Herzlich willkommen zu Folge 6 von Elektromorbid - dem Podcast rund um E-Mobilität.
Heute geht es um Marken, um China und um einen Menschentyp, den es eigentlich nicht gibt.
Ich bin Gen X. Zumindest denke ich das.
Ich bin im Schatten der Mauer groß geworden.
In einer Zeit , da haben die Deutschen die besten Autos, die besten Kameras, die besten Farbfilme, die besten Röhrenfernseher und die besten UKW Radios gebaut. Agfa, Leitz, SABA, Grundig, ITT Schaub Lorenz, Blaupunkt, Nordmende, BMW, Mercedes oder Dual. Das waren Marken. Es gab nix besseres. Grundsolide. Made in West-Germany war das Gütesiegel.
Ich weiss nicht wann das begann, als man nicht mehr so mitkam.
Rückwirkend würde ich sagen, man hat Entwicklungen und Strömungen nicht Ernst genug genommen. Man war ja die Nummer 1. Made in WEST Germany. Besser ging nicht.
Und dann war da plötzlich eine Firma Sony.
Die brachte bewährtes, ein Audio-Kassettenlaufwerk zum Beispiel, in neuem Gewand. Der Walkman war plötzlich da. Das war 1979. Und der schlug ein. Ich weiss nicht mehr, ob es je einen tragbaren Kassettenplayer von Grundig gab. Ich weiss aber noch, dass mit diesem neue Gadget neue Mitbewerber kamen. Asiatische Unternehmen, die vorher keiner kannte.
Mit Sony kam auch Design zur breiten Masse.
Es gab die Firma Braun in Deutschland, die gibt es ja immer noch. Die hatten ein ausergewöhnliches Design, aber bedienten nur ein
Nischenpublikum.
Heute bringt man Braun nur noch mit Rasiereren in Verbindung.
Sony aber war plötzlich der hippe, gut designte Hersteller für Unterhaltungselektronik. Mit Sony kamen Onkyo, Technics, Pioneer. Moderner Look und oft mit wesentlich
mehr Features als ein Grundig oder Nordmende und dabei technisch voll auf der Höhe.
Natürlich kauften noch viele Menschen Grundig und Nordmende Qualität. Weil die waren ja besser - weil, weil, weil sie besser waren. Spaltmaße gab es bei Unterhaltungselektronik ja nicht, sonst hätte man sich bestimmt darauf eingeschossen.
Aber mit dem Innovationsfeuerwerk der Japaner konnten die etablierten Hersteller irgendwann nicht mehr mithalten. Der Zug hatte den Bahnhof längst verlassen als man versuchte endlich aufzuspringen.
Grundig, SABA, Dual und andere gibt es heute nur noch als Marken und ihr Wirken beschränkt sich auf die Lizenzierung von Fremdherstellern.
Was ist das?
Mal sehr vereinfacht erklärt:
Stellen Sie sich vor, sie finden auf einer Herstellermesse in Shanghai einen kleinen MP3 Player der sich auch in Deutschland gut verkaufen liese.
Kleiner Tip - es muss nicht Shanghai sein, gehen Sie einmal auf die Website Made-in-China dot com. Da gibt es nichts, was es nicht gibt.
Zurück zu Ihrem mp3 Player.
Damit wenden Sie sich an Unternehmen wie die Firma Talisman Brands.
Diese Unternehmen haben rechtzeitig erkannt, dass Marken länger leben als die Hersteller und deren Produkte und sich darauf spezialisiert, sich von insolventen Unternehmen die Namensrechte zu sichern. Das war in den 80er/90er relativ einfach, weil die Kraft einer Marke damals komplett unterschätzt wurde.
Talisman Brands hat u.a. die Namensrechte von SABA, Blaupunkt, Thomson oder Nordmende.
in Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit sind die ehemals britischen Automarken MG und Rover - MG gehört heute Shanghai Automotive Industry Corporation
Es wurde keine Fabrik gekauft, nur der Name. Die Markenrechte an Rover hält der indische Tata Konzern.
Jetzt kommen Sie ins Spiel mit ihrem NoName mp3 Player aus einer Fabrik in Shenzen.
Sie stellen beim Lizenzverwalter einen Antrag, dass Sie den Namen „Blaupunkt“ für ihren MP3 Player verwenden wollen.
Die prüfen das dann und wenn es denen bei Thompson Brands passt, dann geht ihr chinesischer mp3 Player als Blaupunkt MP3 Player in den Handel.
Der Namens-Lizenzgeber kassiert dann bei jedem verkauften Player mit. Easy Money.
Und es gibt dann immer noch Leute die sagen, hoi ein Blaupunkt - der muss gut sein.
OK - Beim Namen Blaupunkt werden vor allem Boomer und die Gen X aktiviert - aber davon gibt es ja genug. So etwa 30 Millionen in Deutschland.
Noch sind Volkswagen, AUDI, Porsche, BMW, Opel ODER Peugeot nicht nur Marken, dahinter verbergen sich hundertausende Arbeitsplätze und dutzende Fabriken auf der ganzen Welt. Und damit das auch so bleibt sollte man nicht den Fehler der Unterhaltungsindustrie machen.
Also nicht auf sein altes Portfolio vertrauen, auch wenn es aktuell noch gut läuft. Sondern wirklich wieder die Führung übernehmen und selbst Akzente setzen. Voraus denken und Märkte gezielter angehen.
Das Auto neu denken - wie transportiere ich 4 Humanoiden mit Gepäck problemlos von A nach B?
Und da macht es BMW aus meiner Sicht besser als Audi oder Mercedes.
Diesel, Benzin, Wasserstoff, Batterie - nutze alle Energieträger. Die Welt ist groß, der Markt ist groß.
Und Trump zeigt - die Welt ändert sich binnen 24 Stunden wenn der Herr im Weissen Haus es will.
Zwei Dinge, die mir aktuell bei der deutschen Autoindustrie positiv auffallen.
Der erste ist China Only.
Das ist ja eigentlich nicht neu - es gab schon immer Automodelle, wie die Langversion des 5er BMWs die nur in China verkauft wurden, weil es da den Markt dafür gab.
Und weil dieser Markt groß genug und damit profitabel war.
Zur Orientierung - 2024 wurden in Deutschland 2.8 Millionen Autos verkauft.
In ganz Europa waren es 12 komma 9 Millionen Neuwagen.
Spitzenreiter war der Dacia Sandero vor dem Renault Clio und dem Model Y von Tesla.
Das Trio umfasst zusammen rund 770.000 Autos.
Und jetzt kommt China.
Einunddreissigmillionen vierhundertausend Neuwagen wurden 20 24 dort verkauft. Und der Markt wächst. Im ersten Halbjahr 25 alleine um 11%.
Mit 575.000 Einheiten ist der BYD Song das meistverkaufte Auto 20 24 im Reich der Mitte.
Der Song dürfte von der Größe einem VW Tiguan entsprechen.
Platz drei geht ebenfalls an BYD, 480.000 und 25 Chinesen haben sich für den Qin Plus als Hybrid oder Batteriewagen entschieden.
Auf Platz zwei liegt Tesla - 284 Chinesen mehr, also 480 tausen dreihundertundneun fahren das Model Y.
Den BYD Song gibt es Vollelektrisch oder als Hybrid mit 1,5 Liter benzinmotor. Und ganz offen, der Hybrid verkauft sich besser.
Ich habe nur die Weltweiten Zahlen von 2023 gefunden. Da wurden 636 tausend BYD Song verkauft, nur 93 tausend davon waren reine BEV, also Batterieautos
Unter den ersten zehn in China ist übrigens auch ein Volkswagen. Der gute alte Passat. Platz 10 mit 250 tausend Einheiten.
Bei uns waren es zur gleichen Zeit 47 Tausend Passat die letztes Jahr neu zugelassen wurden.
Jetzt haben Sie hoffentlich ein Gefühl für die Dimension des Chinesischen Automarktes bekommen und wie wichtig dieser für uns alle ist.
Deshalb, und jetzt schliesse ich den Kreis, ist eine China Only Strategie sehr sinnvoll.
VW macht das gerade gut mit seinen nur für den Chinesischen Markt entwickelten Modellen. Die da heissen ID.Aura, ID.Era und ID.Evo Angetrieben als Hybrid oder Vollelektrisch.
Audi hat für China das Logo geändert - das finde ich persönlich ein NoGo. Aber Audi scheint eh irgendwie lost.
Was fällt mir noch positiv auf?
BMW. Die Neue Klasse.
Das ist ein mutiger Schritt nach vorne. Neue rein elektrische Modelle mit neuer Batterietechnik, getrieben von einer, wie soll ich es sagen, neuen Fahrzeugintelligenz. Einfach komplett neu gedacht ohne Altlasten. Schade dass die in Ungarn gefertigt werden und nicht in Dingolfing.
In der neuen Klasse ist vieles verwirklicht, was man als Tesla Fahrer schätzt.
Mit jedem Neuwagen wächst sofort nach dem ersten Kilometer der Markt für Gebrauchtwagen.
Wer die gängigen Presseerzeugnisse verfolgt, der weiss - man kann alles gebraucht verkaufen nur keine Vollelktrischen Autos.
Gebrauchte Batterieautos sind unverkäuflich. Das lesen sie überall von Autoren die es von überall abschreiben. Benutzte Batterieautos verkaufen sich ähnlich gut wie benutzte Toiletten.
Wie sagte schon BMW Chef Zipse: Man soll nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.
Ich habe mich deswegen auf die Suche gemacht begrüße mit Ihnen meine erste Gesprächspartnerin in diesem Podcast.
Ich habe mich einfach mal in ein Auto dazu gesetzt.
Hier folgt jetzt ein Gespräch mit Chrissi, die ein gebrauchtes E-Auto gekauft hat.