf Großveranstaltungen. Wir brauchen Waffenverbotszonen, die konsequent kontrolliert werden und nicht nur auf dem Papier stehen. Und wir brauchen auch eine Ausweitung der Waffenverbotszonen. Als drittes brauchen wir natürlich schnelle, konsequente Strafverfahren, gerade bei Messergewalt, Bedrohungen und bei Wiederholungstaten. Und wir brauchen die konsequente Nutzung individueller Messertrageverbote gegen einschlägig auffällige Personen. Und das sei mir noch erlaubt, den letzten Punkt, die Ausschöpfung ausländerrechtlicher Maßnahmen bei nichtdeutschen Straftätern, soweit es eben die rechtlichen Voraussetzungen erlauben. Ja, bei Messergewalt gibt es auch Opfer, es gibt Todesfälle. Jan, am 19. September warst du auch mit Fraktionskollegen in Frankfurt am Main. Ihr habt an der Trauerwache Deutschland mit anschließendem Trauermarsch teilgenommen. Die Trauerwache Deutschland war eine öffentliche Gedenkveranstaltung. Sie erinnerte an Menschen, die seit 2015 durch Gewalttaten ums Leben gekommen sind, vor allem durch Attentate, Anschläge oder schwere Gewalttaten wie Messerkriminalität im Zusammenhang mit Schutzsuchenden. Im Mittelpunkt standen in Frankfurt die Opfer und ihre Angehörigen. Wie waren denn deine unmittelbaren persönlichen Eindrücke? Carsten, die Trauerwache und der anschließende Trauermarsch haben mich persönlich wirklich sehr, sehr bewegt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen nicht politische Schlagworte, sondern eben Menschen, die durch wirklich schwere Gewalt, durch Terror oder durch Messerangriffe Angehörige verloren haben. Und hinter jeder Tat stehen Familien, Freunde, Kinder, Eltern und Lebensgeschichten, die unwiederbringlich zerstört wurden. Mein Eindruck war vor allem, viele Menschen wünschen sich, dass die Opfer nicht vergessen werden. Sie wollen, dass man über Ursachen, über Versäumnisse und politische Konsequenzen sprechen darf, ohne dass dies sofort als unzulässige Instrumentalisierung abgetan wird. Und für mich, Carsten, das will ich hier auch ganz deutlich sagen, für mich bedeutet eine solche Veranstaltung nicht, ganze Gruppen unter Generalverdacht zu stellen. Sie bedeutet, den Opfern Würde zu geben, zuzuhören und ganz klar zu machen, jeder Gewalttod ist einer zu viel. Gerade als Innenpolitiker muss man die Pflicht haben, diese Realität ernst zu nehmen und daraus politische Konsequenzen zu ziehen. Ja, und dann danke ich dir. Wir haben mal wieder über dieses schreckliche Thema Messerkriminalität gesprochen. Danke für deine Auskünfte. Ich danke dir, dass du mich wieder eingeladen hast. Anlass war die Antwort des Senats auf eine Anfrage zum Thema Messerkriminalität in Bremen.