WEBVTT 00:00:01.620 --> 00:00:33.979 Also das Besondere bei uns in der Heimatstube ist das Bergholzer Wofelisen. Es ist ein Waffeleisen. Es ist aus Eisen geschmiedet, früher vom Dorfschmied. Es ist ungefähr 70 cm lang. Na, so 5 kg wird es wohl ungefähr haben. Die Tradition des Wofelbackens in Bergholz beruht auf... 00:00:34.439 --> 00:01:05.099 ...dem Backen in den hugenottischen Familien. Die Hugenotten sind 1687 nach Bergholz gekommen und haben diese Tradition dann mitgebracht. Also die Bergholzer Wofeln, das ist das plattdeutsche Wort für harte Waffeln. Im Unterschied zu den herkömmlichen Waffeln, die mit Backpulver gebacken wurden, sind es Wofeln, die wurden mit Hefe gebacken. 00:01:05.819 --> 00:01:35.560 Also nur Hefe, Mehl und Fett und Zucker und Ei. In früherer Zeit wurde eben mit weniger, mit allem gerechnet. In heutiger Zeit geht man schon anders mit um. Aber die heutigen sind auch lockerer als die ursprünglichen, nach dem ursprünglichen Rezept. Und also richtig waren sie dann auch, wenn sie nach Wochen denn mal so hart waren, so die Überlieferung, 00:01:35.819 --> 00:02:04.879 dass man den anderen ein Loch in den Kopf hätte schmeißen können mit den Wofeln und dann aber trotzdem noch schmackhaft geblieben sind. Ja und dann eben später, dass man das bestreichen konnte mit Butter oder mit Marmelade. Die Wofeln wurden zwischen Weihnachten und Neujahr gebacken, das war Tradition. 00:02:05.920 --> 00:02:33.919 Gegessen wurden sie dann zu Neujahr. Und die hielten sich dann eben ganz lange. Es wurde eben in großem Maße dann einmal gebacken und dann hielten die sich dann nachher eben bis zu Ostern. Mein Mann hat mir damals erzählt, dass seine Mutter die Wofeln gebacken hat und ihm ins Feld geschickt hat. Und die kamen oft erst zu Ostern an als zu Neujahr. 00:02:34.379 --> 00:03:06.340 Und entsprechend, wenn sie dann schon zu fest waren, dann wurden sie auf so einen Eisenofen, was ihnen gerade möglich war, gelegt und aufgebacken. Und dann haben die Kameraden alle von gegessen. Also das ist eine Männerarbeit früher gewesen, so wie ich das gehört habe. Aber mit dem Eisen von meiner Schwiegermutter habe ich selber 00:03:07.020 --> 00:03:39.979 nun schon mehrere Male gebacken und vorm Ofen gesessen. Also das habe ich selber können handhaben oder wie man so sagt. Dann muss aber einer dabei sein, ein zweiter Mann, der, wenn das Eisen rausgezogen wird, die Fertigen rausnimmt und wieder den frischen Teig reinlegt. Da hat die Familie zusammen gebacken, ja. Also jede Familie hatte wohl ein... 00:03:40.639 --> 00:04:08.819 speziell gestaltetes individuelles Eisen in Auftrag gegeben beim Dorfschmied, wo dann eben Familiennamen, Abkürzungen drin waren oder es soll ein Bergholzeisen gegeben haben mit Wünschen fürs neue Jahr, Adam und Eva sogar, solche Sachen dann eben auch, dass man eben hinterher dann auch sagen konnte, weil jede Familie hatte ja wohl ihr eigenes Rezept sicherlich irgendwo dann, 00:04:09.099 --> 00:04:38.399 dass man hinterher auch sagen konnte, ach die von dem schmecken aber besser als die von dem. Ja, jede Familie hat ein irr Rezept weiterentwickelt. Diese Tradition des Wofelbackens wird heute noch in einigen Familien durchgeführt. Es wurde ja früher im offenen Feuer gebacken und heute ist es meistens dann eben in Ermangelung des offenen Feuers auch ein elektrisches Waffeleisen. 00:04:38.939 --> 00:05:11.779 2019 haben wir zum Tag der Vereine auch diese Wofelbacktradition einmal durchgeführt. Wir wollen das eigentlich zu diesen Gelegenheiten eigentlich auch mal wieder machen, aber es ist eben sehr aufwendig. Ja, mit dem Wofelisen, was wir im Museum haben, haben wir dann auch gebacken. Also Geschichte kann man dann bei uns auch schmecken. Stubengeschichten – ein Projekt von LAND-LAB im Auftrag des Kulturlandbüros.